Einstiger Friefhof in Oslebshausen Archäologen finden an der Reitbrake weitere Gräber

Auf dem früheren Kriegsgefangenen-Friedhof an der Reitbrake in Oslebshausen haben die Landesarchäologen weitere Gräber mit vollständigen Skeletten gefunden.
17.01.2022, 17:07
Lesedauer: 1 Min
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Archäologen finden an der Reitbrake weitere Gräber
Von Frank Hethey

Erst in der vergangenen Woche sorgte der erste Skelettfund an der Reitbrake für Aufsehen, nun sind weitere acht vollständige Skelette ans Tageslicht gekommen. Laut Senatskanzlei ist das Team der Landesarchäologie am nördlichen Ende der ersten Gräberreihe fündig geworden. Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) erklärte, wie mit den Funden umzugehen sei, könne erst nach Abschluss der Grabungen in enger Abstimmung mit den betroffenen Staaten Russland und Ukraine entschieden werden. Bovenschulte: "Alleiniger Maßstab der Entscheidung ist die Gewährleistung eines würdevollen Gedenkens an die Toten unter Berücksichtigung der Vorgaben des Kriegsgräberrechts."

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Die Toten wurden dicht nebeneinander liegend bestattet. Nach ersten Erkenntnissen handelt es sich um sowjetische Kriegsgefangene, die im Dezember 1941 einer schweren Typhusepidemie zum Opfer fielen. Um die vielen Leichname zügig bestatten zu können, hob man auf dem Friedhof einen 1,9 Meter breiten und 1,2 Meter tiefen Graben aus. Die jetzt aufgefundenen Gräber lagen anscheinend unter einer drei Meter langen Erdrampe, die 1948 für die Exhumierung der Grabstellen angelegt wurde – und blieben deshalb damals unentdeckt. "So die momentane Arbeitshypothese der Landesarchäologie", heißt es in der Verlautbarung.

Zu Beginn der Grabungen im August 2021 hatte die Archäologen am oberen Ende der Rampe vier Schaufelblätter gefunden. Das für die Exhumierung eingesetzte Personal hatte die Schaufeln offenbar zurückgelassen. Auf dem 3500 Quadratmeter großen Areal sind zwischen 1941 und 1945 sowjetische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter beerdigt worden. Der französische Bahnhersteller Alstom plant dort den Bau einer Bahnwerkstatt. Im Vorfeld nimmt die Landesarchäologie Bremen dort Grabungen vor, die voraussichtlich bis Ende März andauern sollen. Die Bürgerinitiative Oslebshausen und das Bremer Friedensforum fordern die Einrichtung einer unabhängigen Kommission von Historikern, Völkerrechtlern und Ethikern, die der Bremischen Bürgerschaft eine Empfehlung zum Umgang mit der Kriegsgräberstätte an der Reitbrake geben soll.  

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++ Dieser Artikel wurde am 17. Januar um 18.54 Uhr aktualisiert. ++

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