Streit um geplantes Hochhaus in Vegesack Senator Lohse rüffelt Denkmalpfleger

Landesdenkmalpfleger Georg Skalecki sagt, dass seine Behörde bei den Planungen für ein Hochhaus am Vegesacker Hafen nicht ausreichend eingebunden wird. Dem Bausenator gefällt die Kritik nicht.
01.07.2019, 18:02
Lesedauer: 3 Min
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Senator Lohse rüffelt Denkmalpfleger
Von Michael Brandt

Der Streit um das geplante Hochhaus am Vegesacker Hafen hat inzwischen den Senat und auch das Rathaus erreicht. Es geht im Kern um die Frage, ob der Denkmalschutz übergangen wurde. Der scheidende Bausenator Joachim Lohse (Grüne) hat einen erbosten Brief an Kultur-Staatsrätin Carmen Emigholz und den Bürgermeister verfasst, in dem er Landesdenkmalpfleger Georg Skalecki zur Räson ruft. Skalecki fühlt sich und seine Behörde bei den Planungen nicht ausreichend berücksichtigt – und hat das öffentlich auch deutlich formuliert. Lohse fühlt sich angegriffen.

Elf? Neun? Oder am Ende doch nur sieben Stockwerke? Um diese Frage geht es am Hafen. Zwischen dem historischen Speicher und dem „Schulschiff Deutschland“ plant der Investor des neuen Quartiers am Hafen ein einzelnes Hochhaus. Das Gebäude war zunächst mit einer maximalen Höhe von elf Geschossen geplant, Anfang Mai dieses Jahres hat die Baudeputation mit Mehrheit neun Geschossen als akzeptabel zugestimmt. In der Diskussion wurde jetzt deutlich, dass die Anlieger aber an einer weiteren Reduzierung festhalten.

Das Landesamt für Denkmalpflege hat im laufenden Verfahren bereits eine schriftliche Stellungnahme abgegeben, die den offiziellen Unterlagen beigefügt ist. Darin wird der Bebauungsplan abgelehnt. Es heißt: „Somit könnte in direkter Nachbarschaft zu den Denkmälern und am Ende der wichtigsten Sichtachse zwischen Alt-Vegesack, Hafenbrücke, Alter Speicher ein Hochhaus entstehen, dass so bereits zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Erscheinungsbildes des Denkmals führen würde.“ Das Landesamt könne dem nicht zustimmen.

Skalecki hat vor wenigen Tagen zudem an einer Diskussionsrunde im Geschichtenhaus teilgenommen. Vor rund 80 Gästen wurde über den Entwurf für das neue Quartier am Hafen und vor allem auch über das Hochhaus gesprochen. Skalecki hatte mit deutlichen Worten die mangelnde Beteiligung seiner Behörde an Bebauungsplanverfahren kritisiert und betont: „Einiges im Verfahren ist nicht sauber, aber das ist bei Städteplanungen in Bremen üblich.“

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Genau daran stößt sich nun Bausenator Joachim Lohse wenige Tage vor seinem Ausscheiden aus dem Amt. Er empfinde die Aussagen Skaleckis als „persönlichen Affront“, heißt es in dem zweieinhalb Seiten langen Brief. Es sei Lohse in seiner achtjährigen Amtszeit ein besonderes Anliegen gewesen, „die anstehenden Planungsprozesse in ordentlich strukturierten, transparenten und entsprechend legitimierten Verfahren, die über jeden Verdacht erhaben sind, korrekt durchzuführen.“ Die Aussagen bedeuten für ihn deshalb einen „persönlichen Affront“. Der öffentliche Angriff sei geeignet, den Senat und die parlamentarischen Gremien in Misskredit zu bringen.

Georg Skalecki kommentiert den Brief aus dem Bauressort auf Nachfrage nicht. Er bleibt aber bei seiner inhaltlichen Kritik, dass seine Fachbehörde nicht ausreichend in die Planungen eingebunden worden sei. Zum einen verweist er darauf, dass die ursprüngliche Auslobung für die neuen Pläne anstelle des Haven Höövts maximal fünf Geschosse vorgesehen hätten. Deshalb seien Hochhaus-Pläne nicht abzusehen gewesen. Zum anderen handele es sich beim „Schulschiff Deutschland“ und dem Alten Speicher um „hochbedeutende“ Denkmäler. Daraus lässt sich aus Skaleckis Sicht die Forderung ableisten, dass das Landesamt stimmberechtigt am Entwurfswettbewerb beteiligt wird – das aber sei nicht der Fall gewesen. Das Landesamt sei weder zur entscheidenden Beiratssitzung, noch zu Verhandlungs- oder Kompromissgesprächen mit dem Investor eingeladen worden. Er stehe unverändert zu Kompromissgesprächen bereit. Wichtig ist Skalecki dabei vor allem, dass die Sichtachsen erhalten bleiben. Spaziergängern muss also der Blick auf das „Schulschiff Deutschland“ und Speicher möglich sein. Deshalb sagt er, dass man sich eben bei der Suche nach einem Kompromiss nicht allein über Gebäudehöhen, sondern auch über Baufelder unterhalten müsse.

An diesem Dienstag, 2. Juli, wird weiter diskutiert, im Vegesacker Geschichtenhaus, Zum Alten Speicher 5A. Interessierte haben ab 18.30 Uhr die Gelegenheit, sich die Pläne anzusehen. Ab 19 Uhr beginnt dann die Gesprächsrunde, zu der Thomas Pörschke in seiner Funktion als grüner Politiker eingeladen hat. Dabei sind Investor Max Zeitz, Architekt Jan Wirth, Landesdenkmalpfleger Georg Skalecki und Tim Beerens, Geschäftsführer der Architektenkammer Bremen. Als Vertreter des Bauamts Bremen-Nord sind Leiter Maximilian Donaubauer und Stadtplanerin Linda Velte dabei.

Der Bebauungsplan für das Quartier am Hafen liegt noch wenige Tage öffentlich aus. Heißt: Bürger können das Werk einsehen und Eingaben machen, auch per E-Mail. Derweil geht die Umgestaltung in einem unstrittigen Bereich weiter: Das Kontor-Gebäude, in dem unter anderem ein Supermarkt und ein Anbieter von Unterhaltungselektronik als Ankermieter untergebracht werden, soll im September in Betrieb gehen. Im nächsten Schritt steht dann der Abriss des vorderen Bereichs an.

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