Sicher schwimmen Tipps, um Badeunfälle von Kindern zu vermeiden

Kinder im Wasser nicht aus den Augen lassen, im Ernstfall sofort den Notruf wählen: Was Eltern und Unbeteiligte tun können, um Badeunfälle von Kindern möglichst zu vermeiden.
04.08.2018, 07:30
Lesedauer: 3 Min
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Tipps, um Badeunfälle von Kindern zu vermeiden
Von Sara Sundermann

Mehrmals sind in den vergangenen Wochen Kinder und Jugendliche in Bremen ertrunken: Ein fünfjähriger Junge starb im Freibad Blumenthal, zwei 15- und 16-jährige Mädchen gingen im Huchtinger Sodenmattsee unter, eine von ihnen starb. Am Donnerstagnachmittag ertrank ein Vierjähriger beim Badestrand in der Weser beim Café Sand. Er wurde von Tauchern aus dem Wasser geborgen, konnte aber nicht mehr wiederbelebt werden.

Wie kann man Badeunfälle vermeiden?

Bewährt haben sich die Baderegeln, sagt Martin Reincke, Präsident des Bremer DLRG-Landesverbands: "Ganz vorne steht – mache dich mit der Stelle vertraut, wo du baden gehst, das gilt für Erwachsene ebenso wie für Kinder." Reincke stellt klar: "Eltern sind zuständig für die Schwimmausbildung ihrer Kinder, diese Verantwortung kann ihnen niemand auf der Welt abnehmen". Die simpelste Regel: Nichtschwimmer sollten maximal bis zum Bauchnabel ins Wasser gehen.

Ist Eltern bewusst, wie genau man am Wasser auf Kinder achten muss?

"Wir stellen in diesem Sommer fest, dass viele Eltern sich mehr um ihr Handy oder um Gespräche kümmern, als auf ihre Kinder zu achten, die sich im Wasser bewegen", sagt Reincke. "Das haben wir von Schwimmmeistern in Bädern gehört, aber auch von unseren Rettungskräften an den Stränden."

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Wie lange kann man ein Kind im Wasser aus den Augen lassen?

"Gar nicht", sagt Reincke. "Kinder ertrinken still, sie gehen einfach unter, da gibt es kein Geschrei." Der Körper konzentriere sich darauf, nicht unterzugehen und weiter zu atmen. "Schreien würde zusätzliche Energie verbrauchen, auch Erwachsene rufen meistens nicht, weil sie einfach überfordert sind."

Was können Eltern tun, damit ihr Kind lernt, sich sicher im Wasser zu bewegen?

Schwimmen lernen ist wie Laufen lernen ein Prozess. Eltern können bereits nach der Geburt mit der Wassergewöhnung anfangen. Schon ein Säugling lernt beim Planschen, wie man sich im Wasser bewegt. Die Schwimmausbildung kann mit fünf oder sechs Jahren beginnen. Dann sollten Kinder einen Kurs bei den Bremer Bädern, der DLRG oder den Bremer Schwimmvereinen belegen, sagt Reincke.

Ab wann darf ein Kind in ein Gewässer, in dem es nicht mehr stehen kann?

Dann, wenn es ein sicherer Schwimmer ist, also wenn es das Jugendschwimmabzeichen Bronze hat. Dann kann es 200 Meter ohne Pause schwimmen. "Seepferdchen reicht nicht, das ist kein sicheres Schwimmabzeichen, es soll eher zur Motivation dienen", sagt Reincke. Auch Schwimmflügel sind keine Garantie, dass nichts passieren kann, warnt die DLRG. Selbst mit Schwimmflügeln kann ein Kind untergehen, wenn die Körperspannung in den Armen nachlässt.

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Sollte man tiefes Wasser meiden, wenn man mit einem Kleinkind baden geht?

Wer mit einem kleinen Kind unterwegs ist, sollte sich ausschließlich bei den ausgewiesenen Nichtschwimmerbereichen aufhalten. Eltern sollten auch Kinder, die schon das Bronze-Abzeichen haben, im Auge behalten. "In diesem Alter kann man Gefahren noch nicht einschätzen", sagt Reincke.

Was kann ich tun, wenn ich beobachte, dass ein Kind, das eben noch im Wasser zu sehen war, plötzlich verschwunden ist?

Auf jeden Fall sollte man sofort den Notruf 112 wählen. "Wenn man selber nicht retten kann, sollte man sich den Punkt gut merken, wo man die Person zuletzt gesehen hat, um die Stelle den Rettungskräften zu zeigen", sagt Reincke. Der nächste Schritt ist, andere Badegäste anzusprechen und um Hilfe zu bitten. Oberste Priorität hat: Wer nicht gut schwimmen kann, sollte sich nicht in Gefahr bringen und nicht hinterherspringen. "Wir erleben immer wieder, dass auch die Retter gerettet werden müssen", so Reincke.

Reichen die Schwimmbäder in Bremen aus, damit alle Kinder schwimmen lernen?

"Wir reden permanent davon, dass Bremen wachsen soll, neue Stadtteile und Wohngebiete gerade für junge Familien entstehen. Für die gibt es kein Schwimmangebot. Zur Stadtentwicklung muss auch eine Sportstättenentwicklung gehören", sagt Reincke. "Wenn alle geplanten Neubaugebiete kommen, werden wir auch mehr Schwimmbäder brauchen."

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Ist es richtig, dass der Weserstrand am Café Sand zum Baden auf eigene Gefahr frei gegeben ist ?

Man geht grundsätzlich überall auf eigene Gefahr baden, auch in den Bremer Badeseen. An den Seen gibt es oft DLRG-Stationen, die allerdings nicht permanent besetzt sind. Derzeit gibt es kein Badeverbot für die Weser, außer im Gebiet von Hafenbecken. Man sollte aber bedenken: "Der Tidenhub in der Weser ist groß, wenn zum Beispiel beim Café Sand das Wasser abläuft, gibt es dort einen richtigen Sog", sagt Martin Reincke. "Kinder sollten an dieser Stelle meiner Auffassung nach gar nicht ins Wasser gehen."

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