Digitalisierung in der Verwaltung Bremen entwickelt Lösung für E-Rechnung auf Europaebene

In Bremen wird jetzt nicht nur an der E-Rechnung im Bundesland gearbeitet, sondern auch eine Anbindung Deutschlands an die Plattform der EU entwickelt. Das Projekt wird mit 650.000 Euro gefördert.
06.08.2018, 19:19
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Bremen entwickelt Lösung für E-Rechnung auf Europaebene
Von Lisa Schröder

Lissabon oder Kopenhagen etwas in Rechnung stellen – in Zukunft soll das auch für Unternehmen in Bremen ganz unkompliziert sein. Denn das Bremer Finanzressort arbeitet ab sofort an einer Lösung für E-Rechnungen auf europäischer Ebene.

Bisher ist Deutschland – anders als Länder wie Vorreiter Norwegen, Dänemark oder Österreich – noch nicht an die entsprechende Plattform namens Peppol (Pan-European Public Procurement Online) angebunden. "Es gibt da einen weißen Fleck in Europa", sagt Rainer Heldt, Referatsleiter im Finanzressort. Das soll sich nun jedoch ändern. "Wir werden diejenigen sein, die Deutschland im Bereich der E-Rechnung an Europa anschließen." Bremen scheint dafür prädestiniert zu sein. Das Bundesland leitet auf nationaler Ebene bereits ein Pilotprojekt für E-Rechnungen an die öffentliche Verwaltung. In diesem November soll der Startschuss dafür fallen und alles für den Echtbetrieb bereit sein.

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Die EU unterstützt das neue Digitalisierungsprojekt, das schon im März nächsten Jahres umgesetzt sein soll, mit einer Förderung von 650.000 Euro und übernimmt damit drei Viertel der Gesamtkosten. Das Finanzressort von Senatorin Karoline Linnert (Grüne) arbeitet dabei mit zwei IT-Unternehmen zusammen: Governikus aus Bremen programmiert die notwendige Software, die Firma Dataport stellt die Rechnerleistung für das Vorhaben zur Verfügung. An diesem Montag haben die beiden Partner eine Vereinbarung mit Finanzstaatsrat Henning Lühr unterzeichnet.

"Wir sind richtig stolz, dass es das kleine Bremen getroffen hat"

Durch die Plattform sollen große Datenmengen transportiert werden können. "Unser Ziel ist dabei, dass die Abwicklung von E-Rechnungen schneller, direkt von Rechner zu Rechner und für Power-User mit großen Datenmengen möglich ist", sagt Lühr. Das Finanzressort testet die Plattform mit Unternehmen und steht ohnehin mit der Bremer Wirtschaft und den Kammern in Kontakt. Bremen hat sich für das Projekt, das abgekürzt den Namen Peggy trägt, beworben. "Wir sind richtig stolz, dass es das kleine Bremen getroffen hat."

Die Software der Bremer Beteiligungsgesellschaft Governikus muss dabei auf die unterschiedlichen Rechnungswege der Unternehmen reagieren können. "Unsere Aufgabe ist es, dass unser Messenger all die Nachrichten empfängt, versteht und weitergibt. Der gesamte Prozess ist dann elektronisch. Der Maler kann die Rechnung am PC schreiben, und niemand muss sie danach ausdrucken oder neu eintippen", sagt Geschäftsführer Stephan Klein. Er ist davon überzeugt, dass andere Bundesländer die in Bremen entwickelten Lösungen ganz oder teilweise übernehmen werden. "Das ist bemerkenswert."

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"Umso schneller wir sind, desto erfolgreicher werden wir sein", sagt Johann Bizer. Der Vorstandschef von Dataport sieht derweil eine zunehmende Bereitschaft, Prozesse zu digitalisieren – in der Wirtschaft und der Verwaltung. Denn es fehlten zunehmend Mitarbeiter, die sich um die Arbeit kümmern könnten. Die Automatisierung könne dieses Problem lösen. Personal und Kosten zu sparen, das sei letztlich der Zweck, betont Staatsrat Lühr: "Wir wollen nicht nur eine schöne neue Datenwelt produzieren, sondern Bürokratie für beide Seiten abbauen."

30.000 SWB-Rechnungen im Monat

Allein die Zahl der Rechnungen des Energieversorgers SWB an Bremen liegt im Monat bei 30.000. Das ist ein Fall von Massenprozessen, die Peggy auch auf EU-Ebene ab dem nächsten Jahr meistern soll. Insgesamt geht das Finanzressort konservativ gerechnet von Ersparnissen von 2,7 Millionen Euro pro Jahr aus, wenn die E-Rechnung in Bremen komplett umgesetzt ist. Die Zukunft, davon gehen alle Partner aus, liegt in der E-Rechnung. Irgendwann werde sie verpflichtend sein. "Man überfordert damit keine Firma – auch nicht den kleinen Handwerksbetrieb", sagt Stephan Klein von Governikus.

Die Infrastruktur durch das Projekt Peggy lässt sich laut Referatsleiter Rainer Heldt zudem weiterentwickeln: Denn nicht nur für Rechnungen sei sie geeignet, sondern zum Beispiel auch für die Vergabe von europaweiten Ausschreibungen. "Das ist der Weg."

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