Verkehrsplanung

Grüne wollen Parkhäuser in Bremer Innenstadt abreißen lassen

"Weniger Autos, mehr Raum für die Menschen", lautet die Überschrift eines Kapitels im neuen Positionspapier der Grünen zur Zukunft des öffentlichen Nahverkehrs.
15.05.2018, 17:43
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Grüne wollen Parkhäuser in Bremer Innenstadt abreißen lassen
Von Jürgen Hinrichs
Grüne wollen Parkhäuser in Bremer Innenstadt abreißen lassen

Die Einfahrt zum Parkhaus Mitte, das abgerissen werden soll.

Frank Thomas Koch

Es gibt den einen Kuchen, die eine Fläche, und sie soll künftig anders verteilt werden, wenn es nach den Grünen geht. "Weniger Autos, mehr Raum für die Menschen", lautet die Überschrift eines Kapitels im neuen Positionspapier der Partei zur Zukunft des öffentlichen Nahverkehrs. Dieser Teil des Papiers, das dem WESER-KURIER vorliegt, befasst sich allein mit der Innenstadt, die wegen der vielen Bau- und Verkehrsprojekte ohnehin vor Jahren des Umbruchs steht.

Im Bereich zwischen Wall, Bürgermeister-Smidt-Straße und Martinistraße sollen nach Vorstellung der Grünen keine Autos mehr fahren. Die Menschen bewegen sich zu Fuß, mit dem Fahrrad oder im Netz des öffentlichen Nahverkehrs. Die Fahrt, zum Beispiel mit autonomen Kleinbussen, wäre kostenlos.

Mit der SPD einig

Dem, der schwer an seinen Einkäufen zu schleppen hat, soll mit umweltfreundlichen, bequemen und digitalbasierten Lösungen geholfen werden. Das ist das Ziel der Grünen, und mindestens in einem Punkt treffen sie sich darin mit der SPD, ihrem aktuellen Koalitionspartner. Auch die Sozialdemokraten wollen die Autos aus der Innenstadt verbannen und zwar in genau demselben Gebiet wie die Grünen es fordern.

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Wo keine Autos mehr fahren und abgestellt werden, kann auf Parkhäuser verzichtet werden. "Die Parkhäuser in der inneren Stadt (Parkhaus Mitte, Katharinenklosterhof, Am Dom) würde man heute nicht mehr dort bauen, wo sie jetzt stehen", stellen die Grünen in ihrem Papier fest. Also weg damit und stattdessen etwas anderes mit den Flächen anfangen.

Beim Parkhaus Mitte ist das mit dem geplanten Verkauf an den Unternehmer Kurt Zech, der die Garage mit ihren rund 1000 Einstellplätzen abreißen will, ohnehin beabsichtigt. Die CDU-Opposition hatte den Abriss zugunsten der Innenstadtentwicklung sehr früh gefordert, zu Zeiten, als die rot-grün regierte Stadt so ein Ansinnen noch als utopisch zurückwies.

Zwei neue Haltestellen gefordert

Die Grünen gehen nicht so weit, Parkplätze ersatzlos streichen zu wollen. Sie sinnen über Alternativen nach – neue Kapazitäten am Rande der Innenstadt. Wo genau diese Parkhäuser entstehen sollen, im Gespräch sind unter anderem Tiefgaragen unter den Wallanlagen, wollen sie noch nicht verraten, sonst, so ihre Befürchtung, gehen die weitreichenden Vorschläge in der Kontroverse um Standorte unter.

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Ein Punkt in dem Positionspapier, der bereits vor ein paar Tagen durchgesickert war: Die Grünen fordern zwei neue Haltestellen für Regionalzüge, und zwar an der Stephanibrücke am Eingang zur Überseestadt und am Technologiepark. Die Überseestadt erstickt am Autoverkehr. Können die Pendler stattdessen mit dem Zug anreisen und an der Haltestelle in Busse oder in die Straßenbahn umsteigen, um an ihre Arbeitsstelle zu gelangen, könnte das eine deutliche Entspannung der Situation herbeiführen, so der Gedanke der Grünen.

Sie verweisen auf den Verkehrsentwicklungsplan der Stadt, in dem ein Haltepunkt für Regionalzüge an der Stephanibrücke angeregt wird. Der Vorschlag, eine Haltestelle am Technologiepark einzurichten, ist ebenfalls nicht neu. Die Regionalzüge von Bremen nach Hamburg könnten dort in Nähe zur Straßenbahnlinie 6 halten. Eine Weiterfahrt wäre also garantiert.

Die Pendler-Problematik nimmt zu, stellen die Grünen fest. 43 Prozent der Arbeitnehmer in Bremen leben ihren Angaben zufolge außerhalb der Stadt, mehr als je zuvor. "Um die Belastungen durch den Verkehr möglichst verträglich zu halten, muss der Anteil der Menschen, die den ÖPNV nutzen, erhöht werden, unter anderem durch Umsteigemöglichkeiten am Stadtrand." In diesem Zusammenhang erneuern die Grünen ihre Forderung, das Straßenbahnnetz zu erweitern: Verlängerung der Linien 1 und 8 ins Umland und Ausbau des Straßenbahnnetzes in der Überseestadt.

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