Vorschlag der SPD Schwimmspaß in Bremen für einen Euro

Die Bremer SPD will sich nach den Wahlen im kommenden Mai dafür einsetzen, dass der Eintritt für Kinder und Jugendliche in Bremer Bädern stark gesenkt wird. Auch andere Parteien haben Ideen zu dem Thema.
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Schwimmspaß in Bremen für einen Euro
Von Nina Willborn

Über das Konzept zur Sanierung der Bremer Schwimmbäder wurde noch Ende August in der Bürgerschaft heftig diskutiert. Nun ist die SPD mit einem anderen Aspekt des Themas „Schwimmen“ an die Öffentlichkeit gegangen: Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre sollen bald einen einheitlichen Eintrittspreis von einem Euro zahlen. Diesen Vorschlag will die Partei mit ins Wahlprogramm aufnehmen, erklärte die Landesvorsitzende Sascha Aulepp zuerst in der TV-Sendung „Buten un binnen“.

Bislang ist es für Kinder und Jugendliche ein ziemlich teures Vergnügen, einen Tag oder auch nur ein paar Stunden in einem Bremer Schwimmbad zu verbringen. Im Südbad und im Vegesacker Freizeitbad beispielsweise zahlen Kinder bis elf Jahre 3,50 Euro, zwischen zwölf und 15 Jahren vier Euro. Im Westbad und dem Unibad sind die Eintrittspreise mit 3,20 Euro beziehungsweise 3,70 Euro nur geringfügig günstiger, ebenso im Stadionbad (2,80 Euro und 3,40 Euro).

Sechs bis siebenstellige Beträge

„Es gehört zu unseren politischen Zielen, dass wir etwas gegen die Armut und damit auch Perspektivlosigkeit von Kindern und Jugendlichen tun“, sagte Aulepp dem WESER-KURIER. „Wir wollen hier in Bremen eine gerechte Teilhabe erreichen und Freizeitangebote möglichst günstig anbieten. Dazu gehören auch Schwimmbäder.“ Ein Euro Eintritt für alle unter 18 Jahren gleichermaßen: So will die SPD verhindern, dass Armut an der Schwimmbadkasse zum Thema wird. Der Effekt der Maßnahme wäre aus Aulepps Sicht, dass Schwimmen und Schwimmen lernen so für mehr Familien attraktiver und vor allem selbstverständlicher würden – aktuelle Erhebungen hatten gezeigt, dass bis zu ein Viertel der Viertklässler Nichtschwimmer sind.

Was Aulepp jetzt vorgeschlagen hat, wird in Weyhe schon umgesetzt. Dort zahlen Kinder und Jugendliche seit dieser Badesaison ebenfalls einen Euro. Der Effekt war bei der Vorstellung der Freibadbilanz deutlich sichtbar: Die Zahl der verkauften Kinder-Tickets stieg von 6200 im Jahr 2017 auf 17 800 in diesem Sommer. Laut Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) habe man in Weyhe vor der Entscheidung auch darüber diskutiert, Kinder und Jugendliche gratis ins Freibad zu lassen, sich aber am Ende dagegen entschieden. „Ein gewisser Obolus muss sein, damit klar ist, dass es etwas wert ist“, sagt er. „Insgesamt ist die Maßnahme ein wichtiger Aspekt zur Teilhabe und nicht viel teurer.“

Für Bremen schätzt Aulepp, die sich natürlich mit dem Parteikollegen über das Thema ausgetauscht hat, mögliche Kosten auf einen „eher sechs- als siebenstelligen Betrag.“ Allerdings: Für umsetzbar hält sie einen Beschluss erst ab dem Jahr 2020. „Die Haushalte für 2018 und 2019 sind schon beschlossen, dort ist kein Geld dafür übrig. Wenn, dann müsste die Maßnahme in den neuen Doppelhaushalt ab 2020, alles andere wäre unseriöse Politik. Deshalb wird die Forderung in unserem Wahlkampfprogramm stehen und wir würden sie gerne nach der Wahl umsetzen“, sagt Aulepp.

Preispolitik allein reicht nicht

Die Linken dagegen würden das Thema lieber noch vor der Wahl angeschoben sehen. Sie hatten schon für die vergangene Bürgerschaftssitzung einen Dringlichkeitsantrag mit dem Titel „Badespaß für alle“ eingereicht, der wegen der zu vollen Tagesordnung aber nicht mehr an die Reihe kam und nun im November diskutiert werden soll. Die Linken fordern freien Eintritt für Kinder bis sechs Jahre und für Jugendliche sowie Sozialhilfeempfänger eine Reduzierung des Ticketpreises um mindestens 50 Prozent.

Cindi Tuncel, sportpolitischer Sprecher der Linken, sagt: „Schön, dass die SPD unseren Antrag gelesen hat. Bei einem Euro würden wir auch mitgehen. Wenn die SPD es ernst meint, müsste sie unseren Antrag ja unterstützen. Ich würde mich darüber freuen.“ „Ein sehr durchschaubares Wahlkampfmanöver“ nennt dagegen Marco Lübke, sportpolitischer Sprecher der CDU, den Vorstoß. „Die SPD ist lange genug an der Regierung. Wenn sie das wirklich gewollt hätte, hätte sie das längst umsetzen können. Stattdessen sind die Eintrittspreise immer gestiegen.“

Ein Antrag der CDU, in dem neben einem Konzept zum Schwimmunterricht unter anderem ebenfalls der freie Eintritt für Kinder bis sechs Jahre enthalten war, war von der Bürgerschaft beschlossen worden, scheiterte aber in der Sportdeputation. Einig sind sich alle aber bei dem Aspekt, dass über die Preispolitik nur ein Teil des grundsätzlichen Problems, nämlich die hohe Zahl von Nichtschwimmern, angegangen werden kann. Für Bovenschulte ist sie eine Vorbedingung, dass die anderen Punkte – wie mehr Schwimmkurse, die sich auch ärmere Familien leisten können, und besserer Unterricht an den Schulen – folgen können. Für Lübke ist der Schlüssel, das Bewusstsein der Eltern zu erreichen. „Am besten sollten Kinder und Jugendliche schon in den Kitas ans Wasser gewöhnt werden“, sagt Tuncel.

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