Entsorgung in der Hansestadt

Neue Pläne für die Tonne in Bremen

Die Bremer Stadtreinigung will die Recyclingstationen neu organisieren. An 16 Standorten soll alles moderner und nachhaltiger werden. An den Plänen gibt es aber Kritik aus den Stadtteilen.
26.11.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Neue Pläne für die Tonne in Bremen
Von Pascal Faltermann

Insgesamt zehn Millionen Euro will die Bremer Stadtreinigung (DBS) investieren, um die Entsorgung von Wertstoffen in Bremen neu auszurichten. Am Mittwochmittag stellten Umweltsenatorin Maike Schaefer (Grüne) sowie die beiden DBS-Vorständinnen Daniela Enslein und Insa Nanninga den Entwicklungsplan in einer Videokonferenz vor. Das Konzept sieht vor, dass es künftig 16 statt 15 Standorte in der Hansestadt geben soll, da die Recyclingstation Osterholz hinzukommt. Unterteilt werden die Stationen in drei Kategorien. Alles soll moderner und nachhaltiger sein, die Entsorgung schneller gehen und die Öffnungszeiten insgesamt erweitert werden. An den Plänen gibt es aber auch Kritik.

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Wie sieht das Konzept aus?

Im Detail sieht der Plan vor, dass es zwei „topmoderne Recyclingcenter“ geben soll. Ein komplett neuer Standort soll in Osterholz (An Krietes Park) entstehen. Anfang des kommenden Jahres könnte es mit dem Neubau auf 4200 Quadratmetern losgehen. Zudem soll die Station am Hulsberg (Bennigsenstraße) entsprechend aus- und umgebaut werden. „Die Standorte ermöglichen nach den entsprechenden Investitionen die Abgabe aller Abfallarten und eine ergonomische Befüllung der Container von oben“, sagt Enslein.

Die Recyclingcenter werden überdacht sowie mit einer getrennten Kunden- und Containerlogistik konzipiert. Sieben moderne Stationen sind in Blumenthal, Burglesum, Blockland, Borgfeld, Oberneuland, Hohentor und Kirchhuchting angesiedelt. Diese Standorte sollen modernisiert werden und fast alles an Abfall annehmen. An diesen neun Orten werden die Stationen an einem Werktag pro Woche von 11 bis 19 Uhr geöffnet sein, sonst 9 bis 17 Uhr. An Sonnabenden sind diese Stationen von 9 bis 14 Uhr geöffnet. Die verbleibenden sieben Standorte sollen zu Grün-Stationen entwickelt werden. Das betrifft die Standorte Huchting, Findorff, Horn, Obervieland, Hemelingen, Oslebshausen und Aumund.

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Wo gibt es Veränderungen?

Die sieben Grün-Stationen werden nicht das ganze Jahr, sondern von März bis November geöffnet. Die Ausrichtung auf Grünabfälle sei laut DBS-Vorständin Enslein nach einer Analyse der Trends von Wertstoffhöfen in den 30 größten deutschen Städten getroffen worden. Verbessert werden sollen der Service und auch die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeitenden. Durch eine optimierte Verkehrsführung soll es an den Stationen kürzere Wartezeiten und einen schnelleren Durchlauf geben. Und: Eingangskontrollen sind vorgesehen.

Was sagen die Verantwortlichen?

Am häufigsten verwendeten die beiden DBS-Vorständinnen und Senatorin Schaefer die Worte „top“, „modern“ und „grün“ bei der Vorstellung. Das Trio spricht von einer modernen Kreislauf- und Abfallwirtschaft und zahlreichen Verbesserungen.

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Warum muss etwas geändert werden?

Durch die Gründung der neuen Dachgesellschaft für Müllabfuhr und Straßenreinigung hat die Bremer Stadtreinigung im Jahr 2018 die Recyclingstationen von verschiedenen Betreibern übernommen. Dabei habe man festgestellt, dass sich die Standorte in Größe, baulichem Zustand und Entwicklungspotenzial ganz erheblich unterscheiden. „Es gab Stationen, wo wir Zustände vorgefunden haben, die so nicht tragbar waren“, sagt Senatorin Schaefer. So habe es an einigen Orten keine Toiletten oder Pausenräume für Mitarbeiter gegeben.

Wer kritisiert den Entwicklungsplan?

Unmut kommt aus den Stadtteilen. Die Beiräte aus Findorff und Walle sowie der BUND kritisieren die Pläne. Sie fordern die DBS auf, die Recyclingstation West im Stadtteil Findorff vollumfänglich und auch zu den gewohnten Öffnungszeiten wieder für die Bürger zu öffnen. Die sieben kleineren Recyclingstationen werden nach Einschätzung von Ulf Jacob aus dem Beirat Findorff durch den Entwicklungsplan deutlich eingeschränkt. „Dieses Modell kommt für diese Stationen einer Teilschließung gleich“, sagt Jacob. Sie würden drei Monate komplett geschlossen und die Öffnungszeiten von 44 auf 15 Stunden reduziert werden. „Das als geringe Einschränkung zu bezeichnen, ist nicht angemessen“, so Jacob. Verärgert zeigen sich Stadtteilpolitiker auch darüber, dass sie erst am Dienstagabend über die Pläne informiert wurden.

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Wie passiert in der Zukunft?

Weil die Recyclingstandorte durch die Abfallgebühren finanziert werden, müsse man schauen, was in Zukunft möglich sei, sagt Enslein. Der jetzige Plan gelte für die nächsten vier Jahre. „Wir werden ab 2024 erwägen, weitere Stationen zu topmodernen auszubauen“, sagt Enslein. Infos unter www.dbs.info/recycling.

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