Vandalismus in den Bremer Wallanlagen

Wenn E-Scooter im Wasser landen

In den Wallanlagen hat tagelang ein E-Scooter gelegen. Welche Gefahr geht von den Geräten für die Umwelt aus? Und wer ist haftbar zu machen? Das sagen Rollerverleiher und Behörde.
04.02.2020, 03:49
Lesedauer: 3 Min
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Wenn E-Scooter im Wasser landen
Von Pascal Faltermann
Wenn E-Scooter im Wasser landen

Verkehrsvandalismus in Bremen: Mehrere Tage lag dieser E-Scooter im Wasser des Grabens in den Wallanlagen.

Koch

Tagelang hat er dort gelegen. Im Graben der Bremer Wallanlagen an der Ecke Bürgermeister-Smidt-Straße zur Straße am Wall umspülte das Wasser einen E-Scooter. Die rote Farbe deutete auf ein Fahrzeug des Verleihers Voi hin. Neben alten Fahrrädern, Flaschen oder Handys müssen neuerdings also auch elektrischen Roller aus Gewässern gefischt werden.

„Wir verurteilen solches Verhalten aufs Schärfste, in puncto Vandalismus verfolgen wir eine Null-Toleranz-Politik und gehen allen Fällen gesondert nach“, sagt Claus Unterkircher, der als General Manager Germany das Deutschland-Geschäft des E-Scooter-Anbieters Voi verantwortet. Dem schließt sich Umweltbehördensprecher Jens Tittmann an. Denn klar sei, dass solche Fälle Umwelt und Natur verunreinigten.

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Doch warum wurde der Roller nicht sofort entfernt? Welche Gefahr geht von den Geräten für die Umwelt aus? Und wer ist haftbar zu machen? „Es muss uns mitgeteilt werden, wenn E-Scooter im Wasser liegen“, sagt Tittmann. Er stellt klar, dass falsch abgestellte oder im Graben liegende Fahrzeuge den Verleihern – über die App oder Internetseite – gemeldet werden sollten.

Dann müssen sie nach den Vorschriften innerhalb von 24 Stunden beseitigt werden. Darauf verwiesen auch die beiden in Bremen operierenden Verleiher Voi und Tier. Zudem gebe es die Telefonnummer der Stadtreinigung (361 36 11), die Fragen zur Abfallentsorgung beantworte.

Dem konkreten Fall mit dem E-Scooter im Graben der Wallanlagen wolle man „nochmal besonders nachgehen“, sagt Voi-Manager Unterkircher. Im Falle von Vandalismus hafte der Verursacher, auch wenn er oder sie selber nicht mit dem Roller gefahren sei, erklärt Unterkircher. Wenn einer der Voi-E-Scooter im Wasser lande, kümmere sich ein lokales Einsatzteams darum.

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„In den meisten Fällen können die Geräte weiterhin geortet und so von uns lokalisiert werden“, so Unterkircher. Zusätzlich werde das Unternehmen dank einer „sehr gut laufenden Kooperation mit dem Bremer Ordnungsamt“ über alle weiteren Fälle umgehend in Kenntnis gesetzt. „So können wir im Ernstfall immer sofort reagieren“, sagt der Manager. Soweit die Theorie. Dazu, ob eine Gefahr von den Batterien oder der Technik für die Umwelt ausgeht, sagt der Voi-Chef: „Die Batterien sind fest im E-Scooter verbaut, sodass kein Wasser eindringen kann.“ Auch von den anderen Bauteilen der sogenannten „Voiager 2“ gehe keine Gefahr für die Umwelt aus.

Ähnlich schätzt es die Bremer Umweltbehörde ein. Die Akkus müssen gasdicht versiegelt sein, teilt Tittmann mit. Da keine Säure wie bei Autobatterien zum Einsatz komme, stellen sie auch keine direkte Umweltgefahr dar. Gefährlicher sei es, wenn die Akkus mechanisch zerstört werden. Dann könne es zu einem Brand kommen. Es bleibt also das „reine Ärgernis Vandalismus beziehungsweise Müllablagerung“, so Tittmann. Aber das gelte genauso für Räder oder anderen Müll, den diverse Zeitgenossen im Wallgraben hinterlassen. Neben dem Scooter lag zudem ein Leihfahrrad in den Wallanlagen.

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"Durch Diebstahlsicherungen und Parkverbotszonen an Brücken konnten wir Vandalismus-Probleme so eindämmen, dass es nur in Einzelfällen dazu kommt, dass Scooter beispielsweise in Flüsse geworfen werden“, sagt David Krebs, Unternehmenssprecher des Verleihers Tier. Auch er verweist auf die Robustheit der Batterien, die durch Test verifiziert worden seien. Wie viele Scooter bereits abhanden gekommen sind, dazu machen die Verleiher keine Angaben.

Ein Problem für die Polizei waren am Wochenende alkoholisierte E-Scooter-Fahrer. In der Innenstadt stellten die Polizisten mehrere Alkoholverstöße fest: Ein 19-Jähriger leistete laut der Behörde in der Nacht zu Sonnabend bei einer Kontrolle erheblichen Widerstand, ein Test ergab einen Wert von knapp mehr als 0,5 Promille. Die Einsatzkräfte registrierten zudem fünf weitere Fahrer, die unter Alkohol- und Drogeneinfluss auf E-Scootern unterwegs waren. Einer mit mehr als 2,4 Promille. Die Beamten weisen darauf hin, dass auch für E-Scooter die 0,5-Promille-Grenze gilt. Allerdings mache man sich ab 0,3 Promille strafbar, wenn man nicht mehr in der Lage ist, sicher am Straßenverkehr teilzunehmen.

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