Kriminalstatistik 2019

Ladendiebstahl im Schnoor: Chancenlos gegen Profis

Die Ladendiebe rücken zu zweit oder zu dritt an, arbeiten schnell und effizient, erzählt eine Geschäftsfrau, die wiederholt Opfer solcher Täter wurde. „Das sind Profis, die wissen genau, was sie tun.“
09.03.2020, 20:02
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Ladendiebstahl im Schnoor: Chancenlos gegen Profis
Von Ralf Michel
Ladendiebstahl im Schnoor: Chancenlos gegen Profis

Innerhalb einer Woche haben die Diebe Waren im Wert von 1000 Euro gestohlen.

Michael Matthey

Die Frau aus dem Schnoor verkauft Kleidung, farbenfrohe Kleider zum Beispiel. Wie gerne würde sie die draußen aufhängen, um Kundinnen in ihren Laden zu locken. Keine Chance. „Die Kleider wären sofort weg", ist sie sich sicher. Die Geschäftsfrau weiß, wovon sie spricht: „Neulich haben sie mir innerhalb einer Woche Ware im Wert von 1000 Euro gestohlen.“

Dass immer mal was wegkommt, sei in einem Laden wie ihrem nichts Neues. Vollgepfropft mit Ware, kleine, enge Gänge dazwischen. Das macht den Charme des Geschäfts aus, lockt aber auch Diebe an. Aber was zuletzt mehrfach passierte, sei eine andere Kategorie, sagt die Geschäftsfrau. „Meiner Meinung nach sind das Profis. Die gehen sehr gezielt vor.“ Zu zweit oder dritt kämen die Täter in ihr Geschäft. „Einer geht nach hinten durch, ruft mich, um etwas zu fragen. Währenddessen greifen die anderen hier vorne zu“, erzählt sie. „Manchmal haben die eine große Tasche oder sogar Rollkoffer dabei. Ich glaube, die stellen sie geöffnet auf den Boden und lassen die Sachen dann einfach reinfallen.“

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Häufiger komme auch ein angeblicher Kunde und schaue sich sehr genau um, berichtet ein anderer Geschäftsmann. Kaufen würde der nichts, stattdessen beim Verlassen des Ladens irgendeine merkwürdige Frage stellen. Als ob man den Besuch in dem Geschäft irgendwie rechtfertigen wolle. „Ganz klar, diese Typen checken die Räumlichkeiten ab.“ Und gingen dann unglaublich dreist vor, schildert eine Frau aus einem benachbarten Geschäft das Vorgehen der Täter. Bei ihr hätten die Diebe Schmuck gestohlen. Nicht etwa einzelne Stücke, nein, komplette Schubläden aus der Vitrine hätten sie mitgehen lassen.

Natürlich habe sie die Polizei gerufen, sagt die Inhaberin des Modeladens. Jedes Mal. „Aber die können nie was machen. Nach ein paar Wochen bekomme ich dann ein Schreiben von der Staatsanwaltschaft, dass das Verfahren eingestellt ist. Eigentlich brauche ich die Polizei gar nicht mehr zu holen.“

Früher habe es einen Kontaktpolizisten gegeben, der regelmäßig im Schnoor unterwegs gewesen sei. Doch der sei im Ruhestand. „Und einen Nachfolger habe ich bisher nicht gesehen.“ Zuletzt sei ja auch immer wieder von dem neuen Ordnungsdienst in Bremen die Rede gewesen. „Wäre schön, wenn der sich auch mal hier blicken ließe.“

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Sie habe versucht, zumindest die Ware vor der Tür mit aufwendigen Befestigungen zu sichern. Ohne Erfolg. „Danach wurden die Sachen mit Gewalt runtergerissen.“ Eine Kollegin ein paar Geschäfte weiter habe ihre ausgestellten Jacken sogar festgebunden, mit einem Seil durch die Ärmel hindurch. Auch dies zwecklos. „Die kamen mit einer Schere und haben das einfach aufgeschnitten.“

Jetzt hängt sie draußen nur noch vergleichsweise günstige Artikel aus. T-Shirts, die ohnehin schon verblichen sind, zum Beispiel. Nicht eben geeignet, um Kunden in den Laden zu locken. „Aber was soll ich machen?“

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