Tanzsport Die Tänzer schieben Frust

Der Antrag auf Sondergenehmigung ist gestellt, doch die Antwort steht aus: Weil sich die Bremer Politik nicht rührt, hängen die Kaderathleten des Grün-Gold-Clubs Bremen in der Luft.
12.05.2020, 06:39
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Die Tänzer schieben Frust
Von Frank Büter

Jens Steinmann ist zurzeit, nun ja: etwas stinkig. Der Präsident des Grün-Gold-Clubs Bremen hängt nämlich in der Warteschleife. Und mit ihm befindet sich der Tanzsport in diesem Bundesland weiter im Ungewissen. Das Wochenende hat der Grün-Gold-Chef damit zugebracht, Ansprechpartner im Bremer Senat zu kontaktieren, und versucht, dadurch Bewegung in die Angelegenheit zu bringen, die ihm, den Trainern und natürlich auch den Aktiven so am Herzen liegt. Es geht darum, zeitnah zumindest die Wiedereröffnung der Klubräume für die Kaderathleten zu erreichen. Das wäre aus Vereinssicht der erste wichtige Schritt für die Leistungssportler im GGC, zu denen unter anderem 21 Aktive aus der Weltmeisterformation gehören.

Einen entsprechenden Antrag hatte Jens Steinmann schon vor Wochenfrist gestellt, nun hat er noch einmal nachgelegt. Bewegung gab und gibt es aber in dieser Angelegenheit nicht. Immer noch nicht. Immerhin hat Steinmann aber erfahren, dass jetzt auch das Gesundheitsressort mit involviert ist. Also hat er auch die zuständige Senatorin Claudia Bernhard (Linke) diesbezüglich per Mail kontaktiert. Die Zeit, sie brennt dem Klubchef unter den Nägeln, „denn in anderen Bundesländern dürfen Tanzschulen unter Auflagen bereits wieder öffnen“, sagt Steinmann.

In Bremen herrscht diesbezüglich Stillstand, Steinmann hat nicht einmal eine Eingangsbestätigung für sein Anliegen erhalten. Aus seiner Sicht ein Unding, denn schließlich würden auch Existenzen daran hängen. Wenn es in dem Tempo weiterginge, überlegt Steinmann, dann wisse er nicht, was am Ende übrig bleibe. Deshalb kämpft der Grün-Gold-Chef für die Klub-Interessen und auch für die der selbstständig tätigen Trainer. Steinmann will etwas in Gang setzen, möglichst schnell. „Vielleicht sollten wir unser Formationstraining in den Bürgerpark legen“, sagt der 60-Jährige. „Kleine Boxen dabei und los, natürlich unter Wahrung der Abstandsregelung. Das wäre dann doch mal publikumswirksam.“

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Der mehrfache Formationsweltmeister aus Bremen möchte wahrgenommen werden in Bremen. „Es gibt ja nicht einmal einen Fahrplan, welche Bereiche wann wieder anlaufen sollen, wer wann was wieder darf“, kritisiert Trainer Roberto Albanese das Krisenmanagement der Bremer Politik. „Über Werder, Fußball und das Parkhotel wird geredet, wir Tänzer scheinen aber nicht zu interessieren.“ Via Facebook hat sich der Erfolgscoach am Freitag an den Senat und an Bürgermeister Andreas Bovenschulte gewendet und darum gebeten, dass sich auch das Bundesland Bremen positionieren möge.

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„Bitte nehmen Sie sich uns an“, schrieb Albanese, „wir brauchen Verordnungen und die Möglichkeit, wieder loslegen zu können“. Eine Reaktion darauf hat es – abgesehen von einem Kurzkommentar von Sportsenatorin Anja Stahmann („Wir kümmern uns“) – nicht gegeben, „das ist alles sehr frustrierend“, sagt Roberto Albanese. Frust, den Jens Steinmann teilt.

„Ich muss unseren Mitgliedern ja auch erklären können, was Sache ist“, sagt er. Der Präsident muss erklären, warum Tanzpaare, die mitunter auch privat ein Paar sind, nicht zusammen trainieren dürfen, „gerade im Seniorenbereich gibt es davon einige“. Das Warten geht also weiter. Warten auf die Sondergenehmigung für die Kaderathleten im Grün-Gold-Club, damit diese aufs Tanzparkett zurückkehren dürfen. Und Warten auf die generelle Freigabe für tanzsportliche Aktivitäten im Indoor-Bereich.

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