Erst der Abschluss, dann die Krise

Corona-Pandemie sorgt für Ungewissheit bei angehenden Azubis

Wegen der Corona-Krise steigt auch die Arbeitslosigkeit in Bremen weiter. Auch auf dem Ausbildungsmarkt hinterlässt die Pandemie ihre Spuren.
02.07.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Corona-Pandemie sorgt für Ungewissheit bei angehenden Azubis
Von Stefan Lakeband
Corona-Pandemie sorgt für Ungewissheit bei angehenden Azubis

Vor allem die Gastronomie ist von der Krise betroffen. Insgesamt haben in Bremen etwa 8000 Unternehmen Kurzarbeit angemeldet.

Jens Büttner /dpa

Die Folgen der Corona-Pandemie sind eine „historische Belastung“ für den Arbeitsmarkt. Das macht Joachim Ossmann noch einmal deutlich. Und trotz der negativen Schlagzeilen aus den vergangenen Tagen sieht der Chef der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven vereinzelt positive Signale.

So ist die Zahl der Menschen ohne Arbeit zwar auch im Juni gestiegen – der Anstieg war aber weniger steil. Das war eines der Ergebnisse, die Ossmann am Mittwoch vorstellte. In Zahlen heißt das: Im Land Bremen waren im Juni 42 600 Menschen arbeitslos gemeldet; die Arbeitslosenquote stieg von 11,4 im Mai auf nun 11,6 Prozent. Im Juni 2019 lag sie noch bei zehn.

8000 Firmen melden Kurzarbeit an

Das sei alles andere als erfreulich. Ossmann sagt aber auch, dass es Orte gebe, in denen die Arbeitslosenquote zuletzt stärker gestiegen sei als in Bremen. Während in der Stadt Bremen die Zahl der Arbeitslosen um 1,9 Prozent stieg, waren es in Hamburg vier Prozent, in Berlin sogar 4,3.

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Dass in Bremen zuletzt nicht mehr Menschen als arbeitslos galten, das schreibt der Agenturchef auch der Kurzarbeit zu. Sie sei viel von den Arbeitgebern genutzt worden. Im Juni wurde von den Unternehmen Kurzarbeit für 4219 Menschen angezeigt. „Seit Beginn der Corona-Pandemie im März haben bis Ende Juni damit insgesamt 7918 Betriebe für 162 081 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Kurzarbeit bei der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven angezeigt“, sagt Ossmann.

Das entspreche etwa 44 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten. Wie viele davon tatsächlich die Kurzarbeit in Anspruch nehmen, lässt sich noch nicht sagen. Arbeitgeber müssen diese Maßnahme im Vorfeld bei der Agentur für Arbeit ankündigen und können sie erst später beantragen, wenn sie wissen, in welchem Umfang tatsächlich kurzgearbeitet werden musste.

Unklar, wie Unternehmen weiter durch die Krise kommen

Unklar ist auch, wie die Unternehmen weiter durch die Krise kommen. Der Stellenabbau bei Airbus und die Filialschließungen bei Zara und Galeria Kaufhof nennt Ossmann „besorgniserregend“. Er hofft, dass den Mitarbeitern durch eine Transfergesellschaft gezielt geholfen werden kann. „Bei Airbus sprechen wir über hoch qualifizierte Arbeitskräfte“, sagt der Agenturchef. Er geht daher davon aus, dass diese Menschen wieder gebraucht werden, wenn die Konjunktur wieder anzieht. Denn ein Teil der nun betroffenen Unternehmen sei im Grunde kerngesund – leide aber unter der konjunkturellen Eintrübung.

Einen deutlichen Rückgang sieht Ossmann auf dem Ausbildungsmarkt: So ist die Zahl der gemeldeten Lehrstellen im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent auf aktuell 4720 gesunken. Die Zahl der Bewerber ging um fünf Prozent auf 4261 zurück. Letzteres erklärt sich Ossmann durch die eingeschränkte Berufsberatung: Da Schulen geschlossen waren, habe es weniger Kontakt zu den Jugendlichen gegeben. Gleichzeitig kann sich Ossmann vorstellen, dass viele Absolventen wegen der Pandemie nicht damit rechnen, einen Ausbildungsplatz zu bekommen.

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„Auch wenn die Rahmenbedingungen schwierig sind, sollten sich Jugendliche auf keinen Fall davon abhalten lassen, sich um eine Ausbildung in diesem Jahr zu bewerben“, sagt der Agenturchef. Ihm sei es wichtig, dass die jungen Erwachsenen „ihre Karriere nicht mit Arbeitslosigkeit beginnen“. Die Unternehmen ruft er auf, auch in der Krise Lehrlinge einzustellen und nicht etwa auf die Ausbildungsprämie zu warten. Sie wurde bereits von der Bundesregierung vorgestellt und sieht eine Zahlung an Unternehmen vor, die ausbilden, muss aber noch formell verabschiedet werden.

Wenig Einschränkungen bei Ausbildung

Dass sich die Corona-Krise auch auf die aktuellen Ausbildungsjahrgänge auswirkt, zeigt eine Untersuchung der Handelskammer Bremen, die einen Teil ihrer Mitgliedsunternehmen befragt hat. Bei mehr als 70 Prozent läuft die Ausbildung demnach normal weiter. Etwas mehr als die Hälfte gab zudem an, dass sie alle fertig werdenden Lehrlinge in diesem Jahr übernehmen will. Dem gegenüber steht rund ein Viertel, das keine Azubis übernimmt, weil es keine freien Stellen zu besetzen gibt. Ein Fünftel macht seinen Lehrlingen kein Übernahmeangebot, weil es die wirtschaftlichen Entwicklungen nicht abschätzen kann.

Als positiv wertet Handelskammer-Präses Janina Marahrens-Hashagen, dass trotz der Pandemie kaum schon geschlossene Ausbildungsverträge wieder aufgelöst wurden. „Es ist ein gutes Zeichen, dass die Unternehmen trotz immenser Herausforderungen und teilweise existenzieller Sorgen auch in Zeiten der Krise an der dualen Ausbildung festhalten“, sagt sie. Sie verweist darauf, dass auch nach August eine Ausbildung begonnen werden kann. „Diese Option sollte von den Unternehmen wie auch von den Auszubildenden unbedingt genutzt werden.“

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