Sparkassen-Areal am Brill

Tauziehen um die vier Türme

Während die Stadt über den Libeskind-Entwurf für das Sparkassen-Areal am Brill verhandelt, haben die Bremer Architekten ein klares Nein formuliert.
16.06.2019, 20:00
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Tauziehen um die vier Türme
Von Jürgen Hinrichs

Bei den Plänen für den Bau von vier Türmen auf dem Sparkassengelände am Brill hat es nach zwei Monaten Stillstand wieder etwas Bewegung gegeben. Die Vertreter des Investors trafen sich jetzt mit hochrangigen Abgesandten aus dem Bau- und dem Wirtschaftsressort, um das weitere Vorgehen zu beraten. „Es geht dabei insbesondere um die Frage, wie verbindlich das Ergebnis des städtebaulichen Wettbewerbs ist, den wir vor anderthalb Jahren für das Areal veranstaltet haben“, erklärt Jens Tittmann, Sprecher der Baubehörde, auf Anfrage des WESER-KURIER.

Damals war mit einer Bruttogeschossfläche von maximal 40 000 Quadratmetern geplant worden. Mittlerweile ruft der Investor fast das Doppelte auf und lässt auch in anderer Hinsicht den Wettbewerb außer acht. Planen soll nicht der Gewinner, das Architekturbüro Robertneun aus Berlin, sondern der US-amerikanische Star-Architekt Daniel Libeskind.

Investoren sind zwei Brüder aus Israel

Der Entwurf von Libeskind enthält Häuser, die wie Orgelpfeifen aufgestellt sind. Die Höhen reichen bis zu 98 Meter, ein Maß, das in der Innenstadt bisher nur vom Dom erreicht wird. Landesdenkmalpfleger Georg Skalecki, ein entschiedener Gegner der Pläne, spricht von „Horizontverschmutzung“. Nach Weisung der Kulturbehörde, der Skalecki untersteht, muss er solche Äußerungen künftig unterlassen.

Die Investoren auf dem Sparkassengelände sind zwei Brüder aus Israel. Pinchas und Samuel Schapira hatten angekündigt, sofort nach der Übernahme des 11 000 Quadratmeter großen Grundstücks mit Abriss und Neubau zu beginnen. Stehen bleiben soll lediglich das historische und denkmalgeschützte Sparkassengebäude mit der imposanten Kassenhalle.

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Der deutsche Projektentwickler, den die Schapiras beauftragt haben, möchte vom Bremer Senat am liebsten noch in diesem Jahr eine Grundsatzentscheidung, ob die vier Türme nun gebaut werden dürfen. Noch fehlen dafür allerdings die Details der Planung, es gibt bislang nur die Skizzen von Libeskind. Deshalb hat sich für das mehrere Hundert Millionen Euro teure Projekt auch noch kein Gestaltungsbeirat gebildet, wie es vorgesehen ist.

„Dafür, dass der Investor die Messlatte beim Zeitplan so hoch gehängt hat, ist der Prozess bisher ein bisschen langsam vorangekommen“, sagt Tittmann. Es sei deshalb wohltuend, dass der Termin für weitere Absprachen endlich stattgefunden habe. Die Teilnehmer hätten auch darüber gesprochen, in welcher Form die Bevölkerung in die Planung eingebunden werden könne. Der Gestaltungsbeirat allein reiche dafür nicht aus.

Eine notwendige Diskussion

Die Bremer Architektenkammer hat unterdessen ausgeschlossen, sich an solch einem Beratergremium zu beteiligen. Sie lehnt den Libeskind-Entwurf rundweg ab. „Der Ruf nach Stararchitektur hat sich leider zu oft als Ruf nach einfachen Wahrheiten herausgestellt“, schreibt Kammerpräsident Oliver Platz in seiner Stellungnahme. Besser sei es, kollektive Intelligenz zu nutzen, mit der Beteiligung der Bürger und einem weiteren Architekturwettbewerb.

„Schwierig finde ich zudem, dass die im damaligen Werkstattverfahren erarbeitete Ausnutzung des Grundstücks in dem nunmehr vorgeschlagenen Entwurf deutlich überschritten wird“, erklärt Platz. Falls es klappen sollte, der Stadt so viel Nutzfläche abzuringen, habe der Investor ein gutes Geschäft gemacht. „Wenn nicht, gibt man das Grundstück zurück, und der, der so gepokert hat, hat nichts verloren.“

Der Kammerpräsident erlebt in der Diskussion über die Libeskind-Türme nach eigener Aussage oft eine Haltung, die er mit „Mal was anderes“ beschreibt. „In meinen Ohren klingt das aber nicht nach einer Eins mit Sternchen, sondern nach einer allgemeinen Unzufriedenheit gegenüber der derzeitigen Architekturproduktion“, so Platz. Nichts Neues, meint er, die Zunft kenne das. „Wenn wir gewöhnlich bauen, sind wir zu langweilig. Wenn wir außergewöhnlich bauen, sind wir zu exaltiert.“ Eine Diskussion, die notwendig sei und seine Kollegen immer wieder antreibe, Qualität zu liefern.

Die Sparkasse wird ihr Gelände am Brill im Oktober kommenden Jahres räumen und in den neuen Hauptsitz der Bank an der Universität umziehen. Bis dahin müsste nach den Vorstellungen des Investors von der Bürgerschaft ein neuer Bebauungsplan verabschiedet und der Bauantrag genehmigt worden sein. So oder so sind die Schapiras aber auf der sicheren Seite, wie Oliver Platz richtig annimmt. Die Sparkasse hat den beiden Brüdern bis Ende 2020 das Recht eingeräumt, vom Kauf zurückzutreten.

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