Haustier-Boom Mehr ausgesetzte Tiere befürchtet

Die Corona-Pandemie hat zu einem Boom bei Haustieren geführt: Eine Million Tiere wurden im vergangenen Jahr neu angeschafft. Nun befürchten die Tierheime, dass es zu einer Abgabewelle kommt.
13.04.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Tobias Hensel und Erich Reimann

Die Corona-Pandemie verhindert Reisen, Homeoffice und Kontaktbeschränkungen lassen die Sehnsucht nach einem vierbeinigen Freund wachsen. Auf knapp 35 Millionen Haustiere schätzt der deutsche Zoohandel aktuell die Population in Deutschland. Das sind eine Million Tiere mehr als im Jahr 2019.

Gabriele Schwab vom Bremer Tierschutzverein beobachtet die Entwicklung: „Unser Tierheim ist relativ leer, es gibt weiterhin eine boomende Nachfrage nach Haustieren.“ Der Tierschutzverein kümmert sich bereits seit 1894 um in Not geratene Tiere und führt das Tierheim an der Hemmstraße in Findorff.

Doch die Frage, was nach der Pandemie geschieht, treibt die Tierfreunde um. „Wir beobachten mit Sorge die weitere Entwicklung. Im Internet liest man schon vermehrt von ausgesetzten Hunden. Aber in Bremen ist die Lage noch ruhig“, sagt Schwab. Die Gründe, im Pandemiejahr ein Haustier anzuschaffen, könnten sich in den Jahren nach der Pandemie gewissermaßen umkehren, so die Befürchtung.

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Insgesamt hat während der Pandemie das häusliche Umfeld hinzugewonnen. Es wird insgesamt mehr Geld für Neuanschaffungen in der Wohnung ausgegeben und neben dem Thema gesunder Ernährung habe das Zusammenleben von Mensch und Tier eine zunehmend hohe Bedeutung. Die Umsätze bei Belohnungssnacks, Spielzeugen für Tiere, Gartenteichen und Gehegen steigen. Und Heimtiere werden zu Familienmitgliedern, deshalb würde für diese auch Geld ausgegeben.

Der Eigentümer der größten deutschen Tierbedarfskette Fressnapf, Torsten Toeller, sagte kürzlich: „Die emotionale Beziehung zwischen Mensch und Tier ist in der Krise noch intensiver geworden.“ Damit sei auch die Bereitschaft gewachsen, für Hund oder Katze tiefer in die Tasche greifen oder sich erstmals ein Tier anzuschaffen.

In fast der Hälfte (47 Prozent) der deutschen Haushalte haben Hunde, Katzen und weitere Haustiere mittlerweile einen festen Platz. Der Heimtierbranche bescherte all das im vergangenen Jahr einen Wachstumsschub. Ihr Umsatz stieg um gut 5 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro. Allein für Katzenfutter gaben die Verbraucher in Deutschland fast 1,7 Milliarden Euro aus, ein Plus von 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Hinzu kamen knapp 1,6 Milliarden Euro für Hundefutter. Größter Wachstumstreiber waren dabei die Snacks, mit denen Hunde- und Katzenbesitzer ihre Lieblinge gerne belohnen.

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Das beliebteste Haustier in Deutschland war auch 2020 mit 17,5 Millionen Exemplaren die Katze. Daneben gab es 10,7 Millionen Hunde, fünf Millionen Kleintiere wie Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster oder Mäuse und 3,5 Millionen Ziervögel. Hinzu kamen Fische in 1,8 Millionen Aquarien und 1,4 Millionen Gartenteichen, sowie eine unbekannte Anzahl von Reptilien in 1,3 Millionen Terrarien.

Beim Tierbedarf und bei Zubehör von der Hundeleine bis zum Kratzbaum dominiert der Fachhandel mit einem Umsatzanteil von 79 Prozent. Allerdings spielt auch bei der Versorgung der Haustiere das Internet eine immer größere Rolle. Der Umsatz mit Heimtierbedarf im Onlinehandel stieg nach Schätzungen der Verbände 2020 um mehr als 16 Prozent auf 822 Millionen Euro.

Doch es bleibt die Befürchtung, dass auf den Haustier-Boom eine Abgabewelle folgen könnte. „Es sind bestimmt einige Haustiere während der Lockdowns unüberlegt angeschafft worden“, sagt Gabriele Schwab. Der Tierschutzverein gebe seine Tiere nicht leichtfertig ab, deshalb vermutet Schwab, dass nicht die Tiere wieder ins Tierheim zurückkehren werden, die hier vermittelt worden sind, sondern „wild gekaufte Tiere, zum Beispiel aus dem Internet, entweder ausgesetzt oder bei uns abgegeben werden könnten“.

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