Konferenz in Bremen

Baumwolle aus dem 3D-Drucker

Wie ein Mitarbeiter der Hochschule Bremen mit Hilfe von Baumwolle Kunststoffe wesentlich bruchsicherer macht. Die Ergebnisse durfte er auf der Baumwolltagung 450 Teilnehmern aus 40 Ländern zeigen.
21.03.2018, 19:37
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Baumwolle aus dem 3D-Drucker
Von Jan-Felix Jasch

Ein Kunststoff aus Baumwolle – an der Hochschule Bremen ist das möglich. Wie das genau funktioniert, hat Milan Kelch am Mittwoch vor internationalem Publikum gezeigt. Denn Kelch ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule Bremen und durfte über seine Forschungsergebnisse vor internationalem Publikum auf der Bremer Baumwollkonferenz reden. Der Forscher gehört an der Hochschule zur Arbeitsgruppe „Biobasierte Biologische Werkstoffe".

Lesen Sie auch

Auf der Tagung stellte er einen mit biologischen Werkstoffen baumwollfaserverstärkten Kunststoff aus Mikro-Spritzguss vor, der auch im dreidimensionalen Druckverfahren zum Einsatz kommt. Der Vorteil seines natürlichen weißen Werkstoffs, aus dem sonst eher T-Shirts und Hosen hergestellt werden: In diesen Verfahren zeigt Baumwolle durch ihre Feinheit und Gleichmäßigkeit eine bessere Eignung als Bastfasern.

Koffer aus Baumwolle

Die Arbeitsgruppe, zu der Kelch gehört, experimentiert auch mit Baumwolle, weil der Rohstoff verhältnismäßig günstig sei. Und die Ergebnisse seien bisher vielversprechend, wie Kelch sagt: "Die Technologie ist zukunftsfähig." So sei das Gemisch mit einem Baumwollanteil von 40 Prozent deutlich härter und bruchsicherer als ohne.

In einem anderen Vortrag berichtet Franziska Stehle vom Faserinstitut Bremen über ihre Ergebnisse. Sie forscht ebenso an Gemischen. Diese werden jedoch mit Hitze behandelt und dadurch gehärtet. Die Technologie wird in Möbeln, Koffern und sogar in Büstenhaltern angewendet.

Die Baumwolltagung ist in neun Themenbereiche gegliedert, teils aus Vorträgen und teils Podiumsdiskussionen. Und damit Mittwoch schaut die Welt auf Bremen – zumindest die Baumwollwelt. 450 Experten und Besucher aus 40 Ländern sind in die Hansestadt gekommen, um sich bis Freitag über die Neuigkeiten zur Naturfaser zu informieren. Mit ihnen sind auch zahlreiche Fachjournalisten aus der ganzen Welt nach Bremen gekommen.

Tests des Bremer Faserinstituts beeinflussen Preis

Für sie geht es um den Anbau bis zur Verarbeitung der Baumwolle. Fragen sind etwa, wie sich Baumwolle zum Leuchten bringen lässt, oder wie die Fasern noch robuster gemacht werden können. Und für welche Zwecke lässt sich Baumwolle in der Raumfahrt einsetzen? Es geht eben auch darum, wie Baumwolle Eigenschaften entwickeln kann, die die Verbraucher momentan eher von Kunstfasern in der Funktionskleidung kennen.

Bereits seit Wochenfang laufen Sitzungen und Seminare, veranstaltet von Verbänden und internationalen Arbeitsgemeinschaften. Gastgeber ist die Bremer Baumwollbörse. Sie wurde 1872 gegründet, damals noch als „Komité für den Baumwollhandel“. Ziel der Händler und Makler war es im 19. Jahrhundert, klare Regeln für das Geschäft mit dem Rohstoff festzulegen. Heute ist die Börse ein Verein mit Mitgliedern aus aller Welt. Dazu gehören Produzenten ebenso wie Händler oder Weiterverarbeiter.

Zusammen mit weltweit 16 weiteren Baumwollbörsen hat die Organisation die Aufgabe, die Einhaltung der Handelsregeln zu überwachen. Zwischen 1914 und 1933 sowie zwischen 1956 und 1971 gab es zudem eine Baumwoll-Terminbörse. Heute sind bis zu fünf Male pro Jahr Schiedsgerichte mit der Lösung von Branchen-Disputen betraut. Auch die Qualitätskontrolle spielt eine wichtige Rolle: Das Labor des Faserinstituts prüft in Kooperation mit der Baumwollbörse Liverpool Proben der Naturfaser und untersucht Verunreinigungen. Die Ergebnisse sind wichtig für Preisverhandlungen.

Baumwolle statt Plastik

Außerdem ist die Baumwollbörse seit gut drei Jahren Mitglied des Bündnisses für nachhaltige Textilien. Es hat sich zur Aufgabe gemacht, die Bedingungen in der weltweiten Textilproduktion zu verbessern. Nachhaltigkeit ist auch Motivation bei Milan Kelch und seiner Arbeitsgruppe gewesen: Weil immer mehr Plastik in die Ozeane gelangt, haben sie angefangen, mit organischen Materialen zu forschen – in Zukunft also lieber Baumwolle statt Plastik.

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+