Reinhold Hilbers im Interview „Ich schaue ganz genau hin“

Aufsichtsratschef Reinhold Hilbers spricht im Interview über die Probleme der NordLB und die Folgen der Übernahme der Bremer Landesbank.
27.08.2018, 21:13
Lesedauer: 4 Min
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„Ich schaue ganz genau hin“
Von Peter Mlodoch
Herr Hilbers, interne Prüfberichte bescheinigen der NordLB schwere Mängel vor allem bei der Schiffsfinanzierung. Können Sie als Aufsichtsratsvorsitzender der Bank sicher sein, dass dort nicht noch mehr Sprengstoff lauert?

Reinhold Hilbers : Ich kenne diese Berichte nicht, die liegen uns nicht vor. Es ist aber auch vom Gesetz und Verfahren nicht vorgesehen, dass sie den Trägern der Bank vorgelegt werden. Adressat der Innenrevisionsberichte ist der Vorstand. Der gibt die wesentlichen Punkte an den Prüfungsausschuss weiter; dessen Vorsitzender berichtet dann an den Aufsichtsrat in komprimierter Form. Was im Einzelnen in diesen Berichten steht, kann ich daher nicht beurteilen. Ich habe den Vorstand gebeten, einen umfangreichen Bericht zur Sachaufklärung vorzulegen. Dieser wird dann auch im Aufsichtsrat besprochen werden.

Muss nicht bereits das, was bekannt geworden ist, Anlass zur Sorge geben?

Die Innenrevision ist angewiesen, sehr umfangreich, tiefgehend und vor allem kritisch zu prüfen. Das bedeutet dann auch, dass daraus kritische Prüfberichte entstehen können. Prüfberichte, die Mängel attestieren, hat niemand gerne, auch wir nicht. Sie dienen dazu, Prozesse zu verbessern und Mängel abzustellen. Festgestellte Mängel sind natürlich Anlass, ganz genau hinzuschauen. Und das tue ich auch.

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Gefährdet das Bekanntwerden der Berichte die erforderliche Umstrukturierung der NordLB? Will hier jemand diese Neuaufstellung vielleicht sogar ganz bewusst torpedieren oder die Preise für potenzielle Investoren drücken?

Die Papiere der Innenrevision gehören zum internen Bereich der Bank. Daher liegt die Vermutung nahe, dass diese Informationen aus der Bank direkt gestreut worden sind. Welche Motive dahinter stehen, darüber kann ich nur spekulieren. Das möchte ich aber nicht in der Öffentlichkeit tun. Es tut auf jeden Fall der NordLB nicht gut. Interne Prozesse gehören nicht unter den Tisch gekehrt. Aber sie gehören intern diskutiert und sind nicht geeignet, öffentlich ausgetragen zu werden.

Wie weit ist die Neuaufstellung der NordLB inzwischen gediehen?

Wir prüfen derzeit weiter intensiv die verschiedenen Optionen. Wir befinden uns mittlerweile in sehr intensiven Gesprächen mit der EU-Kommission, wir sind in sehr intensiven Gesprächen mit den Trägern, wir sind in sehr intensiven Gesprächen mit der Bankenaufsicht. Die einzelnen Lösungsvorschläge werden jetzt konkretisiert. Das heißt, wir konkretisieren auch die Möglichkeit, privates Kapital in die Bank zu holen.

Gibt es dann also auch schon intensive Gespräche mit potenziellen Investoren?

Es wird jetzt ein Prozess stattfinden, in dem die Bank sich intensiv mit dieser Frage beschäftigt.

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In einigen Medien war davon die Rede, dass die faulen Schiffskredite als Paket von chinesischen Investoren herausgekauft werden könnten.

Ich kenne keine Gespräche mit Chinesen und chinesischen Investoren.

Wenn private Investoren reinkommen: Wie viele Anteile will oder muss das Land Niedersachsen beziehungsweise die öffentliche Hand behalten?

Diese Bank ist sehr wichtig für Niedersachsen. Es arbeiten dort viele Menschen. Die Bank ist wichtiger Partner für den Mittelstand. Da streben wir an, auch weiterhin auf die Geschicke dieser Bank entscheidenden Einfluss zu haben. Das würde bedeuten, dass wir uns weiterhin mit über 50 Prozent an der NordLB beteiligen.

Ist sie dann aber noch attraktiv genug für private Investoren?

Das wird sich zeigen. Sollte sich etwas anderes erweisen, wird man über diesen Punkt wieder reden müssen.

Ist ein künftiges Modell auch ohne die Sparkassen, insbesondere ohne die Braunschweigische Landessparkasse, möglich?

In der langfristigen Perspektive ist das denkbar. Zunächst einmal überlegen wir, ob wir andere Strukturlösungen finden.

Spekuliert wird auch über eine mögliche Fusion mit anderen Landesbanken. Kommt das infrage?

Ich schließe nichts aus. Ich weiß allerdings nicht, ob das unsere Probleme, nämlich Bereinigung des Schiffsportfolios und Stärkung der Kapitalquote, lösen würde.

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Derzeit läuft der Stresstest der europäischen Bankenaufsicht. Kann die NordLB diesen angesichts der beschriebenen Probleme überhaupt bestehen?

Beim Stresstest werden Szenarien durchgespielt, wie sich die Wirtschaft unter negativen Bedingungen entwickelt und welche Auswirkungen das für die Banken hat. Dieser Stresstest wird angewandt bei systemrelevanten Banken, wie die NordLB eine ist. Dabei findet eine ganzheitliche Betrachtung statt, wie bestimmte Ereignisse die Kapitalseite belasten könnten. Da die Norddeutsche Landesbank bei der Kapitalquote bislang nicht sehr komfortabel ausgestattet ist, hat der Stresstest für die Risikotragfähigkeit der Bank eine große Bedeutung.

Wann kommen die Ergebnisse?

Anfang November.

Vor genau einem Jahr hat sich die NordLB die Bremer Landesbank komplett einverleibt. Im Nachhinein betrachtet: War das der richtige Schritt?

Die Bremer Landesbank ist nicht einverleibt worden, sondern die NordLB hat sie komplett übernommen und in den Konzern integriert, weil das notwendig wurde. Die BLB gehörte damals schon zu nahezu 60 Prozent der NordLB. Somit war sie fester Bestandteil des Konzerns und wurde in dessen Bilanz konsolidiert. Wie häufig im Leben gab es verschiedene Alternativen. Aber die gefundene Lösung, die BLB mit der NordLB zu fusionieren, war genau die richtige. Zwar sind daraus einige Herausforderungen entstanden, die nicht trivial waren. Aber der Prozess „One Bank“, also die Integration der Bremer Landesbank, ist sehr gut vorangekommen.

Das ist allerdings mit dem Abbau von vielen Arbeitsplätzen verbunden. 1250 Stellen will die NordLB bis zum Jahr 2020 insgesamt streichen, davon 423 in Bremen. Wie weit ist die Bank damit schon gekommen?

Wir sind bei all diesen Prozessen im Plan.

Das Interview führte Peter Mlodoch.

Info

Zur Person

Reinhold Hilbers ist seit November 2017 Finanzminister von Niedersachsen und damit auch Aufsichtsratsvorsitzender der Norddeutschen Landesbank (NordLB). Der 54-jährige Diplom-Kaufmann sitzt seit 2003 für die CDU als Abgeordneter im Niedersächsischen Landtag. Davor war er als Verwaltungsleiter bei der Lebenshilfe Nordhorn und bei der Volksbank Lingen tätig. Hilbers ist verheiratet, hat vier Kinder und lebt in der Grafschaft Bentheim.

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