Neue Umfrage des WESER-KURIER

Bremens Innenstadt fällt gegenüber Oldenburg und Hamburg ab

Die Bremer Innenstadt bietet weniger Reiz als die Konkurrenz. Sie ist nicht so beliebt wie zum Beispiel der Weserpark oder die Innenstädte von Oldenburg und Hamburg. Das ergibt eine Umfrage des WESER-KURIER.
19.08.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremens Innenstadt fällt gegenüber Oldenburg und Hamburg ab
Von Jürgen Hinrichs

Die Innenstadt ist auf der Verliererseite. Sie wird von den Menschen, die etwas einkaufen wollen, deutlich weniger bevorzugt als der Weserpark an der Stadtgrenze und die Innenstädte von Oldenburg und Hamburg. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage, die der WESER-KURIER in Auftrag gegeben hat.

Unabhängig von den Einkaufsmöglichkeiten wird die Bremer City von den Befragten insgesamt als mittelmäßig und durchwachsen beurteilt. Sie bekommt die Note 3,4. Pluspunkte sind unter anderem die Erreichbarkeit mit Bussen und Bahnen und das Stadtbild mit Marktplatz, Rathaus, Schlachte, Schnoor und Böttcherstraße.

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Knapp zwei Drittel der Befragten kaufen regelmäßig sowohl in der Bremer als auch in der Oldenburger Innenstadt ein. Sollen diese Menschen entscheiden, welches Ziel ihnen lieber ist, fällt die Wahl mit 49 Prozent eindeutig auf Oldenburg. Für Bremen votieren 18 Prozent. Der Rest zeigt keine Präferenz. Nicht so groß, aber ebenfalls markant, ist der Abstand zu Hamburg. Wieder geht es um Kunden, die in der einen wie in der anderen Innenstadt shoppen gehen. 38 Prozent sprechen sich für die Elbmetropole aus. 32 Prozent für die Bremen. Die anderen wollen sich nicht festlegen.

Weserpark attraktiver als Innenstadt

Fernab der Beliebtheitswerte, die zum Beispiel auch verraten, dass der Weserpark in Osterholz attraktiver ist als die Bremer Innenstadt, ziehen die Geschäfte zwischen Wall und Weser immer noch die meisten Kunden an. Sie fahren zwar nach Oldenburg oder Hamburg und finden es schöner dort. Der Weg führt sie vielleicht auch mal zu Dodenhof in Posthausen. Aber das alles ist wegen der Entfernung nicht der Alltag, sondern die Ausnahme. Hauptanziehungspunkt bleibt schon aus diesem Grund die Bremer Innenstadt.

Die mehr als 700 Teilnehmer der Online-Befragung von Anfang August, ausgewählt nach den Merkmalen Geschlecht, Alter und Berufstätigkeit, haben in ihrem Gesamturteil zur Innenstadt Schulnoten von 1 bis 6 vergeben. 17 Prozent tragen ein Mangelhaft oder gar Ungenügend ins Zeugnisheft ein. Kritisiert wird insbesondere, dass es nicht genügend interessante Geschäfte gebe und die Breite im Angebot fehle: zu viele Filialisten, Telefonläden und Billiganbieter. Schlecht bewertet werden auch die Kultur- und Freizeitangebote und die Sauberkeit.

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21 Prozent der Befragten sind ganz und gar zufrieden mit allem, was ihnen rund um den Roland geboten wird. Sie begeistern sich für das Weltkulturerbe, zu dem auch das Rathaus gehört, loben den Charme der historischen Altstadt, die kurzen Wege. „Schön heimelig, eine gemütliche Stadt, und allemal besser als jedes künstliche Einkaufszentrum“, heißt es in den Antworten. Topnoten erhält außerdem die Anbindung der Innenstadt mit dem öffentlichen Personennahverkehr. An einem Punkt wird dieser Vorzug gleichzeitig aber auch als Nachteil empfunden: Wenn die Straßenbahn durch die Obernstraße fährt. Ein Störfaktor, der verhindert, dass die Menschen in Ruhe flanieren können, so die Kritik.

Autofreie Innenstadt immer wieder Thema

Die Verkehrspolitik des Senats nimmt in der Umfrage einen breiten Raum ein. Allen Projekten voran ist das der Plan einer autofreien Innenstadt. Das Thema erhitzt die Gemüter – in Politik und Wirtschaft, genauso aber auch bei den Teilnehmern der Umfrage. Sie sind hin- und hergerissen, die Frage polarisiert. 53 Prozent finden das Ziel, innerhalb des Wallrings kaum noch Autos fahren zu lassen gut oder sehr gut. 45 Prozent finden es weniger gut oder schlecht. Der kleine Rest hat keine Angaben gemacht. Ähnlich verhält es sich mit den Plänen einer Fahrradstraße auf dem Bremer Wall: Sehr viele sind dafür, ein bisschen mehr noch sind dagegen.

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Ein diffuses Meinungsbild entsteht bei der Frage, wie das große Vorhaben von Kurt Zech zu bewerten ist. Der Bremer Unternehmer hat das Parkhaus Mitte gekauft und will es abreißen. Die Fläche soll Teil einer Gesamtentwicklung werden, zu der auch die benachbarten Immobilien von Karstadt und Galeria Kaufhof gehören. Vor drei Jahren hatte Zech seine Pläne öffentlich gemacht und gehofft, im Jahr 2021 fertig zu sein. Seitdem ist aber noch nicht viel passiert.

Diese vagen Aussichten spiegeln sich im Ergebnis der Umfrage wieder. Da es zuletzt nur noch wenig Informationen über den Fortgang des umfangreichsten Plans für die Innenstadt gab, wird auch das eine Rolle gespielt haben. Zehn Prozent aller Befragten konnten oder wollten sich zu der Frage, ob das Zech-Projekt noch zu realisieren ist, nicht äußern. 47 Prozent geben dem Vorhaben eine weiterhin gute Chance. 43 Prozent sind pessimistisch und glauben eher nicht mehr, dass die Pläne wahr werden.

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