Weserquerung per Schiff Bremer SPD will eine Fähre für den Hafen

Die Bremer SPD-Fraktion lässt eine zusätzliche Weserquerung per Schiff prüfen, um Brücken und Straßen vom Verkehr zu entlasten. Es geht um eine mögliche Fähre vom Industriehafen zum Neustädter Hafen.
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Bremer SPD will eine Fähre für den Hafen
Von Pascal Faltermann

Eine neue Weserquerung per Schiff soll Bremen vom Verkehr entlasten: Die Bremer SPD-Fraktion will ganz konkret prüfen, ob eine zusätzliche Fährverbindung für weniger Fahrzeugverkehr in der Stadt sorgen kann. Genauer gesagt: Es geht um eine mögliche Fähre über die Weser in Höhe Industriehafen zum Bereich Neustädter Hafen und dem ­Güterverkehrszentrum (GVZ). Das haben die Sozialdemokraten in der Fraktion beschlossen und eine Kleine Anfrage an den Senat gestellt. „Die tägliche Situation auf den verschiedenen Brücken von der Autobahn 1 bis zur Stephanibrücke zeigt, wie dringend eine Entlastung in dem Bereich nötig ist“, sagt der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Dieter Reinken.

In dem Papier, das dem WESER-KURIER vorliegt, fragt die SPD-Fraktion den Senat unter anderem, mit welchen technischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen solch eine Fähre für Autos und Lastwagen eingerichtet werden könnte. Dafür solle es eine Machbarkeitsstudie geben. Die Sozialdemokraten haben auch bereits ein paar Punkte für mögliche Anleger ausgemacht.

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Nach Gesprächen mit Fachleuten sei eine Verbindung zwischen den verkehrsgünstig zur Autobahn 28 gelegenen Bereichen beim Industriehafen und dem Bereich des Neustädter Hafens mit Anbindung über die Senator-Apelt-Straße an das Güterverkehrszentrum und die A 281 denkbar, so der Bürgerschaftsabgeordnete Reinken. Im Industriehafen könnten Anlegestellen beispielsweise der alte Werfthafen oder die ­Waterfront sein. „Wir haben keine fertige Lösung, sehen in solch einer Lösung aber Potenzial“, so Reinken.

Das Ziel, das die SPD-Fraktion damit verfolgt, ist eine entlastende Wirkung für Brücken und Straßen wie die Hafenrandstraße (zusammenfassende Bezeichnung für die Straßen Hans-Böckler-Straße, Nordstraße und Bremerhavener Straße). Die angespannte Verkehrssituation in der Überseestadt war in den vergangenen Monaten immer wieder ein heiß diskutiertes Thema.

Fährverbindung von allen Verkehrsteilnehmern nutzbar

Zudem sei laut Reinken eine solche Fährverbindung von allen Verkehrsteilnehmern nutzbar und deutlich schneller und deutlich kostengünstiger machbar als eine zusätzliche Brücke. Die stärkste Verkehrsentlastung erwarten Experten und das Verkehrsressort durch den Bau des Wesertunnels. Die Arbeiten für das Bauprojekt im Zuge der Autobahn 281 sollen Anfang Januar 2019 starten.

Dadurch soll der Ringschluss der A 281 um Bremen erreicht werden. Die Kosten für das Projekt von Seehausen nach Gröpelingen waren von 260 auf 345 Millionen Euro gestiegen (wir berichteten). Doch bis der komplette Bau des Tunnels, der bis zum Jahr 2024 fertiggestellt werden soll, beendet ist, dauert es noch. „Es werden also noch einige Jahre vergehen, bis der Tunnel fertiggestellt ist, und zusätzliche Verzögerungen können bei einem komplexen Bauvorhaben wie diesem zudem nicht ausgeschlossen werden”, sagt Sozialdemokrat Reinken.

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Bremen brauche aber deutlich schneller eine Entlastung für den Verkehr und „vor allem für die Unternehmen der Logistikbranche”, so Reinken. Aus Sicht der SPD könnte eine zusätzliche Fährverbindung zwischen Industriehafen und Neustädter Hafen für eine spürbare Verbesserung sorgen und vor allem die Stephanibrücke entlasten. Die sanierungsbedürftige Brücke muss voraussichtlich in den kommenden 20 Jahren komplett erneuert werden.

„Der Fährverkehr hat sich in Bremen Nord bewährt"

Lastwagen und Schwerlastverkehre über eine Fähre zu transportieren funktioniert bereits in Bremen-Nord. Die Fähren Bremen-Stedingen GmbH betreibt Fährverbindungen zwischen dem Stadtgebiet und den gegenüberliegenden niedersächsischen Gemeinden im Landkreis Wesermarsch. Es fahren Schiffe zwischen Farge und Berne, Blumenthal und Motzen sowie Vegesack und Lemwerder.Dort verkehren sie im Pendelverkehr und transportieren Fahrzeuge mit mehr als 20 Metern Länge. „Der Fährverkehr hat sich in Bremen-Nord bewährt, ist in der Stadt aber noch kein Thema“, sagt Holger Bruns, der als Sprecher der bremischen Hafengesellschaft Bremenports eine solche Option für möglich hält. Über eine solche Übergangslösung sollte man sich Gedanken machen, sagt er.

Ein ganz anderer Vorstoß kam Mitte September von den Bremer Grünen. Sie wollen im Gebiet zwischen Wesertunnel und der A 1 in Hemelingen sieben Brücken über die ­Weser gebaut sehen, insbesondere für Fahrradfahrer. Robert Bücking von den Grünen sagte damals dem WESER-KURIER, dass die zusätzlichen Brücken drängende Verkehrsprobleme entspannen sollen. Das will nun offenbar auch die SPD-Fraktion: Mit einer Fähre auf der Weser statt mit Brücken über den Fluss.

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