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Bauen in Bremen Was ist der Stand im neuen Hulsberg-Viertel?

Konversion lautet das Stichwort: Aus einem Krankenhausgelände wird ein Wohngebiet. So geschieht es gerade im neuen Bremer Hulsberg-Viertel. Was ist der aktuelle Stand?
19.05.2024, 05:50 Uhr
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Was ist der Stand im neuen Hulsberg-Viertel?
Von Jürgen Hinrichs

Da steht sie, die erste Bank von so einigen, die noch kommen werden. Ein interessantes Stück Stadtmöbel aus Holz ("kein Tropenholz!", beteuert Florian Kommer). Es ist die Hulsberg-Bank, benannt nach dem neuen Wohnviertel, das dort entsteht, wo sich das Klinikum-Mitte bereits zurückgezogen hat oder dies demnächst tun wird. Der Prototyp steht an der St.-Jürgen-Straße, er ist rund drei Meter lang, leicht geschwungen und mit einer schmalen Lehne in der Mitte. Die Bank hat im Entwurf höchste Weihen empfangen und durfte erst danach gebaut werden. Senatsbaudirektorin Iris Reuther Höchstselbst erklärte ihr Einverständnis.

Kommer lächelt, als er das erzählt. Er freut sich richtig. Die Bank, etwas Handfestes - ein Zeichen, dass es vorangeht. Endlich vorangeht. Denn selten, dass ein Projekt einen so langen Vorlauf hatte. Mehr als zehn Jahre sind vergangen, seit es den Rahmenplan gibt. Noch weiter zurück, fast 15 Jahre, liegt die erste Bürgerbeteiligung. Doch schaut man sich auf dem 14 Hektar großen Gelände um, hat es zwar jede Menge Veränderung gegeben, und in diesem Sommer wird mit dem Bau von Straßen, Kanal und Fernwärme begonnen. Viele Wohnungen sind aber noch nicht entstanden.

Florian Kommer, 52 Jahre alt, ist Chef der Grundstücksentwicklung Klinikum Bremen-Mitte (GEG). Er plant, verhandelt und verkauft, macht das seit elf Jahren und musste erleben, dass es kein Kinderspiel ist, mit einem Krankenhaus umzugehen. Der Betrieb geht weiter, bis heute und teilweise immer noch in Gebäuden, die eigentlich längst geräumt sein sollten. Das hat unter anderem damit zu tun, dass der Neubau des Klinikums nicht so schnell fertiggestellt werden konnte wie geplant. Ein ewiger Clinch zwischen dem Klinikverbund Gesundheit Nord (Geno), der in seiner Not den Raumbedarf weiter an alter Stätte decken will, und der GEG, die sich in der Verpflichtung sieht, ein großes Versprechen zu erfüllen: Wohnen auf dem Hulsberg, und zwar nicht irgendwie, sondern mindestens zu einem Fünftel in Form von Baugemeinschaften.

"Die Komplexität der Aufgabe war mir schon klar", sagt Kommer, "im Detail habe ich sie aber unterschätzt, und darin liegt bekanntlich der Teufel." Alles auf der großen Fläche hänge mit allem zusammen. Nichts könne singulär betrachtet werden. Einfach abreißen, hier und da? Lärm und Vibrationen verursachen, wenn genau das in unmittelbarer Nachbarschaft am wenigsten gebraucht wird? In der Notaufnahme zum Beispiel oder bei MRT-Untersuchungen. Schwierig, sehr schwierig. Beim Hulsberg-Viertel ist es so, man kann's nicht besser sagen: Der Bau des Quartiers ist eine Operation am offenen Herzen.

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Zum Schluss, wenn alles fertig ist, werden rund 1200 Wohnungen entstanden sein. "Dann leben hier 3000 Menschen", sagt Kommer. Er nennt ein Jahr, nennt zwei Jahre, er legt sich fest: "2030 löst sich die GEG auf. 2032 wird das letzte Haus bezogen." Eine lange Zeit also noch, und dann auch wieder nicht, denn so vieles, was weiterhin offen ist und geklärt werden muss.

Das hoch aufragende Bettenhaus zum Beispiel - was geschieht damit? Einige Jahre hatte sich eine Baugenossenschaft um das Gebäude bemüht, schließlich aber entnervt aufgegeben. Nun wird überlegt, dort die Bildungsakademie der Geno einziehen zu lassen. Keine gute Idee, findet Kommer. Er hatte von Beginn an nur eines mit dem Hochhaus vor: Abriss. So oder so wird in dem Bereich eine Hochgarage mit mindestens 900 Stellplätzen entstehen. Ohne das Bettenhaus würde sie um 200 Plätze größer ausfallen. Die Garage, betrieben von der Brepark, bekommt einen Mantelbau mit 130 Wohnungen. "Das Parkhaus muss spätestens 2028 in Betrieb gehen", sagt Kommer. Der Grund: In dem Jahr nimmt das Klinikum-Mitte die Abteilungen des Klinikums Links der Weser auf, das geschlossen wird. Mehr Patienten, mehr Personal, mehr Besucher. Mehr Autos deswegen wohl auch.

Gut 300 Wohnungen sind auf dem Gelände im sogenannten St.-Jürgen-Quartier geplant. Sie sollten eigentlich schon in Bau sein, vier Bremer Unternehmen, die sich dafür zusammengetan haben. Doch der Markt ist schwierig, Bauen immer noch zu teuer, weshalb es nun zunächst zu einer Zwischennutzung gekommen ist. Auf dem 28.000 Quadratmeter großen Areal stehen seit einigen Monaten Leichtbauhallen für Flüchtlinge. Der Vertrag mit der Stadt hat eine Laufzeit bis Ende kommenden Jahres. Von da ab könnten die Häuser mit den Wohnungen entstehen.

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Es gibt viele Flächen, die noch nicht vergeben sind. Zum Beispiel das große Grundstück an der Straße "Am Hulsberg" zwischen der alten Pathologie und der ehemaligen Dermatologie, zwei Gebäude, die in den nächsten Jahren entwickelt werden. Auf dem Grundstück stehen Autos, es wird als Parkplatz genutzt - und wieder diese Zusammenhänge: Solange keine Hochgarage da ist, kann auf die Stellflächen nicht verzichtet werden. Wie bei einem Puzzle müssen die einzelnen Teile zu einem stimmigen Gesamtbild zusammengesetzt werden. Damit verbunden ist die Suche nach den Investoren. 60 Prozent des gesamten Areals haben bislang keinen Käufer, erklärt Kommer. Er hat also noch gutzutun.

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