Baumfällungen in Bremen

Fast 400 Bäume müssen weichen

Jedes Jahr müssen in den nordöstlichen Stadtteilen zahlreiche Bäume gefällt werden. In der laufenden Fällsaison hat der Umweltbetrieb Bremen vor allem Grünflächen in Horn-Lehe im Blick.
16.01.2019, 18:32
Lesedauer: 3 Min
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Von Maren Brandstätter
Fast 400 Bäume müssen weichen

In der den Fällsaison haben die Baumexperten eher den Bestand in Grünanlagen im Blick.

Fotos: Frank Thomas Koch

395 Bäume werden es Ende Februar sein, die im Bremer Nordosten gefällt worden sind – rund 100 Exemplare mehr als in der Fällsaison 2017/18. Im vergangenen Jahr waren es fast ausschließlich Straßenbäume, die abgeholzt werden mussten, jetzt sind die Bäume in den Grünanlagen etwas stärker betroffen. Während es in Schwachhausen gerade einmal zehn Exemplare sind, und auch Oberneuland (15) und Borgfeld (20) kaum ins Gewicht fallen, mussten in Horn-Lehe in diesem Jahr 200 Bäume in Grünanlagen abgeholzt werden, berichtet Rolf Fülberth, zuständige Referatsleiter beim Umweltbetrieb Bremen (UBB).

„Ein Großteil der Bäume stand auf Schulgeländen“, sagt er. Aber auch im Menke Park, am Kuhgraben- und am Jan-Reiners-Weg sowie am Leher Feld hätten diverse Bäume weichen müssen. Während am Jan-Reiners-Weg viele Bäume abgestorben gewesen seien, habe es in den übrigen Grünanlagen oftmals außerdem Platzprobleme gegeben. „Die Bäume wachsen in den Anlagen häufig in einem Abstand von vier bis fünf Metern“, erklärt Fülberth. Eigentlich bräuchten sie aber 15 bis 20 Meter Abstand. „Das geht ein paar Jahre lang gut, aber dann beginnen die ersten zu schwächeln und Totholz zu bilden“, sagt er.

Regenwetter spielt keine Rolle

Aktuell sind die UBB-Mitarbeiter dabei, Straßenbäume in Borgfeld zu fällen, die nicht mehr verkehrssicher sind. Das regnerische Wetter sei dabei kein erschwerender Faktor, sagt Fülberth. „Höchstens für die Psyche.“ Gleichwohl sei er froh, dass die Arbeit in den Grünanlagen in eine vergleichsweise trockene Periode gefallen und der Boden daher nicht komplett aufgeweicht gewesen sei. „Für die Arbeiten an den Straßenbäumen stellt der Regen keine nennenswerte Beeinträchtigung dar“, sagt er.

150 Straßenbäume sind es im Bremer Nordosten insgesamt, die gefällt werden müssen. Hauptursache für deren mangelhafte Standfestigkeit sind laut Fülberth nach wie vor ihre schlechten Lebensbedingungen. Der Großteil von ihnen werde kaum älter als 30 bis 40 Jahre, sagt er. In erster Linie sei die Platzknappheit durch den wachsenden Verkehrsdruck für die Kurzlebigkeit der Bäume verantwortlich. „Die Pflanzlöcher müssten eigentlich von vornherein größer sein, damit sich das Wurzelwerk optimal entfalten kann“, sagt er.

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Einem trockenen Sommer, wie dem zurückliegenden, könnten die Bäume auf den Seitenstreifen nur schwer standhalten – eben weil ihr Wurzelwerk zu schlecht entwickelt sei, und sie sich entsprechend schlecht mit Wasser versorgen könnten. Auch ihre Baumscheiben seien meistens zu klein bemessen, weshalb der Wurzelbereich von oben zu viel Druck bekomme, wie etwa von zu dicht parkenden Autos. Werde ein Baum von einem Auto zudem noch touchiert und verletzt, könne sich in der Schadstelle ein Pilz bilden, der den Baum dann langfristig schädige. Für künftige Nachpflanzungen sei nun vom UBB vorgesehen, das Erdreich komplett gegen ein spezielles Pflanzsubstrat auszutauschen, erzählt Fülberth. Das liefere den Wurzeln zumindest etwas verbesserte Bedingungen, um sich auszubreiten.

Ebereschen als Straßenbäume ungeeignet

Anders als in den vergangenen Jahren trifft es nach Angabe des Referatsleiters in dieser Fällsaison immerhin keinen altehrwürdigen Baum, der überdurchschnittlich ortsbildprägend gewesen wäre. Dennoch beginne sich das Straßenbild Schwachhausens merklich zu verändern. „Es gibt dort in diesem Jahr überdurchschnittlich viele Ebereschen, die gefällt werden müssen“, erzählt Fülberth. „Die sind sehr prägend für Schwachhausen, nur leider als Straßenbaum nicht übermäßig gut geeignet, da sie besonders stark unter Hitze und Trockenheit leiden.“ Der Schwund werde in den kommenden Jahren anhalten, prognostiziert er, weshalb man im Umweltbetrieb derzeit über eine Alternative zur Nachpflanzung diskutiere. „Eventuell wird es eine Birne werden“, sagt Fülberth. Freilich keine, die Früchte trage, betont er.

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Etwa ein Viertel aller Bäume, die bis Februar im Nordosten gefällt werden, gilt als schützenswert. Grundsätzlich werden gefällte Bäume vom UBB ersetzt - dabei gibt es allerdings Ausnahmen. „Sowohl an Straßen als auch in Parkanlagen pflanzen wir regelmäßig nach, sodass der Baumbestand konstant bleibt“, berichtet UBB-Sprecherin Kerstin Doty. Das gelte allerdings nicht für zu dicht wachsende Bäume, die gefällt werden, weil sie andere behindern. „In diesen Fällen werden Auslichtungen vorgenommen, um eine normale Entwicklung der kräftigsten Bäume zu fördern“, sagt Doty. „Bei diesen Bäumen handelt es sich meistens um Sämlinge mit einem geringen Stammumfang, die sich von selbst vermehren – Nachpflanzungen sind hier nicht angezeigt.“ Und das erkläre, weshalb sich am Ende in aller Regel eine Differenz zwischen gefällten und nachgepflanzten Bäumen ergebe.

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