Presseschau So kommentieren deutsche Medien den Angriff auf Frank Magnitz

Der Angriff auf den Bremer AfD-Chef Frank Magnitz ist am Dienstag das beherrschende Thema in den deutschen Medien. Wir haben eine Übersicht der Kommentare der Zeitungen gesammelt.
09.01.2019, 06:15
Lesedauer: 5 Min
Zur Merkliste

Nach dem Angriff auf den Bundestagesabgeordneten und den Bremer AfD-Chef Frank Magnitz kommentieren viele deutsche Zeitungen den Angriff (Den Kommentar unserer Zeitung finden Sie hier).

Die zunehmende Radikalisierung und die Verrohung der politischen Kultur steht im Fokus des Kommentars der "Badischen Neustens Nachrichten": "In Deutschland, das weltweit zu den demokratischen Musterländern zählt, wurde ein Politiker bei einem brutalen Angriff schwer verletzt. Ob tatsächlich politische Motive hinter der feigen Tat von Vermummten stehen, muss geklärt werden. Man muss jedoch nicht abwarten, ob sich dieser Verdacht bestätigt, um verbal abzurüsten und eine sachliche wie gründliche Diskussion zu führen, die über den Fall Magnitz hinausreicht. Ihr Thema, die zunehmende Radikalisierung und Verrohung der politischen Kultur, betrifft keineswegs nur die AfD, sondern auch andere Kräfte - und dies schon lange. Dass Politiker angegriffen werden, Drohungen bekommen und in den sozialen Medien verunglimpft werden, kommt leider häufiger vor als viele denken."

Ähnlich sieht das der "Mannheimer Morgen", der den Angriff so kommentiert: "Noch sind es Einzelfälle. Doch verbale Aggressionen scheinen immer häufiger ins echte Leben überzuschwappen. Wer mit seiner Position polarisiert - ob nun Flüchtlingshelfer oder AfD-Politiker -, wird zur potenziellen Zielscheibe realer Gewalttaten. Zu den verkürzten Debatten in den sozialen Netzwerken kommt das hohe Tempo im Internet als Brandbeschleuniger hinzu. Die nächste Nachricht ist immer nur einen Klick entfernt. Nur wer noch schneller, noch lauter ist, fällt auf. Ereignisse werden überspitzt, auf die schlimmstmögliche Art gedeutet."

Lesen Sie auch

Die "Landeszeitung" aus Lüneburg veruteilt ebenfalls die politische Verrohung und warnt: "Die Warnung vor Weimarer Verhältnissen mag abgedroschen klingen, muss angesichts der Verrohung, die vor Wochen in Chemnitz und nun in Bremen offenbar wurde, aber mit Nachdruck ausgesprochen werden. Hetzjagden auf missliebige Minderheiten und Prügelattacken auf den weltanschaulichen Gegner waren ein Verfallssymptom der Weimarer Republik. Sie taugen auch als Indikator, dass die Berliner Republik auf unruhige Zeiten zusteuert. Denn wer Galgen für die Kanzlerin oder Kanthölzer für AfD-Mann Magnitz anstelle von Argumenten setzt, beschleunigt die Radikalisierungsspirale auf der Straße. Gefährlich für eine Demokratie ist, dass sich die Extremisten in den gegnerischen Lagern in ihrem holzschnittartigen Denken so sehr ähneln - und sich mit ihrer Brutalität gegenseitig hochschaukeln."

Das "Westfalen-Blatt" verurteilt die Attacke auf Magnitz und fordert eine Aufklärung der Tat: "Ganz klar: Diese Tat ist ein Verbrechen. Jede Relativierung und jedes Aufrechnen sind unangebracht. Über die zulässige Schärfe des politischen Streits kann man diskutieren. Über die Zulässigkeit von Körperverletzung oder gar Vernichtungswillen nicht mehr. Wichtig ist neben der Genesung des Opfers, dass ermittelt wird, wer das getan hat. Wer ist so radikalisiert, woran liegt das, wer hat dazu beigetragen?"

Als einen Angriff auf die Grundwerte Deutschlands sieht die "Neue Ruhr-/Neue Rhein-Zeitung" den Vorfall: "Der Angriff auf den Bremer AfD-Vorsitzenden Frank Magnitz ist ein Angriff auf die Werte dieses Landes. Wer einen Menschen niederknüppelt und schwer verletzt, spuckt auf das Grundgesetz. Der Angriff ist Ausdruck einer Verrohung im gesellschaftlichen Diskurs. Frank Magnitz liegt jetzt im Krankenhaus weil Schläger auf ihn losgegangen sind, die womöglich aus dem linken Spektrum stammen. Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker entkam knapp dem Tod, nachdem sie ein rechter Messerstecher attackierte. Parteibüros und Privathäuser von Politikern werden beschmiert, beschädigt, besudelt. Auch Bundestagsabgeordnete bedienen sich einer menschen- und systemverachtenden Sprache, nicht nur dort, in allen anderen deutschen Parlamenten ist der Ton rauer, unversöhnlicher geworden. Dazu trägt entscheidend die AfD selbst bei. Die Gesellschaft muss dringend verbal abrüsten, auf allen Ebenen. Sonst wird der Angriff von Bremen nicht der letzte gewesen sein. Sonst wird es irgendwann Tote geben."

Die "Rhein-Zeitung" aus Koblenz fordert die Bildung von Schwerpunktstaatsanwaltschaften: "Man kann die AfD politisch bekämpfen, ja, man muss sie politisch stellen. Doch Demokraten können eine solche Gewalttat nur verurteilen. Sie ist empörend, und sie ist ein gefährliches Signal. Jeder Mensch hat in diesem Land das Recht, seine Meinung zu vertreten - auch eine rechtspopulistische. Die Meinungsfreiheit endet erst dann, wenn einer zu Straftaten auffordert oder justiziable Beleidigungen ausspricht. Leider verschwimmen in der politischen Auseinandersetzung zu oft die Grenzen zwischen Meinungsfreiheit und strafrelevanten Äußerungen. Leider werden letztere viel zu selten geahndet. Es wäre dringend notwendig, Schwerpunktstaatsanwaltschaften zu bilden, die insbesondere Morddrohungen und Aufrufe zur Gewalt gegen Andersdenkende und Anderslebende ahnden. Appelle an die Vernunft und Solidarität gegen politischen Extremismus reichen nicht mehr aus. Denn der Keim der physischen Gewalt wird durch eine in Teilen verrohte Kommunikation gesät."

Lesen Sie auch

Gleichzeitig kritisierten aber auch viele Medien die Instrumentalisierung der Gewalttat durch die AfD, darunter auch die "Frankfurter Allgemeine Zeitung": "(...) Die AfD hat gewiss nicht allein Schuld an der Verrohung der politischen Kultur, die der Thüringer Fraktionsvorsitzende Höcke beklagt (...). Die AfD leistet dieser Verrohung und Entgrenzung jedoch erheblichen Vorschub, das gehört zu ihrem Geschäftsmodell. Die auch bei dieser Gelegenheit erhobenen Klagen über die "Schreibtischtäter linker Parteien" und "Scharfmacher in den Medien" klingen sehr nach: Haltet den Brandstifter! Die baden-württembergische AfD-Fraktion erklärte zu dem Anschlag, gewollt oder ungewollt zweideutig: "Wer Hass sät, wird Gewalt ernten." Das kann niemand anstreben, dem an der Erhaltung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung und damit auch an freien, nicht einschüchterbaren Medien gelegen ist. Starke Kräfte in der AfD aber haben andere Prioritäten."

Ähnlich sieht das die "Wetzlarer Neue Zeitung": "Ausgerechnet in dieser Situation gießen die AfD-Chefs Alexander Gauland und Jörg Meuthen Öl ins Feuer: Sie behaupten, der kriminelle Anschlag auf ihren Parteifreund sei das Ergebnis von Hetze gegen die AfD durch "Politiker und Medien". Doch allzu oft ist es die AfD selbst, die der öffentlichen Auseinandersetzung ätzende Schärfe beimengt, die Emotionen schürt, anstatt Probleme zu lösen. (...) Die AfD sollte sich deshalb darüber freuen, dass Politikerinnen und Politiker aller Parteien die Gewalttat an Magnitz verurteilen. Dieser demokratische Konsens bietet die Gelegenheit, endlich auf üble Unterstellungen und Verunglimpfungen des politischen Gegners zu verzichten."

Auch internationale Medien griffen die Attacke auf Frank Magnitz auf. Unter anderem "Fox News", die "New York Times", "CNN", die britische Zeitung "The Guardian" und die spanische Zeitung "El País" berichteten über den Angriff auf den Bremer Politiker. (sei/dpa)

++ Dieser Artikel wurde mit den gesammelten Pressestimmen der dpa verfasst ++

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+