Ukraine-Krieg Zahl der Geflüchteten steigt, Sozialsenatorin appelliert an Bremer

Rund 800 Geflüchtete sind mittlerweile in Bremen aus der Ukraine angekommen, viele Bürger wollen den Menschen nun helfen. Doch damit das funktioniert, appelliert die Sozialsenatorin an die Bremer.
07.03.2022, 15:05
Lesedauer: 2 Min
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Von Jean-Pierre Fellmer Ralf Michel

Seit Ausbruch der Kriegshandlungen am 24. Februar sind über 800 Menschen aus der Ukraine in Bremen registriert worden. In der Landesaufnahmebehörde in Niedersachsen waren im selben Zeitraum es rund 900 Menschen. Hinzu komme eine unbekannte Zahl an Menschen, die zunächst privat bei Verwandten und Freunden untergekommen sind und sich erst später anmelden werden. 

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Allein 200 Menschen sind laut Sozialbehörde am Wochenende von Privatpersonen zur Erstaufnahmeeinrichtung gefahren worden, ein erheblicher Teil davon auch aus dem niedersächsischen Umland. Was zu Problemen führen kann, erläutert Bremens Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne). Das Bundesministerium des Innern habe inzwischen ein Verteilsystem in Gang gesetzt, das dafür sorgen soll, dass die Kriegsvertriebenen ungefähr zu gleichen Anteilen in Städten und Gemeinden in der Bundesrepublik aufgenommen werden. Auch Bremen melde die freien Plätze an dieses  System. "Aber wenn die Busse aus Berlin ankommen sind die Plätze schon belegt durch die privaten Transfers."

Die gut gemeinte und menschlich verständliche Unterstützung durch private Transfers gefährdeten deshalb das ohnehin extrem belastetes Aufnahmesystem, betont Stahmann. "Das halten wir nicht lange durch". Ihre Bitte deshalb: "Fahren Sie nicht auf eigene Faust nach Berlin oder in die Städte an der deutsch-polnischen Grenze, um Menschen nach Bremen zu holen. Vertrauen Sie auf das bundesweit in Gang gesetzte Verteilsystem."  Niedersachsen betreibt Erstaufnahmeeinrichtungen in Bad Fallingbostel, Bramsche, Braunschweig, Friedland, Oldenburg und Osnabrück.

Die gut gemeinte und menschlich verständliche Unterstützung durch private Transfers gefährdet unser ohnehin extrem belastetes Aufnahmesystem.
Anja Stahmann, Bremer Sozialsenatorin (Grüne)

Einen dringenden Appell richtet Anja Stahmann zudem an Menschen, die den Schutz von unbegleiteten Minderjährigen zu organisieren versuchen. "Die Inobhutnahme-Einrichtungen in Bremen sind voll", sagt die Senatorin. Bremen habe schon vor der Ukraine-Krise rund dreimal so viele Minderjährige aufgenommen wie die Bundesländer im Durchschnitt. Die gesetzliche vorgeschriebene Umverteilung in andere Länder sei angesichts der Pandemie aber weitgehend ausgesetzt. "In anderen Bundesländern und Kommunen biete die Jugendhilfe daher inzwischen deutlich günstigere Bedingungen für die Aufnahme von unbegleiteten Minderjährigen", so Stahmann. "Als kleinstes Bundesland müssen wir uns bei der Aufnahme der Schutzbedürftigsten in der jetzigen Situation hinten anstellen."

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Zugleich appellierte die Sozialsenatorin an Privatpersonen, weiterhin private Zimmer anzubieten. Wobei es hierbei ausdrücklich nur um die Unterbringung geht, ergänzt ihr Sprecher Bernd Schneider. Für die Versorgung der Menschen müssen nicht die Gastgeber aufkommen. "Alle Flüchtlinge haben Anspruch auf Sozialleistungen, jeder bekommt finanzielle Unterstützung." Allerdings sollte von Anfang an eine Aufnahme für einen längeren Zeitraum in Betracht gezogen werden. Die Zahl der Kriegsflüchtlinge in Bremen würden in den kommenden Wochen weiter steigen. "Wenn dann im April oder Mai zusätzlich viele Menschen bei der Erstaufnahme vorstellig werden, die privat nur für kurze Zeit untergekommen waren, wird das natürlich ein Problem."

Wohnraumangebote nimmt die Sozialbehörde entgegen, Vermieter können Angebote aber auch an die Wohnraumberatung für Geflüchtete direkt melden, die von der AWO im Auftrag der Stadt betrieben wird (Telefon: 0421 / 96 0381 70, -71, -73, -74). Wichtige Informationen für Bremer sowie Kriegsflüchtlinge für das Ankommen in Bremen hat die Sozialbehörde auf ihrer Webseite unter www.soziales.bremen.de/ukraine in deutscher und in ukrainischer Sprache eingestellt. 

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