Automobilzulieferer in Bremen Gewerbepark Hansalinie wächst rasant

Das Wirtschaftsressort macht Druck beim Ausbau des Gewerbeparks Hansalinie. Die Weiterentwicklung der dritten Baustufe soll vorgezogen werden, es muss umgehend mit der Planungen begonnen werden.
19.10.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Gewerbepark Hansalinie wächst rasant
Von Maren Beneke

Das Wirtschaftsressort macht Druck beim Ausbau des Gewerbeparks Hansalinie. Die Weiterentwicklung der dritten Baustufe soll vorgezogen werden, es muss umgehend mit der Planungen begonnen werden.

Das Wirtschaftsressort macht Druck beim Ausbau des Gewerbeparks Hansalinie: Die Weiterentwicklung der dritten Baustufe soll vorgezogen werden. Während derzeit im zweiten Bauabschnitt noch die Bagger rollen, die Erschließung des Areals im Bremer Südosten also in vollem Gange ist, müsse „umgehend“ mit den Planungen für die Baustufe 3 begonnen werden. So steht es in einer Vorlage aus dem Hause von Senator Martin Günthner (SPD), über die die Wirtschaftsdeputation in der kommenden Woche beraten soll.

Außerdem soll der zweite Bauabschnitt früher als bislang geplant für die Ansiedlung von Unternehmen bereitstehen: Statt die weitere Erschließung ab 2018 folgen zu lassen, müsse kurzfristig mit der restlichen Erschließung begonnen werden, „um nachhaltig die erforderlichen Flächennachfragen bedienen zu können“, heißt es in dem Papier.

Dass die Zeit drängt, macht das Ressort in der Vorlage mehr als deutlich: In den beiden ersten bereits erschlossenen Baustufen 0 und 1, die sich über eine Fläche von gut 94 Hektar erstrecken, gibt es so gut wie keine freien Flächen mehr.

Mercedes-Werk hat 26 Hektar reserviert

Im zweiten Abschnitt entstehen aktuell weitere 55 Hektar – allerdings ist auch hier ein Großteil bereits belegt: Das Bremer Mercedes-Werk hat für seine Zulieferer bereits knapp 26 Hektar reserviert. Dazu kommen jeweils ein Unternehmen aus der Logistik und eines aus der Lebensmittelbranche, die zusammen noch einmal mehr als 13 Hektar belegen wollen.

Die Hansalinie ist eng mit der Entwicklung der Daimler-Fabrik verbunden. Das Werk in Sebaldsbrück lässt sich von dem Gewerbegebiet aus mit dem Auto innerhalb weniger Minuten erreichen – und ermöglicht so eine kostensparende termingerechte („just in time“) Produktion.

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Die schnelle Verfügbarkeit von Flächen in der Hansalinie „ist für das bremische Mercedes-Benz-Werk und damit für den Standort Bremen von herausragender Bedeutung“, heißt es seitens des Wirtschaftsressorts. Würden Zulieferer-, Logistik- und Dienstleistungsaktivitäten an einem Standort gebündelt, erzeuge das „erhebliche Vorteile für die Produktionssicherheit des Werkes und trägt damit wesentlich zur Standortsicherheit des Bremer Werkes innerhalb des Daimler-Konzerns bei“.

Die meisten der in dem Gewerbegebiet ansässigen Firmen sind daher Automobilzulieferer oder Logistiker. Nach Angaben des Wirtschaftsressorts haben sich bislang mehr als 80 Unternehmen mit etwa 3400 Mitarbeitern in dem Areal direkt an der Autobahn 1 angesiedelt.

Mehrere Nachfragen konnten nicht bedient werden

Was passiert, wenn nicht ausreichend Flächen vorgehalten werden, hat die Vergangenheit gezeigt: Mehrere Nachfragen insbesondere aus der Automobilbranche konnten nicht mehr bedient werden, heißt es in der Vorlage. Daher hätten sich Firmen teilweise außerhalb Bremens angesiedelt, einige Investoren würden bis zur Erschließung der zweiten Baustufe warten.

Selbstkritisch gibt sich auch Andreas Heyer, Chef der WFB Wirtschaftsförderung Bremen, die für die Vermarktung der Flächen zuständig ist. „Mit der zweiten Baustufe hätten wir ein bis zwei Jahre eher unterwegs sein müssen“, sagt er. Wer wettbewerbsfähig sein wolle, müsse Flächen vorhalten.

Das gilt insbesondere, wenn das Bremer Mercedes-Werk tatsächlich den Zuschlag für die Produktion eines neuen Elektroautos erhält. Zwar gibt es dafür noch keine offizielle Bestätigung, es gilt aber als wahrscheinlich, dass in der Hansestadt ein E-Auto in Serie geht. Entsprechende Absichtserklärungen sind von Konzern und Betriebsrat bereits unterschrieben worden.

Auch Jörg Kastendiek, wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, mahnt daher zur Eile bei der Weiterentwicklung der Hansalinie. „Es wird Zeit, dass die Planungen für die dritte Baustufe starten“, sagt er. Entsprechende Signale hätte er sich schon früher gewünscht. Stattdessen habe es gerade bei den Vorbereitungen für den zweiten Bauabschnitt lange Zeit Stillstand gegeben.

Hoher Zeitdruck bei Mercedes

Die Flächen, die Mercedes im zweiten Bauabschnitt des Gewerbeparks reserviert hat, sollen bereits im kommenden Jahr von Zulieferern belegt werden. Auch hier ist der Zeitdruck offenbar groß: „Zur Einhaltung der Produktionsstarttermine muss die Inanspruchnahme der Flächen bereits unter laufender Erschließung erfolgen“, heißt es in der Deputationsvorlage.

Insgesamt sind für die Hansalinie fünf Baustufen mit einer Gesamtfläche von fast 280 Hektar vorgesehen. Die Kosten für die restliche Erschließung der zweiten Baustufe und die Planung der dritten Baustufe beziffert das Wirtschaftsressort auf gut 13 Millionen Euro, wobei ein Großteil dieses Geldes den Angaben zufolge über Mittel aus dem Bund-Länder-Topf zur „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ förderfähig ist.

Für die Pläne des Wirtschaftsressorts wird voraussichtlich auch Klaus-Rainer Rupp von den Linken stimmen. Grundsätzlich findet er es sinnvoll, dass die Planungen vorgezogen werden. Er hinterfragt aber die Kosten hinter dem Projekt. Weil dieses letztendlich über Steuermittel finanziert werde, stehe der Wirtschaftssenator vor der Herausforderung, dafür zu sorgen, dass durch die Ansiedlungen neue Jobs geschaffen werden und nicht etwa Arbeit aus der Fabrik ausgelagert werde.

Einer, der mit dem weiteren Ausbau der Hansalinie nicht einverstanden ist, ist Martin Rode, Geschäftsführer des BUND in Bremen. Die großzügige Veräußerung von Flächen bedrohe die landwirtschaftlichen Nutzflächen.

Im Bereich des Gewerbegebiets gibt es nach seinen Angaben nicht nur wertvolle Böden, sondern das Areal sei auch Lebensraum und Rastplatz für Vögel wie die Goldammer oder den Kiebitz. Möglichkeiten, um gegen die Weiterentwicklung des Gewerbegebiets vorzugehen, gibt es für die Naturschützer indes nicht mehr: Diese ist rechtlich längst abgesichert.

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