Verbindung von Hemelingen und der Vahr

Ein Weg quer über die Galopprennbahn

Hemelingen und die Vahr sollen über die Rennbahn zusammenwachsen. Im Regionalausschuss wurden die ersten Ideen für einen Weg über das Gelände vorgestellt.
01.02.2021, 05:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Ein Weg quer über die Galopprennbahn
Von Christian Hasemann
Ein Weg quer über die Galopprennbahn

Eine Grafik wie die Wegverbindung zwischen Vahr und Hemelingen über die Galopprennbahn aussehen könnte.

WESER-KURIER

Die Diskussionen über das Für- und Wider von Galopprennen auf der Rennbahn in Sebaldsbrück hat in den vergangenen Tagen die Gemüter erhitzt, nachdem in der vergangenen Woche der Regionalausschuss Rennbahngelände für einen Antrag gestimmt hat, der weitere Rennen ausschließen soll. Für viele Bewohner ist ein anderer Tagesordnungspunkt für die zukünftige Entwicklung und das Leben in ihren Stadtteilen mindestens ebenso wichtig gewesen: der Verlauf eines geplanten Weges über das Geläuf. Die Grünabteilung des Bauressorts hat dazu erste Ideen vorgestellt, die in weiten Teilen der Fraktionen Zustimmung fanden.

Die geplante Wegeverbindung zwischen der Vahr und Hemelingen über die Rennbahn wäre die erste dauerhafte Änderung auf dem Gelände. Der Weg war zuvor bereits Thema am Runden Tisch Rennbahngelände. Der Runde Tisch, an dem unter anderem Vertreter der beteiligten Behörden, der Bürgerschaftsfraktionen und der Beiräte sitzen, habe durchaus kontrovers über die Vorschläge diskutiert, erklärte Thomas Knode aus der Fachabteilung Parks und Grünflächen des Bauressorts von Senatorin Maike Schaefer (Grüne).

Lesen Sie auch

Die Rennbahn sei, so Knode, eine große Barriere. Der geplante Weg soll diese nun. Für Knode kommen dabei nur zwei Punkte in Frage, die sich sinnvoll verbinden ließen. „Es ist ersichtlich, dass wir im Carl-Goerdeler-Park und im Kleingartengebiet Holterfeld zwei Punkte haben, die wir verbinden sollten.“

Die ersten Pläne sehen nun aber keine direkte Verbindung zwischen diesen Punkten vor, sondern im südlichen Bereich der Rennbahn einen kleinen Knick nach Westen, bevor sich der Weg entlang des Mittelkampsfleets in nordöstliche Richtung weiter schlängelt. „Auf das Mittelkampsfleet müssen wir Rücksicht nehmen“, so Knode. Der Knick im südlichen Bereich umgeht dabei eine offene Wasserfläche, die sonst mit einer Brücke überspannt werden müsste.

Die Wasserflächen und die Randbereiche auf der Rennbahn gelten als geschützte Biotope. „Sie sind deshalb zu erhalten“, sagte Knode. Er gehe davon aus, dass ein langfristiges Ziel sein werde, das Fleet naturnaher und durchgängiger zu gestalten. Zurzeit verlaufen einzelne Abschnitte noch unterirdisch. Der Status als geschützte Biotope hat aber auch eine andere Folge. „Die kann man nicht überbauen“, erklärte Knode. Das heißt: Auch bei einer langfristigen Entwicklung des Geländes für andere Nutzungsformen, werden die Gewässer erhalten werden müssen. „Und der Weg schließt sich dem an. Denn so können wir einen schönen Grünzug schaffen und haben gleichzeitig etwas Raum für zusätzlich Pflanzungen.“ Der Verlauf entlang des geschützten Gewässers würde keiner anderen Nutzung im Wege stehen.

Lesen Sie auch

Der Fachmann schlug als Belag für den etwa fünf Meter breiten Rad- und Fußweg eine Asphaltdecke vor. „Ich glaube, dass es bei einer so wichtigen Verbindung keine Alternative gibt.“ Der Vorteil von Asphalt laut Knode: Er sei haltbarer und für Radfahrer besser befahrbar und auch für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen besser zu benutzen. Künftig könnte der Weg, der nur für Radfahrer und Fußgänger nutzbar sein wird, die zentrale Erschließungsachse sein, von der weitere Wege in das Gelände führen.

Eine Einschränkung bei der zukünftigen Nutzung des Geländes gibt es allerdings dann doch. „Wir sind auch gebeten worden zu prüfen, wie eine Querung zur Rennstrecke gebaut werden könnte.“ Hintergrund: Der Rennverein Bremen hat die Idee, weitere Galopprennen als Zwischennutzung auf dem Gelände durchzuführen. „Eine Querung ist nicht so einfach, wie man denkt“, schränkte Knode ein. Probleme mache dabei vor allem der niedrige Grundwasserspiegel, der es schwierig mache, den Weg einfach abzusenken und für Rennen abzudecken. „Die zweite Variante wäre, dass man mobile Elemente einbaut, die man für die Rennen mit einem Kran herausnehmen könnte und dann die Stelle aufschüttet.“ Das sei denkbar, aber auch sehr aufwendig. Sprich: teuer. Sein Fazit: „Eigentlich vertragen sich Pferdesport und eine Wegeverbindung nicht wirklich.“

Lesen Sie auch

Im Regionalausschuss fanden die Pläne großen Anklang. „Was sie gezeigt haben, finde ich hervorragend“, sagte das Vahrer Beiratsmitglied Jens Emigholz (FDP). Jens Dennhardt (SPD) aus Hemelingen ergänzte: „Bisher waren wir immer enttäuscht, dass es noch zu keiner Öffnung des Geländes gekommen ist. Wir sind froh, dass Bewegung in die Sache kommt.“ Auch Ausschusssprecher Gerhard Scherer (CDU) sieht in den Plänen einen Fortschritt: „Dieser Weg ist eigentlich die optimale Lösung.“

Tim Haga (CDU) aus der Vahr wollte wissen, ob überhaupt der politische Wille im Bauressort vorhanden ist und die nötigen Mittel bereitstehen. „Oder reden wir hier umsonst und es gibt dann doch nur das Geld für einen Trampelpfad?“ Die Hausspitze habe deutlich gemacht, dass sie diese Maßnahme wünsche, so Knode. „Noch sind zwar keine Mittel vorhanden, aber wir sind zuversichtlich, dass Mittel bereitgestellt werden.“ Geld könnte zum einen aus dem Corona-Fonds und zum anderen aus einem Bundesmitteltopf kommen. Der Regionalausschuss stimmte bei einer Nein-Stimme dafür, die Pläne für die Verbindung voranzutreiben.

Info

Zur Sache

Nächster Runder Tisch tagt am 12. Februar

Das Votum des Regionalausschusses am Mittwochabend ist gleichzeitig auch ein Beschluss des Beirats Hemelingen gewesen. Dieser wiederum ist nach dem Ortsbeirätegesetz Entscheidungsträger, die Rennbahn liegt im Hemelinger Ortsteil Sebaldsbrück, beim Um- und Ausbau von Wegen in Grün- und Parkanlagen. Demnach ist mit dem Abstimmungsergebnis auch eine Art Vorentscheidung gefallen – vorbehaltlich einer Finanzierung. Auf derselben Sitzung hatte der Regionalausschuss außerdem für einen Antrag der SPD, Grünen und Linken gestimmt, der Galopprennen auch als eine mögliche Zwischenlösung ausschließt. Dies stieß in der Bürgerinitiative, der Opposition und dem Bremer Rennverein auf heftige Kritik. Wie bindend die Beschlüsse des Regionalausschuss Galopprennbahn wird sich am 12. Februar zeigen. Dann tagt der Runde Tisch Galopprennbahn und wird sich mit den Beschlüssen des Gremiums befassen müssen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+