CDU und FDP fordern klare Standards Digitale Defizite bei Bremer Lehrern im Blick

Viel Lob gab es in der Bürgerschaft für die Bildungsbehörde. Allerdings sehen CDU und FDP digitale Defizite bei Pädagogen, es müsste ein klarer Standard geschaffen werden.
12.06.2020, 05:00
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Digitale Defizite bei Bremer Lehrern im Blick
Von Frank Hethey

Zeitweise schien es fast, als würde das gegenseitige Schulterklopfen in einen fraktionsübergreifenden Schulterschluss münden: So sehr waren sich die Bildungsexperten in der Bürgerschaft einig über die gute Arbeit der Bildungsbehörde in Zeiten der Corona-Pandemie. Doch bei aller Anerkennung gab es in der Debatte am Donnerstag auch einen Punkt, bei dem Opposition und Regierungsfraktionen deutlich von einander abwichen: CDU und FDP forderten einhellig, bei der Digitalisierung die Lehrkräfte stärker in die Pflicht zu nehmen.

Mit einem Dringlichkeitsantrag hatte sich die CDU-Fraktion dafür eingesetzt, aus der Not eine Tugend zu machen und das Lernen zu Hause mit digitalen Medien zu optimieren. Im Antragstext hieß es noch behutsam, Lehrkräfte würden sich der neuen Herausforderung „durchaus unterschiedlich nähern“. In der Debatte konkretisierte die bildungspolitische Sprecherin Yvonne Averwerser diesen Punkt: Dass die Nutzung der Lernplattform Itslearning für Lehrkräfte nur freiwillig, aber nicht verpflichtend sei, sei „ein untragbarer Zustand, den wir uns nicht leisten können“. Denn: „Die Corona-Krise ist wie ein Brennglas, das die digitalen Defizite in der Schule offenlegt.“

FDP fordert „zeitgemäße Arbeitsplatzbeschreibung“

Von einem „heiklen Thema“ sprach FDP-Bildungsexpertin Birgit Bergmann. Für Lehrkräfte seien mehr Verbindlichkeiten vonnöten. „Wir müssen den Mut haben, einen klaren Standard festzulegen“, sagte Bergmann. Es bedürfe einer „zeitgemäßen Arbeitsplatzbeschreibung“, damit sich die Lehrkräfte über die Anforderungen digitalisierten Unterrichts im Klaren seien. „Kopierte Aufgabenzettel hochzuladen ist keine Lösung.“ Bei der Neuausrichtung seien auch die Personalräte gefordert.

Dagegen nahm die Dienstherrin der Bremer Pädagogen, Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD), die Lehrkräfte in Schutz. „Lehrerbashing in diesen Tagen ist das Letzte, was man tun sollte.“ Um Verständnis für digital nicht optimal aufgestellte Lehrkräfte warb SPD-Fraktionschef Mustafa Güngör. „Auch für Lehrer ist die Digitalisierung des Unterrichts eine große Herausforderung.“

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Entsprechend forderte die CDU in ihrem Antrag, sämtliche Unterlagen, Unterrichtsplanungen und relevante schulische Informationen in die digitale Lernplattform einzupflegen. Außerdem müsse klar geregelt sein, dass Schülerinnen und Schüler beim Lernen zu Hause „mindestens einmal wöchentlich Anspruch auf persönlichen Austausch mit jeder Lehrkraft in jedem erteilten Fach haben“.

Unterdessen lässt die SPD keinen Zweifel daran, wie sehr sie auf hybride Lernformate setzt, eine Mischung aus digitalem und analogen Präsenzunterricht. Als Beleg dafür gilt die frühe Einführung von Itslearning vor sechs Jahren. Güngör konterte denn auch den Vorstoß der CDU mit den Worten, die Diskussion in seiner Partei über digitale Formate sei „deutlich älter als Ihr Dringlichkeitsantrag“. Sein Credo: „Das Bildungssystem soll da ankommen, wo wir sind: im 21. Jahrhundert.“

Digitaler Unterricht kann Präsenzunterricht nicht ersetzen

Als „Meilenstein“ bezeichnete der Fraktionschef die anvisierte Ausstattung von Lehrern und Schülern mit digitalen Endgeräten. Zugleich betonte er aber, dass digitaler Unterricht den gewohnten Präsenzunterricht keinesfalls ersetzen könne. „Präsenzunterricht wird weiterhin eine elementare Säule sein.“ Kein digitales Gerät könne das persönliche Miteinander ersetzen. Dass auch soziales Lernen eine bedeutende Rolle spielt, unterstrich Bildungssenatorin Bogedan. „Lernen ist mehr als nur das Büffeln für sich selbst.“

Einigkeit herrschte über die Parteigrenzen hinweg darüber, dass es eine Rückkehr zum Präsenzunterricht in gewohnter Form kaum geben werde. „Der Unterricht wird sich weiterentwickeln und verändern“, sagte die bildungspolitische Sprecherin der Linken, Miriam Strunge. In die gleiche Kerbe schlug ihr grüner Kollege Christopher Hupe. Wenn man der Corona-Pandemie etwas Gutes abgewinnen wolle, dann sei es der „Push für die Digitalisierung des Unterrichts“.

In einem weiteren Antrag forderte die CDU, in den Sommerferien und an Sonnabenden freiwillige Lernangebote über das bereits vorhandene und anvisierte Maß hinaus zu schaffen. Der Zusatzunterricht sollte durch freiwillige Lehrkräfte und Referendare erbracht werden. Beide Anträge lehnte die Bürgerschaft mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen SPD, Grüne und Linke ab. Dafür votierten CDU, FDP sowie Peter Beck und Thomas Jürgewitz (beide AfD). Zeitgleich stand eine Große Anfrage der FDP-Fraktion mit 29 Punkten zum Thema „Wie wandelt sich Bildung in Zeiten von Corona?“ auf der Tagesordnung.

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