Sparkassengelände am Brill

Schapiras blasen Neubaupläne in Bremen ab

Nach langem Hin und Her zwischen der Stadt und dem Investor haben die Brüder Schapira entschieden, von ihren Neubauplänen für das Sparkassengelände am Brill abzurücken.
22.06.2020, 20:21
Lesedauer: 3 Min
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Schapiras blasen Neubaupläne in Bremen ab
Von Frank Hethey

Auf dem bisherigen Sparkassengelände Am Brill soll es doch keinen kompletten Neubau geben. Stattdessen will der Investor die bestehenden Gebäude sanieren, um sie vor allem als Büroflächen zu vermieten. Das haben die beiden israelischen Brüder Pinchas und Samuel Schapira am Montag per Pressemitteilung bekannt gegeben. Bausenatorin Maike Schaefer (Grüne) reagierte verschnupft. „Dass der Investor jetzt über eine Pressemitteilung bekannt gibt, lediglich den Gebäudebestand zu entwickeln und keine städtebauliche Aufwertung des Areals vornehmen will, ist sehr bedauerlich.“ Unterdessen kreidet die Opposition dem Senat Mutlosigkeit und mangelnden Weitblick an.

Als Grund für ihren überraschenden Rückzieher nannten die Schapira-Brüder finanzielle Erwägungen. Ein Abriss der Bestandsgebäude, nur um sie durch Neubauten von ähnlicher Größenordnung zu ersetzen, sei bei den zu erwartenden Gesamtkosten „nicht vertretbar“. Gemeint ist damit die im Koalitionsvertrag festgehaltene Vorgabe, dass die Bruttogeschossfläche von 48.000 Quadratmetern nicht überschritten werden darf. Der jüngste Vorschlag der Schapiras lief auf fast 56.000 Quadratmeter hinaus. „Wir hätten am Brill gerne ein Leuchtturmprojekt mit großer Strahlkraft über die Bremer Landesgrenzen hinaus realisiert“, lassen sich die Schapira-­Brüder in der Pressemitteilung zitieren. „Wir akzeptieren und respektieren jedoch die Entscheidung der Stadt.“

Erst zu Jahresbeginn war Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) nach Hamburg gereist, um die zwischenzeitlich festgefahrenen Gespräche wieder in Gang zu bringen. Eine zunächst erfolgreiche Mission, laut Schaefer gab es bis zuletzt Gespräche mit Vertretern des Investors.

Doch der neueste Schapira-Vorschlag vom vorigen Monat entsprach nicht den Vorstellungen des Senats. In einem gemeinsamen Schreiben hätten Bovenschulte, Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) und sie selbst darauf hingewiesen, dass sich die anvisierte Geschossfläche nicht mit den Vorgaben der Stadt deckt. „Auch ein 16-geschossiges Gebäude an der Ecke zur Hankenstraße und eine mangelnde Durchquerungsmöglichkeit haben wir kritisch bewertet.“

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Scharfe Kritik am neuerlichen Verhandlungsabbruch ist aus den Reihen der Opposition zu hören. „Am Brill hätte der Grundstein für die Innenstadtentwicklung gelegt und ein neuer Brückenschlag ins Faulenquartier geschaffen werden können“, sagte Heiko Strohmann (CDU), Fraktionssprecher für Stadtentwicklung. Den umstrittenen Entwurf des renommierten US-Architekten Daniel Libes­kind mit seinen vier Türmen sieht Strohmann als verpasste Chance. Der Vorschlag sei „mutig und streitbar“ gewesen, „er hätte weiterentwickelt und diskutiert werden müssen“.

Als „leider nachvollziehbar“ beurteilt die FDP den Schapira-Ausstieg. „Von Anfang an fehlte ein klares Bekenntnis des Senats zu den Neubauplänen und der Mut, größere Ideen zuzulassen“, erklärte der stadtentwicklungspolitische Sprecher Thore Schäck. In Bremen scheine sich wieder das „typische rot-grün-rote Klein-Klein-Denken“ durchgesetzt zu haben.

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Die Sparkasse Bremen als frühere Eigentümerin bedauert, dass „das erzielte Ergebnis anscheinend keine weitreichenden und nachhaltigen Impulse für die Stadt Bremen“ bringen werde. Nach dem Wegzug im Herbst hätte die Sparkasse eine nahtlose Umgestaltung begrüßt, zumal die Auszugspläne seit Dezember 2016 öffentlich bekannt gewesen seien. „Unser Bestreben war es, an einen Investor zu verkaufen, der diesem Standort mit zukunftsweisenden Bauten erstrahlen lässt, um die Stadt Bremen über die Landesgrenzen hinaus attraktiv zu positionieren“, so der Vorstand der Sparkasse Bremen.

Einen enormen Imageschaden stellt der Wirtschaftsverband „Die Familienunternehmer fest“. „Für Bremen ist das ein trauriger Tag“, sagte Landeschef Peter Bollhagen.

Ob der Rückzieher der Schapira-Brüder wirklich das letzte Wort in der Sache ist oder nur eine verkappte Drohung, darüber darf gerätselt werden. Die Investoren beteuern im ersten Satz ihrer Pressemitteilung, ihnen sei „weiterhin sehr an einem langfristigen Investment und einer Quartiersentwicklung“ gelegen. Unveränderte Gesprächsbereitschaft signalisierte auch Bausenatorin Schaefer. Man sei weiter an einer städtebaulich wertvollen Weiterentwicklung des Areals und konstruktiven Gesprächen interessiert.

Auch die Opposition will nicht alle Hoffnung fahren lassen. Die CDU sieht jetzt den Senat am Zuge. Es müsse aktiv das Gespräch mit den Investoren gesucht werden, forderte Strohmann. Nur so könne eine Entwicklung des Geländes eine Option bleiben. In die gleiche Kerbe schlägt die FDP: „Die Weiterentwicklung des Areals muss trotz der Absage weiter voranschreiten.“

++ Der Artikel wurde aktualisiert um 20.15 Uhr. ++

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