Exzellenzstrategie

Millionen für die Forschung

Zur Exzellenzuniversität hat es nicht gereicht, das Bremer Marum hingegen kann sich über einen Geldsegen freuen: Sein Cluster zur Erforschung des Meeresbodens wird mit Millionen bedacht.
27.09.2018, 22:23
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Millionen für die Forschung
Von Katharina Frohne
Millionen für die Forschung

Wie sich die Prozesse am Meeresboden auf das gesamte Erdsystem auswirken – das will das zur Universität Bremen gehörende Marum in einem neuen Forschungsprojekt untersuchen. Dafür kann es sich ab Ende 2019 über Fördergelder in Millionenhöhe freuen.

Fotos: MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften

Ein Jahr ist es her, dass passierte, was nicht passieren durfte. Mindestens drei Forschungsbereiche hatte Universitätsrektor Bernd Scholz-Reiter in der Endrunde für die zukünftigen Exzellenzcluster gesehen. Dass es am Ende anders kam und nur das zur Uni gehörende Meeresforschungsinstitut Marum sich durchsetzen konnte, hielt er zunächst „für einen Tippfehler“.

Die Entscheidung des internationalen Expertengremiums, das die fünf Bremer Anträge begutachtet hatte, war ein Schock für die Universität. Denn das Ausscheiden der anderen Beiträge bedeutete nicht nur, dass vier Forschungsbereiche die Chance auf bis zu zehn Millionen Euro jährlich verpasst hatten. Es hieß auch: Mit dem Titel Exzellenzuniversität würde es Ende 2019 vorbei sein.

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Zwei erfolgreiche Cluster hätte es gebraucht, um ins Rennen für die Förderung der gesamten Hochschule, die bei positiver Beurteilung mit dem Titel Exzellenzuniversität bedacht wird, zu gehen. Dass das so ist, ist einer Veränderung der DFG-Regularien geschuldet. Bislang konnten die Hochschulen sich für drei Förderlinien bewerben: Mit dem sogenannten Zukunftskonzept wurde die Gesamtentwicklung der Universität gefördert, mit den Exzellenzclustern die Forschung eines Themenkomplexes und mit den Graduiertenschulen die Doktoranden eines bestimmten Forschungsgebiets.

Mehr als ein Trostpreis

Diese Spielregeln änderten sich mit der Neuauflage der Exzellenzinitiative, die mit Beginn der neuen Förderphase 2019 den Namen Exzellenzstrategie trägt. In der neuen Periode gibt es nur noch zwei Förderlinien: die Exzellenzcluster und die Exzellenzuniversität. Und: Nur wer mindestens zwei für exzellent befundene Cluster stellt, kann sich anschließend um den Exzellenztitel bewerben.

Für die Universität, die 2012 für ihr Zukunftskonzept mit dem begehrten Etikett bedacht worden war, war das eine Hürde zu viel. Insgesamt 195 Voranträge von 63 Universitäten waren eingereicht worden, 88 davon kamen in die nächste Runde. Aus Bremen war nur eines dabei: das Marum – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften. Mit seinem Cluster zur Meeresbodenforschung kam es in die Endrunde – und darf sich nun, wie an diesem Donnerstagnachmittag bekannt wurde, auch weiterhin exzellent nennen. Schon seit 2007 wird ein Cluster der Einrichtung, die zu den bedeutendsten im Bereich der Meeresforschung zählt, gefördert. Für sieben Jahre darf das Marum sich über Mittel in Millionenhöhe freuen. Und über die Gewissheit, zu den besten Forschungseinrichtungen Deutschlands zu zählen.

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Den Erfolg des Marums nur als Trostpreis zu sehen, werde den herausragenden Leistungen des Zentrums nicht gerecht, sagte Wissenschaftssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD). Auch wenn sich die Uni Bremen nicht mehr mit den Exzellenztitel schmücken darf, sei es wichtig, die herausragenden Leistungen der Meereswissenschaftler zu würdigen.

„Wir freuen uns, dass wir mit dem neuen bewilligten Cluster ein neues Kapitel in der Ozeanbodenforschung aufschlagen können“, sagte Marum-Direktor Michael Schulz. In den kommenden sieben Jahren werde man die Austauschprozesse am Ozeanboden erforschen, die eine Schlüsselrolle im Erdsystem spielten.

Der Ozeanboden ist eine wichtige Schnittstelle für das Klimasystem

Der Ozeanboden macht etwa zwei Drittel der festen Erdoberfläche aus. Welche Prozesse hier ablaufen und wie sie sich auf das Erdsystem auswirken, ist wissenschaftlich noch nicht vollständig erforscht. Die Spezialisten des Marum gehen davon aus, dass er eine wichtige Schnittstelle für das Klimasystem und den globalen Kohlenstoffkreislauf ist. Untersucht werden soll auch, wie die sensiblen Ökosysteme in der Tiefsee auf eine sich verändernde Umwelt und steigende Temperaturen reagieren. Eingesetzt wird dazu eine einzigartige Flotte von Geräten, darunter Tauchroboter, Bohrgeräte und autonome Unterwasserfahrzeuge. Die Forscher am Marum werden eng mit Partnern in der Region zusammenarbeiten, unter anderem der Universität Oldenburg, der Jacobs University, dem Alfred-Wegener-Institut und dem Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie.

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Insgesamt wurden am Donnerstag 34 Universitäten und Hochschulen mit 57 Exzellenzclustern ausgezeichnet. Zusammen erhalten sie über sieben Jahre hinweg etwa 385 Millionen Euro pro Jahr, insgesamt fast 2,7 Milliarden Euro. Das Geld dafür kommt zu 75 Prozent vom Bund, ein Viertel tragen die jeweiligen Länder bei.

An manchen Hochschule gab es nach der Entscheidung sogar mehrfach Grund zur Freude: So wurden einige Bildungseinrichtungen mehrfach ausgezeichnet. Zu den Gewinnern mit den meisten bewilligten Förderanträgen zählt die Uni Bonn, die vier Cluster alleine bestreitet und an zwei weiteren beteiligt ist, indem sie mit anderen Hochschulen kooperiert. Die Ludwig-Maximilian-Universität und die Technische Universität München haben mit vier gemeinsamen Projekten gewonnen. Gleiches gilt für die Uni Hamburg, der ebenfalls vier Anträge bewilligt wurden.

In Niedersachsen wird es sechs Exzellenzcluster an fünf Hochschulen geben: an den Universitäten Hannover, Göttingen und Oldenburg sowie an der TU Braunschweig und der Medizinischen Hochschule Hannover. „Mehr als 250 Millionen Euro bis 2025 für die Spitzenforschung in Niedersachsen – dieses Ergebnis ist ein Beleg für die hervorragende wissenschaftliche Arbeit und eine erfolgreiche Profilbildung an unseren Universitäten“, sagte Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU).

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Gedacht war die seit 2005 laufende Initiative von Bund und Ländern dazu, den Wettbewerb in der vermeintlich erstarrten Hochschullandschaft anzukurbeln. Mit Erfolg. Deutschlandweit entstanden in den vergangenen Jahren großangelegte Forschungsprojekte, schon die Vorauswahl für die neue Exzellenzphase im Herbst 2017 geriet zum hochschulpolitischen Großereignis.

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