Personelle Engpässe durch Corona-Impfungen

Bremer Schulen beklagen Lehrer-Ausfälle

Zwar läuft es an den Schulen in Schwachhausen seit dem 1. März ein wenig besser, gut sei es aber noch nicht. Das machten Vertreter der Schulen im Bildungsausschuss des Beirats Schwachhausen deutlich.
22.03.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Maren Brandstätter
Bremer Schulen beklagen Lehrer-Ausfälle

Auch an den Schulen in Schwachhausen gibt es wieder Präsenzunterricht. Problemfrei ist die Lage aber noch nicht.

Frank Rumpenhorst / dpa

Es läuft nicht gut, aber zumindest besser als vor dem 1. März. Diese Feststellung einte die Schwachhauser Schulleitungen, als sie dem Bildungsausschuss des Beirats am vergangenen Mittwoch über die aktuelle Situation an ihren Schulen berichteten.

An der Grundschule Carl-Schurz-Straße gehört das Piepen der Kurzzeit-Wecker für die Schüler inzwischen zum normalen Schulalltag, berichtete Leiterin Karin Drangmeister. Das Piepen signalisiert, wann es Zeit ist, die Fenster zu öffnen und wieder zu schließen. „Das läuft völlig problemlos“, erzählte sie. Im Gegensatz zur Betreuung, denn an der Schule fielen derzeit regelmäßig Teile des Kollegiums infolge von Impfnebenwirkungen aus. „Bis jetzt hat es immer noch irgendwie geklappt, aber wir kommen an unsere Grenzen“, betonte Drangmeister. Aus Sicht der Kinder sei die Rückkehr zum Präsenzunterricht in voller Klassenstärke aber in jedem Fall der richtige Schritt gewesen. „Sie genießen es sichtlich, wieder im gewohnten Klassenverband arbeiten zu können“, sagte die Schulleiterin.

Von personellen Engpässen durch die Corona-Impfungen berichtete auch Sandra Fecht. Es hätten aus diesem Grund auch schon Klassen zu Hause bleiben müssen – allerdings mit der Option einer Notbetreuung, sagte die Leiterin der Grundschule Freiligrathstraße. Als problematisch erachte sie zudem die angebotenen Schnelltests für Kinder an den Schulen. Die Schüler seien bei den Tests auf die Hilfe der Lehrer angewiesen, was das Prozedere sehr aufwendig mache, erzählte sie. Auch Lars Beulke berichtete, dass die Tests mit den Kindern zulasten der Unterrichtszeit gingen. Ansonsten laufe der Betrieb an der Grundschule am Baumschulenweg seit dem 1. März wieder etwas entspannter als zuvor, sagte der Schulleiter. Das liege vor allem am Ganztagsbetrieb der Schule, der auch in Zeiten von Halbgruppenunterricht bedeutet habe, dass weiterhin alle Kinder ein Anrecht auf Betreuung hatten – und das habe sich in der Praxis als große Herausforderung dargestellt.

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Personelle Engpässe infolge von Impfnebenwirkungen verzeichnen die weiterführenden Schulen im Stadtteil nicht. Denn anders als Kita- und Grundschulpersonal gehören pädagogische Mitarbeiter der Sekundarstufen I und II nicht zur höhergestuften Priorisierungsgruppe und werden somit noch nicht geimpft. Ein Zustand, der dringend geändert werden müsste, befand der überwiegende Teil des Bildungsausschusses im Anschluss an die Berichte aus den Gymnasien und der Oberschule – mit Ausnahme von Wolfgang Schober (Linke), der einem entsprechenden Antrag an die Bildungssenatorin nicht zustimmte, da dieser seiner Meinung nach zur Benachteiligung von Senioren führen würde. Da von Schwachhauser Ausschüssen gefasste Beschlüsse laut Geschäftsordnung nur dann als Beiratsbeschlüsse gelten, wenn sie einstimmig gefasst werden, wurde der Antrag somit abgelehnt. Ebenso wie die übrigen Fraktionen zeigte Sibylle Müller, Leiterin des Hermann-Böse-Gymnasiums, gegenüber Schobers Argumentation kein Verständnis. Wenn Schüler wieder unterrichtet werden sollen, erwarte sie, dass das Lehrpersonal bestmöglich geschützt werde.

Obwohl Lehrer von weiterführenden Schulen bislang nicht geimpft werden, gibt es hier ebenfalls personelle Engpässe. Ursache dafür sei die Notbetreuung für die Klassen 5 und 6, die an den Schulen angeboten werden müsse, berichteten die Schulleitungen. Zwar sei ihnen dafür zusätzliches Personal zugesagt worden, das allerdings sei bislang noch nicht vor Ort angekommen.

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„Im Moment hangeln wir uns noch durch, aber wenn der Bedarf an Notbetreuung wächst, müssten wir wohl oder übel an der Stundentafel kürzen“, erklärte Nicola Roggendorf, Leiterin der Oberschule am Barkhof. Axel Herzig berichtete vom Kippenberg-Gymnasium, dass die Notbetreuung hier derzeit rund 25 Stunden pro Woche in Anspruch nehme, für die es bislang keine Unterstützung von außen gebe. Ebenso wie seine Kolleginnen erachtete der Schulleiter die Belastung für das Kollegium insgesamt als enorm hoch, wenngleich die Rückkehr zur Schulpflicht zumindest etwas Entspannung in die Organisation gebracht habe.

Aktuell wird in den weiterführenden Schulen verpflichtender Wechselunterricht angeboten. Ein zentraler Wunsch der Schulleitungen ist es, dass die Behörde ihnen künftig längerfristige Planungen ermöglicht. Der Ausschuss unterstützte dieses Ansinnen durch einen – diesmal einstimmigen – Beschluss. Dieser umfasste außerdem eine ausreichende digitale Ausstattung aller Schwachhauser Schulen. Denn auch in diesem Punkt hapert es offenbar noch an mehreren Stellen. So berichtete Birgit Wiechmann-Doil, Leiterin der Georg-Droste-Schule für Kinder mit Sehbehinderung, dass die Schule zwar mit Tablets ausgestattet, die Lernplattform Itslearning aber nicht barrierefrei zu nutzen sei. Da zudem das Spracherkennungssystem Siri gesperrt sei, seien die Tablets bislang nur eine begrenzte Hilfe für ihre Schüler. Auch die übrigen Schulleitungen berichteten von Tafeln oder Access-Points, die noch nicht geliefert seien – oder sich aufgrund leerer Lagerbestände zurzeit gar nicht erst bestellen ließen.

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