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Sondergenehmigung für Grün-Gold-Club

Grünes Licht für den Formationsweltmeister: Die Kaderathleten des Grün-Gold-Clubs Bremen dürfen ab sofort wieder ins Training einsteigen. Die Personenzahl pro Saal ist aber begrenzt.
14.05.2020, 06:28
Lesedauer: 3 Min
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Sondergenehmigung für Grün-Gold-Club
Von Frank Büter

Plötzlich ging es ganz schnell: Zu Wochenbeginn hatten die Verantwortlichen des Grün-Gold-Clubs Bremen noch über die Bremer Politik geschimpft, inzwischen aber hat der Tanzsportverein die erhoffte Sondergenehmigung für seine A-Kader-Athleten vorliegen. Was konkret heißt, dass die 21 Formations-Tänzerinnen und -Tänzer aus dem A-Team und vier Paare, die im Leistungsbereich des Deutschen Tanzsportverbandes (DTV) aktiv sind, ab sofort wieder mit dem Training beginnen dürfen.

Die Genehmigung des Ordnungsamtes kam per Mail und ist zwei Seiten lang. Darin ist detailliert beschrieben, welche Vorschriften es zu beachten und umzusetzen gilt. Dazu gehört unter anderem eine Hygiene-Schulung mit den Aktiven. Desinfektion ist ebenso Thema wie die Abstandsregelung und das Tragen von Masken abseits des Trainings. Zudem hat der Grün-Gold-Club die Auflage bekommen, alle fünf Tanzsäle, drei im neuen Klubhaus in Hastedt, zwei im Klubhaus in der Wandschneiderstraße, mit Kameras für eine Videoüberwachung auszustatten.

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„Alternativ hätten wir sonst für jeden Saal eine Aufsichtsperson stellen müssen“, erläutert GGC-Präsident Jens Steinmann. In einer Videokonferenz hat er sich mit seinen Vorstandskollegen beraten und einen Plan zur Umsetzung der Regelungen entworfen. Nun also kann es zeitnah losgehen.

Und das freut nicht nur die Kadertänzer, sondern auch das Trainerehepaar Uta und Roberto Albanese. Bereits an diesem Freitag wird für die Einzelpaare Zsolt Sándor Cseke und Malika Dzumaev, Daniel Dingis und Alessia-Allegra Gigli, Roman Syrykh und Elizabeth Zymovets (alle S-Klasse Latein) sowie das ambitionierte Jugendpaar Fabian Glatz und Delia Breitmaier die erste Einheit unter der Leitung von Roberto Albanese stattfinden.

Vier Paare und ein Trainer dürfen sich jeweils in einem Saal aufhalten, hier passt die Kopfzahl also exakt. Etwas schwieriger gestaltet sich die Kopfzahl neun bei der Formation, die am Montag wieder ins Training einsteigt. Hier wird das Team entsprechend in bis zu drei kleinere Gruppen und auf mehrere Säle aufgeteilt. „Darüber müssen wir uns noch Gedanken machen. Wichtig ist aber, dass wir überhaupt wieder anfangen können“, sagt Roberto Albanese. Er ist froh, dass die Zeit des Videotrainings vorbei ist und man jetzt wieder persönlichen Kontakt hat.

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„Physisch haben sich alle fit gehalten in den letzten Wochen“, weiß der Coach. Nun kann wieder intensiv an tänzerischen Elementen gearbeitet werden. Zwar unter erschwerten Bedingungen, aber immerhin. Da der Wettkampfkalender wegen Corona stark ausgedünnt ist, haben die Tänzer in den nächsten Monaten viel Zeit für Detailarbeit. Für die Formation geht es, Stand jetzt, erst mit der deutschen Meisterschaft in Düsseldorf Anfang November weiter. Die Einzelpaare blicken auf den 3. Oktober, wo es im Rahmen der DM auch um die Qualifikation zur WM geht.

Für Albanese ist diese Genehmigung für die Kaderathleten derweil nur ein erster wichtiger Schritt. Der selbstständige Tanztrainer betreibt an den beiden Klubstandorten auch eine Tanzschule, die aufgrund der Corona-Pandemie derzeit geschlossen ist. „15 Jahre haben meine Frau und ich diese Tanzschule aufgebaut, das ist unser Lebenswerk“, sagt Roberto Albanese. Ein Lebenswerk, das nun zu bröckeln droht. Die Rechnung ist ganz einfach: keine Kurse, keine Kohle.

Die Verluste summieren sich bereits im mittleren sechsstelligen Bereich, sagt Albanese, der überdies zahlreiche Kündigungen und den Ausfall diverser Veranstaltungen zu beklagen hat. „Es geht um unsere Existenz“, sagt der 46-Jährige. „Bald kann ich den Laden zumachen.“ Damit genau das nicht passiert, hofft er, den Laden zeitnah wieder aufmachen zu können. „Ich hoffe, dass die Bremer Politik uns vernünftig aus der Krise holt. Das ist deren Job“, sagt Albanese. Er wünscht sich, dass sich der Senat schnell zu weiteren Lockerungen entschließt und die Tanzschulen wieder freigibt.

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Tanzschulen in der Warteschleife

Die Tanzschulen in Bremen sind weiterhin geschlossen. Am Dienstag nächster Woche trifft sich der Senat, um über weitere Lockerungen im Sport zu entscheiden. Unter anderem soll es dann um die generelle Wiedereröffnung von Sporthallen und Fitnessstudios gehen, womöglich zählen dazu thematisch dann auch die Tanzschulen. Die Beschlussvorlage, die sich auch mit den Freibädern beschäftigt, ist derzeit in Vorbereitung. In anderen Bundesländern darf bereits oder darf absehbar wieder getanzt werden. Seit diesem Montag etwa haben die Tanzschulen in Nordrhein-Westfalen wieder geöffnet, natürlich unter strengen Auflagen. In Sachsen öffnen die Tanzschulen an diesem Freitag, in Rheinland-Pfalz (ab 27. Mai) und Baden-Württemberg (ab Pfingsten) sowie Mecklenburg-Vorpommern (15. Juni) ist der Start zumindest schon mal terminiert.

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