Lürssen-Werft Transfer einer Luxusjacht - die "Opera" erreicht Bremen

Ein riesiges Schwimmdock der Lürssen-Werft hat am Sonntag im Neustädter Hafen Station bezogen - mit einer Luxusjacht. Zum erwarteten Ausdocken versammelten sich am Lankenauer Höft einige Interessierte.
18.09.2022, 18:13
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Transfer einer Luxusjacht - die
Von Frank Hethey

Wer früh am Morgen am Lankenauer Höft spazieren geht, hat normalerweise seine Ruhe. Erst recht bei so ungemütlichem Wetter wie an diesem Sonntag. Ein Regenschauer nach dem anderen zieht durch, nur kurzzeitig lässt sich mal die Sonne blicken. Keine Menschenseele weit und breit, kaum Schiffsverkehr auf der Weser. Nur die Möwen kreischen, träge plätschert das Wasser vor sich hin. So kennt es der Hundehalter, der mit seinem Auto aus Rablinghausen gekommen ist. So einsam ist es fast immer, wenn er mit seinem Vierbeiner die Morgenrunde dreht. 

Doch an diesem Sonntagmorgen ist alles ein bisschen anders. Eine siebenköpfige Gruppe in Arbeitskluft hat sich eingefunden, in seinen Augen schon fast ein Massenauflauf. Eifrig fachsimpelnd schauen die Männer hinüber zum Neustädter Hafen. Dorthin, wo ein riesiges Schwimmdock mit den Ausmaßen einer Hochgarage festgemacht hat. Es ist knapp 290 Meter lang, 60 Meter breit und 54 Meter hoch. "Dock 10" steht auf der Außenseite. Dock 10 gehört zur Lürssen-Gruppe, es gilt als das größte überdachte Schwimmdock Europas.

Lesen Sie auch

Der Hundehalter stutzt, als er das Dock erblickt. "Ein Dock? Das steht doch sonst nicht da", sagt er und macht ein erstauntes Gesicht. Tatsächlich ist es erst wenige Minuten zuvor eingetroffen. Vier Schlepper haben das Schwimmdock von Berne aus weseraufwärts gezogen, gut drei Stunden hat die Passage gedauert. In Berne hat die Lürssen-Werft einen ihrer Standorte, dort werden Luxusjachten gebaut. Dem Vernehmen nach soll im Neustädter Hafen eine dieser Luxusjachten ausgedockt werden, gleich mit dem ersten Hochwasser. Nur dort soll das Wasser tief genug sein, heißt es.

Gebannt blicken die Männer in Richtung Dock. "Um 9.07 Uhr soll es so weit sein", sagt einer von ihnen. Tatsächlich scheint sich einiges zu tun: Die Tanks des Docks werden offenbar geflutet, eine Gangway per Kran eingeholt. Der Steg am Lankenauer Höft fängt an zu vibrieren. Jeden Augenblick müsste das Heck der Jacht zu sehen sein. Doch plötzlich stockt die Prozedur, das Vibrieren lässt nach. Die Anspannung weicht der Ernüchterung, mit jeder Minute verringert sich das Zeitfenster. "Vielleicht gibt es Schwierigkeiten mit den Antennen", mutmaßt einer der Männer. Beim Auftrieb könnten sich seiner Meinung nach Teile in der Dachkonstruktion des Docks verfangen haben.   

Lesen Sie auch

Das Interesse an dem ungewöhnlichen Vorgang soll überschaubar gewesen sein. "Für Seefahrer wird so was natürlich gemeldet", sagt ein Kenner der Materie. "Aber es gab nur wenig Zuschauerboote auf der Weser." Nicht in einem Boot, sondern im Auto war ein anderer Mann unterwegs. Einer, der in höchstem Maße interessiert ist und sich als Insider zu erkennen gibt, seinen Namen aber nicht in der Zeitung lesen will. Um 5.30 Uhr ist er in Vegesack aufgebrochen, immer das Schwimmdock im Visier. Nun steht er auf dem Deich am südlichen Ende des Neustädter Hafens mit der Kamera in der Hand. Zu seinem Bedauern kann man von diesem Standpunkt aber nicht ins Dock hineinblicken, der Winkel ist zu ungünstig.  

Und doch weiß dieser Mann ganz genau, welches Schiff sich in dem Dock verbirgt. "Die 'Opera'", sagt er. Der Schiffsname sei am Heck gut lesbar gewesen. "Einer der seltenen Fälle, dass Projekt- und Schiffsname identisch sind." Vom Transfer hat er eine ganze Reihe Aufnahmen gemacht, teils sogar mit einer Drohne. Auf dem Video- und Fotoportal Instagram stellt er sie dann online. Das ist sein Hobby und seine Leidenschaft, dafür steht er auch schon mal so zeitig auf wie an diesem Sonntag. Dass der Transfer zu so früher Stunde stattfindet, erklärt er sich nicht nur mit dem spärlichen Schiffsverkehr am Morgen. Lürssen agiere bei Luxusjachten gern diskret, damit entspreche man auch den Wünschen der Auftraggeber. 

Lesen Sie auch

Die "Opera" hat eine Vorgeschichte. Eine Vorgeschichte, die eng zusammenhängt mit der dreitätigen Brandkatastrophe auf der Lürssen-Werft im September 2018. Mit ihren 146 Metern kommt die neue Jacht auf die gleiche Länge wie die "Sassi", die damals in Flammen aufging. Ein Zufall ist das nicht, die Opera soll nach Informationen aus Branchenkreisen die inzwischen verschrottete Sassi ersetzen. Der Rohbau entstand bei der zu Lürssen gehörenden Werft Blohm & Voss in Hamburg. Bei einer kurzen Ausdockung im April 2021 wollen Yachtspotter gestalterische Parallelen zur Sassi entdeckt haben. Zum Beispiel die Mischung aus vertikalen und horizontalen Ovalfenstern im Rumpf.    

Hat der erste Anlauf zum Ausdocken auch nicht geklappt, bei der nächsten Flut gibt es eine neue Chance. Ist die Jacht erst einmal im Wasser, geht's zur Endausstattung nach Aumund. Wer weiß, vielleicht ist beim erfolgreichen Wassern auch der Rablinghauser Hundehalter wieder am Ort des Geschehens. "Sonst ist hier am Lankenauer Höft ja nicht so viel los", sagt er.   

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Zur Newsletter-Übersicht