Bauwirtschaft Sorgen auf Nordbremer Baustellen

Urlaubszeit, kurzfristige Ausfälle von Handwerkern aufgrund von Corona, Engpässe bei der Lieferung benötigter Materialien – die Baubranche hat auch im Bremer Norden zu kämpfen. Wo es hakt...
10.08.2022, 18:00
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Sorgen auf Nordbremer Baustellen
Von Patricia Brandt

Materialmangel behindert zahlreiche Bauvorhaben oder legt schlimmstenfalls die Baustelle lahm. Im Gymnasium Horn zum Beispiel sollte der erweiterte W+E-Bereich zum Ende der Sommerferien fertig sein. Das klappt aber nicht: Die neuen Türen können frühestens im Herbst geliefert werden. Die größten Sorgen auf öffentlichen und privaten Baustellen im Bremer Norden.

Peter Schulz ist Sprecher der städtischen Liegenschaftsverwaltung Immobilien Bremen (IB). Schulz weiß, wie sehr die Baubranche derzeit unter Druck steht. „Urlaubszeit, kurzfristige Ausfälle von Handwerkern aufgrund der Corona-Pandemie, Engpässe bei der Lieferung benötigter Materialien und der allgemein zu konstatierende Mangel an Fachkräften sorgen insbesondere auf einigen größeren Baustellen, die Immobilien Bremen gegenwärtig im Bremer Norden leitet, zu Terminproblemen und Verzögerungen im Bauablauf.“ Peter Schulz redet Klartext: „Dadurch kann die vorgesehene Fertigstellung von Projekten gefährdet werden.“

Not-Dach für Schulneubau an Wigmodistraße

Acht bis neun Monate wird sich nach einem Großbrand im Juli die Fertigstellung des Neubaus der Wigmodischule hinziehen. Davon geht die Bildungsbehörde aus. „Wie sich der Materialmangel dann noch auswirkt, können wir noch gar nicht abschätzen“, sagt Ressortsprecherin Maike Wiedwald.

Während die Polizei wegen fahrlässiger Brandstiftung gegen einen Handwerksbetrieb ermittelt, laufen Aufräumarbeiten auf der Baustelle. „Der Dachstuhl muss komplett abgetragen werden“, berichtet Immobilien-Bremen-Sprecher Peter Schulz. Ein Not-Dach soll jetzt ausgeschrieben werden. In den Geschossen darunter müssen Bauelemente wie angekokeltes oder durchnässtes Dämmmaterial ausgewechselt werden. Der gesamte Schadensumfang ist auch einen guten Monat nach dem Brand offen.

Grundschule Alt-Aumund ohne Handwerker

Die Grundschule Alt Aumund an der Straße Ritterkamp sollte in den Sommerferien um neue Klassenzimmer sowie um eine Mensa erweitert werden. Doch einige Firmen könnten mangels Personal nur sporadisch die Arbeit aufnehmen, berichtet IB-Sprecher Peter Schulz. Nun versucht die IB-Projektleitung, durch eigene Präsenz und durch die Auftragsvergabe an weitere Firmen zum Schuljahresbeginn fertig zu werden. Schulz: „Im Moment sieht es hinsichtlich der termingerechten Fertigstellung gut aus. Die Luft-Wasser-Wärmepumpanlage wird allerdings erst Anfang des kommenden Jahres geliefert, was eine Interimsbeheizung erforderlich macht." Auch die geplante Fotovoltaik-Anlage werde erst Anfang 2023 installiert werden können, da derzeit keine Module verfügbar sind.

Kaum Angebote für Turnhallensanierung Fährer Flur

Schwierig gestaltet sich nach Angaben von Immobilien Bremen aktuell die energetische Gesamtsanierung der unter Denkmalschutz stehenden Turnhalle, die den Bildungscampus Fährer Flur komplettieren soll. 1,2 Millionen Euro hält das Gebäudesanierungsprogramm Bremen dafür bereit. Geplant ist unter anderem, dass die Fenster und Böden der 1930 gebauten Turnhalle erneuert werden. Zwar konnten die im Gebäude vorhandenen Schadstoffe bis auf die Dacheindeckung schon zu einem großen Teil entfernt werden. „Doch auf die Ausschreibungen für die weiteren Arbeiten gingen kaum Angebote ein." Mit Verzögerungen im Bauverlauf müsse gerechnet werden. 

Engpässe beim Kinder- und Familienzentrum Burgdamm

Deutliche Rückstände weist bereits der Bau des künftigen Kinder- und Familienzentrums (Kufz) Burgdamm auf, der auf dem Areal der 160 Jahre alten Dorfschule entstehen soll. Hier konnte die Entkernung des Altgebäudes aufgrund der zunächst vergeblichen Suche nach einem Abbruchunternehmen erst verspätet beginnen, berichtet Peter Schulz. Aktuell treten Lieferengpässe bei benötigten Materialien auf. Schon jetzt sei absehbar, dass erst im kommenden Sommer mit der Eröffnung gerechnet werden kann.

Lieferverzug im neuen Aumunder Wohnkomplex  

Vom Materialmangel betroffen ist auch das Vegesacker Bauunternehmen M-Projekt. „Nicht bei allen Baustellen, aber bei einigen“, so Gesellschafter Olaf Mosel. Architekt Philipp Romeiser erläutert, dass der Mangel bisher nicht zum Baustopp führte. „Er führt nur dazu, dass wir überlegen müssen, wie wir um den Mangel herumbauen, um einen Stillstand zu verhindern.“ Er nennt das Beispiel „Aumund Central“. In dem Komplex am Edeka-Markt sollen später 35 Wohnungen bezogen werden können. Zurzeit fehlt es jedoch an sogenannten Wärme-Übergangsstationen, die die zentrale Wärmeversorgung umleiten. „Wir haben einen Lieferverzug von einem halben Jahr, was uns möglicherweise bei der Fertigstellung wehtut.“ 

Koordinierungszeit bei Blumenthaler Geschäftshaus gestiegen 

Wenn er früher Kalksandsteine bestellt hätte, seien diese am Folgetag auf der Baustelle gewesen. „Heute warten wir 14 Tage“, sagt der Blumenthaler Bauunternehmer Jan-Gerd Kröger. Nicht nur im Rohbau habe die Branche mit verlängerten Vorlauffristen zu kämpfen. Mangelwirtschaft herrsche auch in den Bereichen Haustechnik und Elektronik. Mit seinem Wohn- und Geschäftshaus am Blumenthaler Bahnhof sei er gut im Plan. Viele Materialien habe er eingelagert: „Ein Bau dauert von der Stundenzahl her heute genauso lange wie vorher. Aber es braucht einen längeren Vorlauf und mehr Koordinierungszeit.“

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