Gesünderes Essen Kliniken bremsen bei Quote für Bio-Kost

Eigentlich sollte der Aktionsplan zur Umstellung der öffentlichen Gemeinschaftsverpflegung in Bremen längst vorliegen. Doch ausgerechnet beim Gesundheitsressort hakt die Umstellung auf Bio-Essen.
26.11.2017, 21:25
Lesedauer: 3 Min
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Kliniken bremsen bei Quote für Bio-Kost
Von Ralf Michel

Bis 2022 soll die Verpflegung in Bremens Schulen, Kindergärten, öffentlichen Kantinen und Krankenhäusern auf Bio-Lebensmittel umgestellt werden. Wie das zu schaffen ist, soll ein Aktionsplan aufzeigen, den der Senat schon im September hätte vorlegen sollen. Doch derzeit hakt das Projekt an Einwänden des Gesundheitsressorts oder genauer: an der Gesundheit Nord (Geno). Man stehe dem Thema zwar grundsätzlich positiv gegenüber, heißt es. Doch nach Informationen des WESER-KURIER will sich der Klinikverbund nicht auf verbindlich festgelegte Bio-Quoten einlassen.

Für Schulen, Kindergärten und die Betriebsverpflegung sind diese Quoten längst festgelegt. Dort soll die 100-prozentige Umstellung auf Bio-Lebensmittel bei tierischen und pflanzlichen Produkten stufenweise erfolgen und bis Ende 2022 abgeschlossen sein. Zwischenstationen dabei sind unter anderem 20 Prozent Bio Ende 2018 und 50 Prozent Ende 2020.

Küchen auf vorverarbeitete Produkte ausgelegt

Ein solches Stufenmodell war ursprünglich auch für die kommunalen Krankenhäuser vorgesehen. Ebenfalls mit Quoten, allerdings gestreckt bis 2024 und bei den tierischen Produkten nur mit einer Zielzahl von 75 Prozent. Doch diese Vorgaben hat das Gesundheitsressort aus dem Entwurf des ­Aktionsplans gestrichen. Nicht einmal bei der Milch, die in Schulen, Kitas und Betrieben bereits Ende 2018 zu 100 Prozent auf Bio umgestellt sein soll, ließ sich Gesundheit Nord auf eine Quote ein. Stattdessen will der Klinikverbund bis 2024 eine seiner täglichen vier Menülinien auf Bio umstellen.

„Wir stehen nicht auf der Bremse“, erklärt hierzu Geno-Sprecher Timo Sczuplinski. Man bemühe sich, möglichst zügig einen höheren Bio-Anteil in der Verpflegung zu haben. Allerdings sei die Küche des Krankenhausverbundes auf vorverarbeitete Produkte ausgelegt. „Wir sind zu 80 Prozent eine Convenience- und Fertigproduktküche.“ Und für diese Art der Produkte gebe der Markt in Sachen Bio noch nicht ausreichend her. „Wir suchen aber nach Lösungen und sind in Gesprächen mit den Herstellern, wie sie möglichst viele Bio-Komponenten in ihre Essen integrieren können.“ Zugleich betont der Geno-Sprecher: „Kostenneutral wird das nicht umzusetzen sein.“

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Auch den Vorwurf, die Geno sträube sich gegen eine feste Bio-Quote, weist Sczuplinski zurück. Wenn man wie vorgeschlagen bis 2024 eine der vier Menülinien auf Bio umstellt, wären dies ja auch 25 Prozent, rechnet er vor. Ein Modell, das in den LWL-Kliniken in Münster und Lengerich nicht funktioniert hat, wie deren kaufmännischer Direktor, Thomas Voß, vor Kurzem als Gast in der Gesundheitsdeputation berichtete. Dort habe man deshalb den generellen Bioanteil auf derzeit etwa 20 Prozent erhöht, bei Fleisch zum Teil sogar schon auf 100.

Thomas Voß habe mit seinem Vortrag gute Impulse gegeben, sagt Christina Selzer, Sprecherin der Gesundheitsbehörde. Auch sie erklärt, dass die Umstellung auf Bio-Essen bei der Geno durchaus gewollt sei. Lediglich die Richtung sei noch nicht geklärt. Quote, Bio-Menü, mehr Bio-Komponenten – noch sei nichts entschieden. „Nur praktikabel und finanzierbar muss es sein“, sagt Selzer, verweist aber auch auf eine ­Aussage von Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD) zu diesem Thema: „Geht nicht, gibt‘s nicht.“

Andere Krankenhäuser schaffen es

Peter Bargfrede vom Agrarpolitischen Bündnis Bremen (ABB) kritisiert die Haltung der Geno. In zahlreichen anderen Krankenhäusern sei es ja auch gelungen, einen mehr oder weniger hohen Bio-Anteil umzusetzen. Zudem hätte die Geno hierfür sieben Jahre Zeit. „Wir wären auch bereit, eine ­Bio-Quote von 50 Prozent bis 2024 zu akzeptieren und nicht wie vorgesehen 75 Prozent“, sagt Bargfrede, der auch Vertrauensperson des Bürgerantrags „Kein Billigfleisch in der öffentlichen Gemeinschaftsverpflegung“ ist, der 2016 den Anstoß zu der Umstellung auf Lebensmittel in Bio-Qualität gab. „Aber eine stufenweise Erhöhung des Bio-Anteils muss auch für die Krankenhäuser festgeschrieben werden.“

So sieht das auch Jan Saffe. „Und wenn es 20 Prozent wären, um irgendwie weiter zu kommen“, pocht der Sprecher für Landwirtschaft und Ernährung bei den Grünen auf eine festgeschriebene Bio-Quote. Anders dagegen Stephanie Dehne (SPD), stellvertretende Vorsitzende der Deputation für Gesundheit und Verbraucherschutz: Eine ­feste Quote sei für die kommunalen Kliniken nicht umzusetzen. Für die SPD ginge es auch ohne exakt definierte Zahlen. „Wenn es trotzdem ein ernsthaftes Konzept für die Umstellung auf Bio gibt.“

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