Serie "Mein Freimarkt" Olympia-Looping ist für Christian Radoszewski der beste

Bremen. Bei steilen Abfahrten und Loopings in die Sitze gepresst zu werden, das macht für Christian Radoszewski den Freimarkt aus. Seit seiner Kindheit sind Achterbahnen sein Hobby.
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Olympia-Looping ist für Christian Radoszewski der beste
Von Jörn Hüttmann

Bremen. Bei steilen Abfahrten und Loopings in die Sitze gepresst zu werden, das macht für Christian Radoszewski den Freimarkt aus. Seit seiner Kindheit sind Achterbahnen sein Hobby. Über den "Olympia-Looping" weiß er so gut wie alles und erkennt auch mit geschlossenen Augen jede einzelne Kurve auf Anhieb wieder.

"Zwei Semester lang habe ich in Gießen studiert", sagt Christian Radoszewski, um vom steilen Anstieg des "Olympia-Loopings" abzulenken. Oben am höchsten Punkte der Achterbahn angekommen, weist der 33-Jährige noch kurz auf die schöne Aussicht über den Freimarkt hin, danach geht es abwärts: "Mit gut 80 Stundenkilometer fahren wir jetzt in den ersten und größten Looping hinein", erklärt Radoszewski mit ruhiger Stimme, während die Leute um ihn herum kreischen.

Radoszewski weiß, wovon er spricht: "Seit ich alt genug bin, fahre ich mit allen Fahrgeschäften, die groß und schnell sind." Achterbahnen haben es dem Bürokaufmann vom Deutschen Roten Kreuz besonders angetan. "Die Mischung aus Adrenalin und Freiheitsgefühl macht die Fahrten zu etwas ganz Besonderem", sagt der ehemalige Rettungsassistent. "Nicht einmal Fliegen ist schöner."

Nach dem ersten Looping führt eine Kurve die Bahn in den vorderen Teil der Anlage. Dort gehe es dann gleich in die Loopings Nummer zwei und drei, erklärt Christian Radoszewski: "Die haben immer noch einen Durchmesser von rund 15 Metern und liegen direkt hintereinander."

"In Deutschland gibt es keine bessere Anlage als den Olympia-Looping", sagt Christian Radoszewski. "Keine andere hat fünf Loopings." In all den Jahren auf dem Freimarkt habe er sich eine Menge an Informationen über die unterschiedlichen Fahrgeschäfte angeeignet. Er sei auch in einigen Internetforen aktiv, in denen sich Fans über die Besonderheiten und Geschichten ihrer liebsten Fahrgeräte austauschen. "Viele werden das unnützes Wissen nennen", sagt Radoszewski, "aber für mich ist es eben ein Hobby."Damit sei er nicht der Einzige, sagt der Betriebsleiter der "Olympia-Loopings" Hans-Werner Görgens. "Es gibt sogar richtige Fanklubs, die immer wieder kommen."

Fahrt mit geschlossenen Augen

Wer die Achterbahn mit den fünf Loopings, zahlreichen Kurven und Richtungswechseln das erste Mal fährt, verliert schnell den Überblick, was als Nächstes kommt. Das ist für Christian Radoszewski kein Problem: "Auch bei einer Fahrt mit geschlossenen Augen weiß ich immer genau, was kommt." Aber nicht alle Fahrgäste sind so standhaft wie Radoszewski, erzählt Hans-Werner Görgens: Einmal habe sich ein Gast beschwert, dass er nicht durch alle fünf Loopings gefahren sei. Der Gast sei voll und ganz davon überzeugt gewesen, dass er nur drei Loopings absolviert habe und wollte sein Geld zurück. "Das ließ sich erst aufklären, als die Polizei die Loopings mit ihm gezählt hat", sagt Görgens.

Für Christian Radoszewski gehören zu jedem Freimarktbesuch mindestens zwei Fahrten mit dem "Olympia-Looping": "Einmal gleich zu Beginn im ersten Wagen und einmal, bevor ich nach Hause gehe, im letzten Wagen." Vorne sei die Aussicht am schönsten, dass sei für den Start des Freimarktes genau das Richtige. Hinten sei wiederum die Geschwindigkeit am größten. "Bei vollem Tempo wirkt in den Loopings kurzzeitig das 5,5-fache des eigenen Körpergewichts auf die Fahrgäste ein."

Während die Achterbahn durch eine spiralförmige Kurve jagt, erzählt Radoszewski, dass er den Freimarkt, seit er sich erinnern kann, nur ein einziges Mal ausgelassen hat: "Das war in dem Jahr, in dem ich meinen Bandscheibenvorfall hatte." Nach zehn Jahren als Rettungssanitäter habe sein Rücken vor den täglichen Belastungen kapituliert. Sein Orthopäde würde seine Achterbahnleidenschaft deshalb auch nicht gutheißen. "Aber ich trainiere meinen Rücken dreimal in der Woche, und der Freimarkt ist nur einmal im Jahr." Das müsse der Rücken durchhalten.

Außerdem wisse er ja genau, wo es in der Bahn besonders ruppig zugehe: "Nachher in der Bremse werden wir noch einmal gut durchgeschüttelt", sagt Radoszewski. "Ich sage vorher aber Bescheid." Nachdem die letzten zwei Loopings überstanden sind und der gebürtige Bremer wieder festen Boden unter den Füßen hat, zieht sich ein breites Lächeln über sein Gesicht: "Ich könnte gleich noch einmal fahren." Bei den anderen spektakulären Fahrgeschäften mache er heute häufig schon nach einer Fahrt schlapp. Besonders die Rundfahrgeschäfte, die sich schnell im Kreis drehen, vertrage er nicht mehr so gut wie mit 20. "Aber Achterbahn werde ich so lange fahren, wie ich lebe."

Liebe Leserinnen und Leser, welches ist Ihre Lieblingsbude? Erzählen Sie uns von dem Freimarktgeschäft, das Sie auf keinen Fall verpassen wollen. Schreiben Sie uns kurz unter dem Stichwort "Mein Freimarkt" und unter Angabe Ihrer Telefonnummer an die Bremer Tageszeitungen AG, Redaktion Lokales, Martinistraße 43-45, 28195 Bremen, oder per Mail an lokales@weser-kurier.de

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