Fernsehfilm über das Geiseldrama „Gladbeck“-Dreh im Viertel

Das Ostertor als Filmkulisse: Für den zweiteiligen Fernsehfilm „Gladbeck“ über das Geiseldrama im Sommer 1988 wurde am Donnerstagmorgen in Bremen gedreht.
02.09.2016, 00:00
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„Gladbeck“-Dreh im Viertel
Von Pascal Faltermann

Das Ostertor als Filmkulisse: Für den zweiteiligen Fernsehfilm „Gladbeck“ über das Geiseldrama im Sommer 1988 wurde am Donnerstagmorgen in Bremen gedreht.

Orangefarbene, durchsichtige Plastikfolie ist über den großen Strahler ­gespannt. Die Filmleuchte wirft ein warmes Licht auf den Ulrichsplatz im Bremer Viertel. Vor der Kneipe Litfass laufen wuselig Schauspieler, Komparsen, Maskenbildner, Tonassistenten und Lichttechniker durch die Gegend. Die Szene wirkt unübersichtlich und chaotisch.

Die Stühle und Tische der Gaststätte sind zusammengestellt, am Fußgängerweg achten mehrere Menschen darauf, dass niemand ins Bild läuft. Das Ostertor wird zur Filmkulisse. Für den zweiteiligen Fernsehfilm „Gladbeck“ über das Geiseldrama im Sommer 1988 hält am Donnerstagmorgen der Ostertorsteinweg her. Das ist aber nicht der einzige in der Hansestadt.

Die Filmaufnahmen verteilen sich über das gesamte Bremer Stadtgebiet. Allein im ­Bremer Viertel hat die Produktionsfirma mehrere Plätze gefunden. Der Mecklenburger Platz (an der Berliner Straße und Mecklenburger Straße) ist zugestellt. Zwischen Lastwagen und Transportern sind Produktionsbüros und Catering aufgebaut – es gibt kaum noch ein Durchkommen. Um die ­Mittagszeit zieht das Team vom Ulrichsplatz in die Bernhardstraße vor die Lila Eule um.

Weiträumige Absperrung des Geländes

Das Gelände wird für die Öffentlichkeit meist weiträumig abgesperrt. Die Produktionsfirma teilt mit, sie wolle damit sicherstellen, dass während der Dreharbeiten keine inhaltlichen Fehler entstehen, zum Beispiel durch moderne Fahrzeuge oder Passanten in dem zeitgemäßen Szenenbild. ­Warum gerade das Ostertor als Filmkulisse dient, wird nicht verraten.

„Gladbeck“ ist eine Produktion von Ziegler Film in Kooperation mit ARD Degeto und Radio Bremen für Das Erste. Ein Ausstrahlungstermin ist noch nicht bekannt. Nicht nur das Viertel wird in dem Zweiteiler vertreten sein. In Bremen sollen verschiedene Motive gedreht werden. Das leer stehende Gelände der Bremer Wollkämmerei (BWK) soll als als Kulisse für „eine Polizeiwache“ dienen.

Dafür werden vor allem zahlreiche Innenräume komplett neu umgebaut und für die 1980er-Jahre ausgestattet, heißt es von der zuständigen PR-Agentur. Dort ­werde die die „Einsatzleitung Gladbeck“ aufgenommen. Außerdem dreht das Team um ­Regisseur Kilian Riedhof unter anderem Verfolgungsfahrten in den Straßen ­Bremens. Dabei ist auch ein Fahrerstunt geplant, da ein Überholmanöver gedreht wird. Es finde aber keine Verfolgungsjagd statt, so die ­Produktionsfirma.

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Vor allem die Punkte historische Authentizität und Logistik seien wichtige Komponenten bei der Wahl der Außenmotive für den Film. Ein für die Spielzeit passendes Stadtbild müsse gegeben und anpassbar sein, um im Gladbeck-Fall die späten 80er filmisch zu erzählen.

Der Fernsehfilm soll eine Länge von zwei Mal 90 Minuten haben und nach 57 Drehtagen im Kasten sein. Von Juli bis Oktober 2016 wird dazu in Köln, Gladbeck, Duisburg, Düsseldorf und eben Bremen gefilmt. 90 Schauspieler und etwa 1500 Komparsen spielen mit. Für die ARD stehen unter anderem die Schauspieler Ulrich Noethen und Martin Wuttke vor der Kamera.

Im August 1988 hat das Geiseldrama von Gladbeck drei Tage lang Deutschland in Atem gehalten. Die traurige Bilanz waren drei Tote und zahlreiche Verletzte. Es ­hagelte im Anschluss Kritik an Politik, Polizei und Medien. Am Morgen des 16. August 1988 hatten Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner schwer bewaffnet eine Bank in der nordrhein-westfälischen Stadt Gladbeck gestürmt.

Geiseldrama von Gladbeck

Sie nahmen zwei Geiseln und forderten einen Fluchtwagen sowie 420.000 Mark. Journalisten gaben sie ein erstes Interview. Kurz nachdem die Gangster am Abend mit Geiseln und Geld losfuhren, stieg Rösners Freundin zu. Am nächsten Tag ­kaperten sie in Bremen einen Linienbus und nahmen 35 Geiseln. Sie gaben Interviews und ließen mehrere Geiseln frei.

Als die Polizei Rösners Freundin vorübergehend festhielt, erschoß Degowski eine der Geiseln, einen 15-jährigen Jungen. Bei der weiteren Verfolgung verunglückte ein Polizist tödlich. Die Geiselnehmer ließen den Bus stehen und flüchteten mit zwei Bremer Geiseln in einem Auto. Ein Journalist fuhr in Köln sogar ein Stück mit. Am Mittag des 18. August griff ein ­Sondereinsatzkommando auf der Autobahn bei Bad Honnef zu. Die 18-jährige Silke Bischoff starb an einer ­Kugel aus Rösners Waffe.

Rösner und Degowski wurden im März 1991 zu lebenslanger Haft verurteilt, Rösner mit anschließender Sicherungsverwahrung. Anträge auf Hafterleichterungen und Gnadengesuche wurden ablehnt. Die Polizei überarbeitete daraufhin ihre Einsatztaktik für solche Szenarien grundlegend. Bremens Innensenator Bernd Meyer (SPD) trat zurück. Der Deutsche Presserat legt später fest, dass es Interviews mit Tätern während des Geschehens nicht geben dürfe.

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