Gewoba-Jahresbilanz

Bauen für die Großstadt-Singles

Die Gewoba gibt mehr Geld für neue Wohnungen aus als in den Vorjahren – auch in der Innenstadt. In Zukunft sollen besonders Single-Wohnungen oder Angebote für Großfamilien entstehen.
30.04.2019, 18:23
Lesedauer: 3 Min
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Bauen für die Großstadt-Singles
Von Jonas Mielke
Bauen für die Großstadt-Singles

Die Gewoba hat ihre Gewinnerwartung übertroffen: Im Jahr 2018 erwirtschaftete das Unternehmen knapp 30 Millionen Euro Überschuss. 22 Millionen Euro werden an die Gesellschafter ausgezahlt. Davon profitiert mehrheitlich die Stadt Bremen.

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Mehr Single-Wohnungen, mehr Angebote für Großfamilien: Die Gewoba passt sich dem Zeitgeist an. „An diesen Wohnungen fehlt es“, sagte Vorstand Manfred Sydow, bei der Präsentation der Jahresbilanz am Dienstag. Die Nachfrage nach der klassischen Drei-Zimmer-Wohnung habe deutlich nachgelassen. Nun würden entweder Ein- oder Zwei-Zimmer-Wohnungen gesucht, oder ein Zuhause mit gleich fünf oder sechs Zimmern.

Das solle sich in künftigen Projekten der Wohnungsgesellschaft widerspiegeln, ebenso wie die gestiegene Nachfrage nach Wohnraum in der Innenstadt. Denn trotz der höheren Bautätigkeit sei in naher Zukunft keine Entspannung auf dem Bremer Wohnungsmarkt in Sicht. 2018 seien wie im Jahr zuvor im Grunde alle Gewoba-Wohnungen vermietet gewesen. „Das heißt für uns: Mit Augenmaß zur Entspannung beitragen, durch bauen“, sagte Sydow.

Mehr Wohnungen in zentraler Lage

Das spiegelt sich auch in den Investitionen wieder. Im vergangenen Jahr investierte die Gewoba knapp 57 Millionen Euro in Neubauten – etwa 20 Millionen Euro mehr als im Jahr zuvor. Auch im kommenden Jahr plant die Wohnungsgesellschaft, die Investitionen in neue Bauprojekte fortzuführen. „Im Moment ist es so, dass bezahlbarer Wohnraum in Bremen knapp ist“, sagte Gewoba-Vorstand Peter Stubbe. „Wir werden weiter auf die Tube drücken.“

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Nachdem die Gewoba bereits im Frühjahr das Bundeswehrhochhaus in der Nähe des Bremer Hauptbahnhofs erworben hatte, soll bald eine weitere Immobilie in Innenstadtlage hinzukommen. Um welches Gebäude es sich handelt, ließen die Gewoba-Vorstände offen. Doch auch die größten Bauprojekte des Unternehmens liegen zentral: Die „Hafenpassage“, die „Überseegärten“ und das „Blauhaus“ in der Bremer Überseestadt. Dort entstehen zusammen 387 neue Gewoba-Wohnungen. Im April 2019 begannen zudem die Arbeiten im Neubaugebiet am Werdersee. Dort sollen 230 Wohnungen entstehen.

Investitionen statt Gewinnsteigerung

Insgesamt hat die Gewoba trotz der gestiegenen Investitionen im vergangenen Jahr mehr Gewinn gemacht als geplant. Etwa 22 Millionen Euro des 29-Millionen-Jahresüberschusses werden nun an die Gesellschafter ausgezahlt – davon profitiert mehrheitlich die Stadt Bremen. „Wir liegen deutlich über dem Plan“, sagte Stubbe. Für das laufende Jahr rechnet der Vorstand mit ähnlichen Zahlen. Der Gewinn solle auch in Zukunft nicht gesteigert werden. Denn das ginge nur, indem Modernisierung oder Instandhaltung zurückgefahren würden. „Das wollen wir aber nicht“, sagte Sydow. „Wir wollen so in den Bestand investieren wie in der Vergangenheit.“

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Die Ausgaben für Modernisierung und Instandhaltung der bestehenden Gewoba-Wohnungen sind 2018 im Vergleich zu 2017 ebenfalls leicht gestiegen. In insgesamt 1814 Wohnungen wurden die Modernisierungsarbeiten fertiggestellt. Bis 2020 sollen 80 Prozent der Gewoba-Gebäude energieeffizient modernisiert werden. Auch die Arbeiten an der eigenen Konzernzentrale am Rembertiring liegen laut den Vorständen im Zeitplan. 2020 sollen alle Mitarbeiter wieder einziehen.

Neue Gesellschafterverhältnisse

Wie sich die neuen Gesellschafterverhältnisse der Gewoba auf das Geschäft auswirken werden, bleibt vorerst unklar. Im Zuge des Brebau-Deals verloren die Banken bei der Gewoba ihre Sperrminorität, da ihnen nun weniger als 25 Prozent der Gewoba-Anteile gehören. Diese hatte ihnen zuvor einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Geschäftspolitik garantiert. Die Gewoba gehört nun zu über zwei Dritteln der Stadt Bremen sowie zu knapp 20 Prozent der Sparkasse Bremen und zu drei Prozent der Weser-Elbe-Sparkasse. "Die Gesellschafter haben in der Vergangenheit einen sehr vernünfigen Umgang miteinander gepflegt“, sagte Stubbe. Er gehe davon aus, dass sich im Unternehmen selbst kaum etwas verändern werde. Kritiker befürchten, dass durch die geschwächte Position der Banken das marktwirtschaftliche Korrektiv für die Entscheidungen der Politik fehle.

Für die Arbeit der Gewoba könne der Erwerb der Brebau aber schon eine Veränderung bedeuten. Nun sind zwei Wohnungsgesellschaften in öffentlicher Hand. Auch wenn die Brebau mit insgesamt rund 6000 Wohnungen deutlich kleiner ist als die Gewoba mit über 40 000 Wohnungen. „Wir haben jetzt eine kleine Schwester bekommen und werden sehr genau schauen, wie wir in der Familie miteinander umgehen“, sagte Stubbe.

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Zur Sache

Die Gewoba ist das größte Wohnungsunternehmen in Bremen. Es geht zurück auf einen Verein, der bereits 1924 gegründet wurde – die „Gemeinnützige Wohnungsbaugemeinschaft der Freien Gewerkschaften für Bremen und Umgegend“. Erste Wohnblocks vor allem für Facharbeiter und Handwerker entstehen in den 1920er-Jahren in Gröpelingen, Walle, der Neustadt und in Bremen-Nord. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs sind von insgesamt knapp 3000 Gewoba-Wohnungen nur 71 unbeschädigt geblieben. Seit den 1950er-Jahren beginnt das Unternehmen in großem Stil den Wiederaufbau Bremens, große Projekte entstehen im Westen der Stadt und in der Neuen Vahr. 1967 geht die Gewoba in der gewerkschaftseigenen Neuen Heimat auf. Nach der Neue-Heimat-Affäre und dem Kollaps des Konzerns gehen dessen Wohnungen in Bremen wieder auf die Gewoba über. Ender der 1990er-Jahre scheitern Börsenpläne des Unternehmens am Widerstand des Senats. Im Bestand der Gewoba waren zuletzt 41.615 Wohnungen, die Bilanzsumme lag 2018 bei 1,288 Milliarden Euro.

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