Bauantrag ist eingereicht

So soll die neue Berufsschule an der Nordstraße aussehen

Der Bauantrag ist eingereicht: Ab Herbst will das ostwestfälische Unternehmen Goldbeck auf der Ecke Nordstraße / Überseetor einen Neubau für die Berufsschule für Groß- und Außenhandel sowie Verkehr errichten.
16.07.2020, 05:00
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So soll die neue Berufsschule an der Nordstraße aussehen
Von Anne Gerling
So soll die neue Berufsschule an der Nordstraße aussehen

So soll die neue Berufsschule für den Groß- und Außenhandel und Verkehr in der Überseestadt einmal aussehen: Der Haupteingang des geplanten Schulgebäudes (Foto) wird an der Nordstraße liegen.

Dohle + Lohse Architekten

Viele Jahre lang waren, wenn überhaupt, nur sehr schleppend Fortschritte in Sachen Schulneubau der Berufsschule für den Groß- und Außenhandel und Verkehr (BS GAV) zu beobachten – jetzt aber kommt Bewegung in die Angelegenheit: Am Dienstag ist im Bildungsausschuss der Entwurf für den Neubau der Schule an der Ecke Überseetor / Nordstraße vorgestellt worden.

Als privaten Investor für das in Form einer öffentlich-privaten Partnerschaft (PPP) geplante Vorhaben hat sich die Stadt das in Ostwestfalen beheimatete Familienunternehmen Goldbeck an die Seite geholt, das bereits mehr als 30 Schulen in ganz Deutschland gebaut hat und der Angelegenheit nun zu neuem Schwung verhilft: Am 15. November hatte das Unternehmen sein Angebot mit dem Entwurf von Architekt Hubert Dohle abgegeben und sich damit gegen drei andere Bewerber durchgesetzt.

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Am 25. Februar ist der Kooperationsvertrag unterzeichnet worden. Demnach übernimmt die Firma Bau- und Instandhaltungskosten, und die Bildungsbehörde mietet anschließend die Schule für eine Laufzeit von 25 Jahren. Am 25. Mai wurde der Bauantrag eingereicht. Ab August will Goldbeck bauen – zunächst sind Tiefbauarbeiten geplant, voraussichtlich ab März folgt der Hochbau. Pro Woche sollen dann 1000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche errichtet werden. Die Übergabe der Schule ist für den 31. Mai 2022 angesetzt, Planung und Neubau kosten knapp 32 Millionen Euro.

Fünf Geschosse plus Technik-Aufbauten, eine Parkgarage mit 80 Stellplätzen, zwei Eingänge – ein Haupteingang an der Nordstraße, ein Nebeneingang am Waller Stieg – ein großzügiges Foyer, das als Aula genutzt werden kann, offene Unterrichts- und Lernbereiche, eine Cafeteria, Dachbegrünung mit Photovoltaik sowie eine voraussichtlich rote Ziegelfassade, die gut zur Grundschule an der Nordstraße gleich gegenüber und auch zur alten Feuerwache am Holzhafen passt: So die Eckdaten des Entwurfs für den Schulneubau, der Architekt Hubert Dohle zufolge mit der Stadtplanung abgestimmt worden ist.

„Wir freuen uns und halten die Planung auch für realistisch. Wir sind eingebunden worden und haben die Dinge erreicht, die uns wichtig waren“, sagt Schulleiterin Katja Ollmann. So werde es zum Beispiel im Neubau sowohl ein Lehrerzimmer als auch Lehrer-Arbeitsräume geben; ursprünglich waren dies zwei alternative Varianten gewesen. „Ich bin überzeugt, dass es durch den Neubau einen sehr großen Schub geben wird. Diese Art Bau wird einen hohen Aufforderungscharakter haben, anders zu arbeiten“, so die Schulleiterin weiter.

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Auch von den Mitgliedern des Bildungsausschusses erntete der Entwurf Lob. Die Waller Ortspolitiker hatten viele Jahre lang für die Sanierung der 1968 an der Ellmersstraße erbauten BS GAV – eine der größten Berufsschulen in der Stadt – gekämpft. 2007 sei er gemeinsam mit anderen Beiratsmitgliedern das erste Mal dort gewesen und habe dann auch der Behörde von seinen Eindrücken berichtet, erinnert sich der frühere Waller Bildungsausschusssprecher Jupp Heseding, der sich voriges Jahr aus der Beiratsarbeit zurückgezogen hatte. Bei der Präsentation saß er nun im Publikum um mitzuverfolgen, wie sich der Kreis am Ende doch noch schließt.

Im Januar 2015 hatte eine Wirtschaftlichkeitsprüfung ergeben, dass ein Neubau günstiger wäre als eine Sanierung. Als Standort kam sodann schnell die Überseestadt ins Spiel, schließlich werden an der Schule Bremens Kaufleute und Logistiker ausgebildet. Enttäuscht zeigten sich die Waller Bildungspolitiker nun allerdings darüber, dass keine Sporthalle eingeplant wurde, wie sie mehrfach gefordert hatten. Gerade für Auszubildende in sitzenden Berufen sei der – laut Stundentafel auch an Berufsschulen vorgeschriebene – Sportunterricht wichtig, sagt Bärbel Schaudin-Fischer (Grüne).

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Eine Turnhalle habe für die Schule nicht Priorität, sagt dazu Ollmann: „Es gab bei uns noch nie Sportunterricht, und selbst wenn wir eine Halle hätten, müsste ich zunächst einmal Sportlehrer einstellen.“ Rein theoretisch könnte auch später noch eine Halle errichtet werden: Das angrenzende Grundstück ist vom Bildungsressort reserviert worden, das an einem Berufsschulkonzept arbeitet.

„Die Verkehrssituation finde ich noch nicht befriedigend“, sagt außerdem Bildungsausschusssprecherin Caren Emmenecker (Linke) mit Blick auf die an der Nordstraße geplanten Zufahrten zur Tiefgarage. Die Einfahrt soll eine eigene Rechtsabbiegerspur bekommen. Die Beiratsmitglieder befürchten in diesem Zusammenhang zu den Stoßzeiten mögliche Rückstaus bis zur Ampel zwischen Waller Ring und Waller Stieg.

Fahrzeuge, die die Tiefgarage verlassen, müssten sich wiederum direkt in den fließenden Verkehr einfädeln. Das könnte nach Ansicht von Zuhörer Günther Schminke ein Problem sein, schließlich sind auf den zwei Spuren in Richtung Innenstadt und B6 / B75 häufig auch größere Fahrzeuge mit hohem Tempo unterwegs – hier wäre somit möglicherweise eine Einfädelspur sinnvoll. Die Ortspolitiker fürchten außerdem, dass 80 Stellplätze kaum ausreichen. An der Ellmersstraße gibt es aktuell 100 Parkplätze – und die Nachbarstraßen sind trotzdem täglich zugeparkt.

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