Flughafen mit Verlusten

Bremer Airport: Investitionsstau liegt bei 60 Millionen Euro

Das vergangene Jahr hat der Bremer Flughafen mit einem Minus von 44 000 Euro abgeschlossen. Doch der Bedarf für Instandsetzung und Investitionen summiert sich für die kommenden Jahre auf über 82 Millionen Euro.
19.03.2019, 19:43
Lesedauer: 4 Min
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Bremer Airport: Investitionsstau liegt bei 60 Millionen Euro
Von Florian Schwiegershausen
Bremer Airport: Investitionsstau liegt bei 60 Millionen Euro

Der Flughafen hat einen Investitionsstau von 60 Millionen Euro ausgerechnet bei gleichzeitig stagnierenden Passagierzahlen.

Detmar Schmoll

Nun heißt es nach Wochen des Wartens beim Bremer Airport „Butter bei die Fische“, was die Geschäftszahlen angeht. Demnach hat die Flughafen Bremen GmbH im vergangenen Jahr ein Minus von 44 000 Euro eingefahren – oder vielmehr eingeflogen. Das geht aus dem Beteiligungsbericht hervor, der an diesem Mittwochnachmittag der Bremer Wirtschaftsdeputation vorgelegt wird. Ende September sei die Gesellschaft allerdings noch von einem Fehlbetrag von mehr als 1,5 Millionen Euro ausgegangen.

Eine schwarze Null ist es nicht geworden, aber eine „rote Null“. Wie ist das möglich in so kurzer Zeit? Der Flughafen begründet das im Beteiligungsbericht mit deutlichen Verbesserungen aus dem vierten Quartal. Einer der größten Posten, nämlich 641 000 Euro, stammt aus einem nicht geplanten Beteiligungsgewinn. Davon kommt der größte Anteil von einer der drei Tochtergesellschaften, die der Flughafen hat.

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Mit ihr wurde rückwirkend zum 1. Januar 2018 ein Vertrag abgeschlossen, der die Ergebnisabführung vorsieht. Passenderweise hatte die Bremen Airport Handling GmbH im Jahr 2017 eine Rückstellung von mehr als 510 000 Euro gebildet. Das geht aus dem im Bundesanzeiger veröffentlichten Jahresabschluss der Flughafentochter hervor. Von dieser GmbH stammt nun auch der Beteiligungsgewinn. Ob das nun Auswirkungen hat für die Flughafen-Tochter, dazu sagte Airport-Sprecherin Andrea Hartmann: „Die Eigenkapitalquote der Bremen Airport Handlings GmbH, die für den Beteiligungsgewinn zuständig ist, ist stabil.“

Weitere 380 000 Euro mehr kamen durch Abfertigung, Parkeinnahmen und den Bereich Aviation zusammen. Und auch die Verwaltungskosten sind um 470 000 Euro niedriger ausgefallen. Frei gewordene Stellen wurden demnach später als geplant besetzt. Laut Flughafen kamen zusätzliche Einnahmen aus dem Non-Aviation-Bereich. Das sind beispielsweise Erträge aus Mieten der Geschäfte im Flughafen. „Auf der Aufwandseite sind hier geringere Verwaltungskosten und weniger Ausgaben für Betriebsmittel aufgrund des milden Winters ausschlaggebend“, ergänzte Hartmann.

EU verbietet Flughafen-Subventionen

Der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU, Jörg Kastendiek, sagte zu den Zahlen: „Zieht man die außerordentlichen Erträge hier ab, ist man schnell im Millionenbereich statt der 44 000 Euro.“ An die Adresse des Aufsichtsrats gerichtet, ergänzte Kastendiek: „Der Aufsichtsrat muss sich die Frage gefallen lassen, ob er in den letzten Jahren nicht genau auf die Zahlen geschaut und alles so durchgewunken hat.“ Nun könne er kein Versteckspiel mehr betreiben. Angesichts eines Investitionsstaus in Höhe von 60 Millionen Euro müsse die kommende Landesregierung dem Flughafen für die kommenden vier Jahre ein klares Bekenntnis geben. Klar sei, dass die EU direkte Subventionen für Flughäfen verbietet.

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Ein solches Bekenntnis fordert auch die Bremer FDP-Fraktionsvorsitzende Lencke Steiner. Außerdem sagt sie: „Wir glauben, dass der Flughafen finanzielle Hilfen für die Investitionen benötigt. Man darf nicht die Bedeutung des Flughafens für die Wirtschaft und den Tourismus in Bremen vergessen.“ Bereits vor einem Monat hatte die FDP-Bürgerschaftsfraktion in einem Antrag gefordert, dass der Senat den Flughafen jährlich mit fünf Millionen Euro unterstützen soll. „Damit kann der Flughafen einen Teil seines Investitionsstaus abbauen und außerdem Geld in das Wachstum des Flughafens investieren“, sagt Lencke Steiner.

Ein Großteil des Geldes wäre laut dem Antrag als Mittel für das Marketing deklariert. Sowohl die anderen Parteien als auch das Wirtschaftsressort selbst hielten nichts von dem Plan. Allerdings überlegt man beim Wirtschaftssenator, inwiefern man die Flughafenfeuerwehr in die städtische Feuerwehr integrieren könnte – angesichts von Investitionen in Höhe von drei Millionen Euro, die dort anstehen.

Trotz Verlusten: Verzicht auf Subventionen

Auch wenn es immer heißt, dass der Flughafen in den vergangenen Jahren ohne Subventionen ausgekommen ist, hat er dennoch Miese gemacht. Im Jahr 2017 lag der Fehlbetrag des Bremer Airports bei 3,3 Millionen Euro, wie aus der Vorlage für die Wirtschaftsdeputation hervorgeht. Dennoch wurde vor einem Jahr betont, dass der Flughafen ohne Subventionen auskommt. 2016 lag der Fehlbetrag bei 2,4 Millionen Euro.

Für 2019 hat der Flughafen-Aufsichtsrat mit Wirtschaftsstaatsrat Ekkehart Siering (SPD) als Vorsitzendem, eine Summe von rund zehn Millionen Euro für Investitionen genehmigt. Zu der Summe sagte Flughafen-Sprecherin Andrea Hartmann: „Der Großteil erstreckt sich auf die Erfüllung behördlicher Auflagen, die im Zusammenhang mit europäischen Verkehrsvorschriften stehen und die deshalb auch priorisiert behandelt werden.“ Dies sei beispielsweise die Anflugbefeuerung der Start- und Landebahn, die Sanierung von Flugbetriebsflächen oder die Beleuchtung des Vorfeldes.

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Außerdem hat der Flughafen nun dem Controllingausschuss seinen Wirtschaftsplan vorgelegt, der als vertraulich gilt. Wegen der Germania-Insolvenz wurde dieser Bericht mehrmals verschoben. Der sieht für die kommenden fünf Jahre einen Liquiditätsbedarf in Höhe von 82,6 Millionen Euro vor. 22 Millionen Euro sind für die Instandhaltung vorgesehen, der Rest für Investitionen. Gleichzeitig plant der Flughafen für dieses Jahr mit 2,6 Millionen Passagieren.

Große Sprünge erwartet der noch relativ neue Flughafenchef Elmar Kleinert wohl vorerst nicht. Denn für 2022 rechnet er mit einem Aufkommen von 2,7 Millionen Passagieren, also einer Steigerung von 100 000 Passagieren. Aus dem Wirtschaftsplan geht auch hervor, dass es dem Flughafen langfristig das Genick brechen könnte, wenn der Liquiditätsbedarf weiter über Darlehen finanziert wird.

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