Hotelbetrieb Die Probleme der Strandlust

Mit sechs Mitarbeitern hat Hotelier Michael Bungardt die Strandlust neu eröffnet. Housekeeper fand er nicht in Bremen. Welche Probleme der Schwabe in Vegesack gemeistert hat und welche er meistern will.
19.09.2022, 15:30
Lesedauer: 4 Min
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Die Probleme der Strandlust
Von Patricia Brandt
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Als Strandlust-Betreiber Michael Bungardt aus Baden-Württemberg den Besuchern des Biergartens beim Festival Maritim drei Euro als Sitzgebühr abknöpfen wollte, staunten die Vegesacker nicht schlecht – und beschwerten sich. Rund ein Vierteljahr hat die Strandlust geöffnet. Welche Anfangsschwierigkeiten gab es bei der Wiedereröffnung und wie geht es weiter mit dem Traditionshaus? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Wie zufrieden ist der Betreiber?

„Es gab Anlaufschwierigkeiten bei der Strandlust“, räumt Hotelier Michael Bungardt ein. Doch inzwischen seien diese gemeistert. „Jetzt werden die Anfragen immer mehr und es gibt einen guten Austausch mit den beiden Werften. Über Vorbuchungen im September und Oktober können wir uns nicht beschweren.“ 

Zu den Anlaufschwierigkeiten gehörten Personalprobleme. „Es gab grundsätzlich Probleme mit dem Personal. Als wir vor der Eröffnung auf verschiedenen Kanälen Mitarbeiter beworben haben, kamen 38 Zusagen. Am Eröffnungstag kamen von den 38 Mitarbeitern nur noch acht. Von den acht sind am dritten Tag nur noch sechs übrig gewesen. Mit sechs Mitarbeitern etwas aufzubauen ist schwierig.“ Nun hat der Schwabe nach eigenen Worten das Personalproblem gelöst, und Housekeeper aus Polen über eine Agentur gefunden. 

Warum hat der Biergarten geschlossen?

Der Strandlust-Biergarten direkt an der Weser war einst ein beliebtes Ausflugsziel. Nach dem Betreiberwechsel blieb das Gartenlokal jedoch dicht. „Das ist auch etwas, das mich anfuchst, dass wir es nicht hinbekommen haben, den Biergarten aufzumachen“, sagt Hotelier Michael Bungardt. Nur beim Festival Maritim im August gab es eine Ausnahme: „Bei der Eröffnungsfeier des Festival Maritim haben wir den Biergarten aufgemacht. Für mich war es ein Unding, dass die Leute sich Essen irgendwo holen und sich dann in unseren Biergarten setzen und keiner bei uns was verzehrt. Bei aller Liebe, da bin ich Schwabe. Es hat keine fünf Minuten gedauert, bis sich die erste Person beschwert hat, dass ich Eintritt verlange. Wir haben den Eintritt dann weggelassen.“

Wie läuft die Strandlust-Gastronomie?

„Hier ist es ganz ruhig“, bedauert Restaurantleiter Ahmad Haj Hussein. Dabei ständen mehrere Voll- und Teilzeitkräfte seit Juli täglich für die Vegesacker bereit: „Wir bieten Mittagessen, Kaffee und Kuchen und von 18 bis 22 Uhr Abendessen“, so der Restaurantchef. Auf der Karte steht unter anderem Kartoffelsuppe mit Speck.

Hotelbetreiber Michael Bungardt plant indes eine Neuerung beim gastronomischen Angebot. „Der jetzige Gastrobetrieb in der Strandlust wird aufhören. Die Qualität ist nicht die, die wir uns vorgestellt haben“, sagt Michael Bungardt. „Wir sind dabei, für den Gastrobetrieb eine Lösung zu suchen. Wir möchten das Ganze aufsplitten und einen Betreiber für den Biergarten finden und einen für Restauration und Veranstaltungen.“  

Wie schneidet die Strandlust beim Buchungsportal booking.com ab?

„Trotz Zimmer Wechsel unsauber und vieles kaputt oder unbrauchbar“, schreibt ein Gast auf den Internetseiten des Buchungsportals Booking.com. „Wir müssen uns nach diesen zwei Tagen erstmal erholen“, lautet der erste Teil einer anderen Bewertung. Gäste berichten von fehlendem Warmwasser, einem fehlenden Fensterflügel, fehlenden Nachttischlampen, „zu kleinen Gardinen“ und unsauberen WCs. Insgesamt erhält das Hotel mit 5,9 eine passable Bewertung.

„Die Bewertungen, die wir haben, resultieren aus einer Erwartungshaltung", meint Betreiber Michael Bungardt. "Die Erwartungshaltung orientiert sich an der Strandlust von vor zehn Jahren. Die Strandlust liegt aber heute auch preislich ganz woanders als vor Jahren. Damals lag der Preis pro Nacht bei 150 Euro, heute sind wir bei 89 Euro.“ Zudem verbinden viele Gäste Erinnerungen mit dem Haus: „Die Emotionen überrollen uns." Manche fragten, wo der Oberkellner von damals ist. Bungardt formuliert es kurz: „Jeder, der reinkommt, vergleicht.“ 

Das Hauptproblem sieht er im Alter des Gebäudes: „Die Strandlust ist eine betagte Dame. Das können wir nicht ändern, das müssen wir so hinnehmen. Wir können kein Geld in ein Haus investieren, dass in drei Jahren abgerissen wird.“

Wann schließt die Strandlust endgültig?

Das ist unklar. Geplant ist, dass das 1898 erstmals eröffnete Ausflugslokal  zugunsten von Wohnbebauung verschwindet. „Der Vertrag für die Strandlust dauert so lange, bis die Baugenehmigungen für die Wohnungen vorliegen“, erläutert der Chef der Bungardt Hospitality GmbH in Baden-Württemberg. „Mein Wunschdenken ist, dass wir die Strandlust schließen und direkt mit dem ganzen Personal rübergehen können ins Hampton. Eigentlich müsste es zeitlich überein gehen.“ Der Neubau in Vegesack ist Michael Bungardts neuestes Hilton-Projekt, zwei weitere Bauten sollen folgen. 

Wann startet der Bau des Hilton-Hotels?

„Ende des Jahres fließt der Beton“, plant Michael Bungardt. Das neue Hampton by Hilton Hotel soll gegenüber dem Eingang des Kontors zum Alten Speicher in Vegesack gebaut werden. Ursprünglich waren 141 Zimmer geplant, nun sind es 115. Die Architekten arbeiteten bereits an der Feinplanung des Innenausbaus: „Einige der 115 Zimmer werden direkten Blick auf den Vegesacker Hafen bieten.“ Derzeit ist Bungardt dabei, Angebote und Preise für die Möbel einzuholen. Er wolle nicht in die Situation von Lieferschwierigkeiten kommen. „Die Küche haben wir schon fertig geplant und beauftragt.“ Der Preis im Hampton by Hilton wird laut Bungardt pro Person und Nacht 75 Euro betragen.

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