Vorstoß für Aufbau einer neuen Fakultät CDU will Medizinstudium an Bremer Uni

Das Fächerspektrum der Bremer Uni sollte um Medizin erweitert werden. Das fordert die CDU. Rund 100 angehende Ärzte könnten dort nach ihren Vorstellungen pro Jahr ihre Ausbildung beginnen.
14.05.2018, 13:07
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CDU will Medizinstudium an Bremer Uni
Von Jürgen Theiner

Bremer Ärzte, die auch in Bremen studiert haben: In einigen Jahren könnte es so weit sein. Die Diskussion über eine Erweiterung des Fächerangebots der Bremer Uni um das Fach Medizin hat am Montag Fahrt aufgenommen. Die CDU fordert, einen solchen Studiengang einzurichten. Als erster Schritt schwebt den Christdemokraten eine Machbarkeitsstudie vor. Darin soll unter anderem die finanzielle Tragweite des Projektes geprüft werden. Im Januar hatte sich bereits Wissenschaftssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD) für die Ausbildung von Medizinern in Bremen ausgesprochen.

Hintergrund der Pläne ist vor allem der Medizinermangel in der Region. Die Kassenärztliche Vereinigung hat wiederholt darauf aufmerksam gemacht, dass sich in der hausärztlichen Versorgung Engpässe abzeichnen, weil schon jetzt mehr niedergelassene Allgemeinmediziner in Rente gehen, als neue nachkommen. Und von den Häusern des Klinikverbundes Gesundheit Nord ist bekannt, dass sie zunehmend Schwierigkeiten haben, qualifizierten ärztlichen Nachwuchs zu verpflichten.

CDU will Versorgungslücke schließen

Die CDU ist überzeugt: Ein Medizinstudiengang in Bremen kann helfen, die drohende Versorgungslücke zu schließen. Zwar gebe es keine Garantie dafür, dass Bremer Uni-Absolventen nach ihrem Studium als Ärzte in der Hansestadt bleiben. "Die Bindung an die Stadt wäre aber hoch, wenn die angehenden Mediziner ihr gesamtes Studium in Bremen verbrächten", sagte CDU-Fraktionschef Thomas Röwekamp bei der Vorstellung der Pläne.

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Der Plan eines Vollstudiums einschließlich der sogenannten vorklinischen Phase markiert denn auch den entscheidenden Unterschied zu den Vorstellungen der Wissenschaftssenatorin. In Deutschland müssen sich Medizinstudenten in den ersten zwei Jahren das theoretische Wissen aneignen, verbringen dann drei Jahre in den akademischen Lehrkrankenhäusern und absolvieren abschließend ein praktisches Jahr als angehender Arzt. Insgesamt kostet ein solches Studium pro Kopf rund 100.000 Euro. Der Aufbau eines Medizinstudiengangs in Bremen wäre also auch eine Frage der finanziellen Ressourcen. Vor diesem Hintergrund hatte sich Eva Quante-Brandt dafür ausgesprochen, eine mögliche Ausbildung von Medizinern in Bremen auf die klinische Phase zu beschränken. Häuser wie das Klinikum Mitte sind jetzt schon Lehrkrankenhäuser auswärtiger Universitäten.

Von einem solchen Modell verspricht sich die CDU jedoch nicht viel. Röwekamp und der designierte Spitzenkandidat für die Bürgerschaftswahl 2019, Carsten Meyer-Heder, gehen davon aus, dass nur ein Vollstudium mit entsprechend langer Verweildauer in Bremen die angehenden Ärzte veranlassen kann, dauerhaft in der Hansestadt zu bleiben. Nach den Vorstellungen der Christdemokraten könnte die vorklinische Phase des Studiums auf dem Uni-Campus stattfinden, der klinische Teil auf dem Gelände des Klinikums Mitte. Aus Teilen der dort vorhandenen Infrastruktur lasse sich ein kleiner medizinischer Campus mit Lehrräumen, Laboren und Büros formen. Dafür böten sich vor allem das Bestandsgebäude der Professor-Hess-Kinderklinik und die Augenklinik an der St.-Jürgen-Straße an.

Nicht kleckern, sondern klotzen

Ähnlich wie die CDU sieht auch Uni-Rektor Bernd Scholz-Reiter nur ein Vollstudium als realistischen Ansatz. Dann aber müsse Bremen finanziell nicht kleckern, sondern klotzen. So mache es Bayern am Standort Augsburg. Dort werde zurzeit ein medizinischer Studiengang aufgebaut, dessen Anfangsinvestition sich auf rund eine Milliarde Euro belaufe. Für den Betrieb der Fakultät werde mit Kosten von jährlich 100 Millionen Euro kalkuliert. Zum Vergleich: Das gesamte Haushaltsvolumen des Stadtstaates Bremen beläuft sich aktuell auf rund 5,5 Milliarden Euro. "Gefragt ist also eine politische Grundsatzentscheidung, ob man so etwas will", sagt Scholz-Reiter. Falls sie positiv ausfällt, ist es aus seiner Sicht wichtig, schon beim Aufbau einer medizinischen Fakultät mögliche Alleinstellungsmerkmale zu definieren – zum Beispiel in Verbindung mit den vorhandenen Kompetenzen im Bereich der Produktionstechnik. Der Uni-Rektor denkt an die Herstellung von "Ersatzteilen" für den menschlichen Körper aus organischem Material.

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Die Kassenärztliche Vereinigung steht hinter den Plänen für ein medizinisches Vollstudium. Ihr Vorsitzender Jörg Hermann sieht einen "dramatischen" Ärztemangel auf Bremen zukommen. Die Ausbildung von Medizinern in der Hansestadt ist für Hermann deshalb ein wichtiges Element jedweder Strategie zur Eindämmung dieses Problems.

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