Bremer Flughafen

Lufthansa löst Ryanair als Nummer eins ab

Lufthansa und Eurowings haben Ryanair am Bremer Airport im ersten Halbjahr überholt. Doch insgesamt läuft es für den Flughafen nicht rund. Was die Politik nun einfordert, damit sich etwas ändert.
30.08.2017, 19:32
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Lufthansa löst Ryanair als Nummer eins ab
Von Peter Hanuschke
Lufthansa löst Ryanair als Nummer eins ab

Lufthansa hat im ersten Halbjahr zusammen mit Eurowings am Bremer Airport Ryanair überholt.

Christian Walter

Ryanair ist nicht mehr größter Kunde am Bremer Flughafen, wenn es um die Passagierzahlen geht. Neuer Spitzenreiter im ersten Halbjahr 2017 ist nun die Lufthansa zusammen mit ihrer Tochter Eurowings. Sie beförderten 433.000 Passagiere, was ein Plus von 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum bedeutet. In der gleichen Zeit verzeichneten die Iren dagegen 337.000 Passagiere. Das entspricht einem Minus von 18.4 Prozent.

Das ist allerdings nur ein Nebenaspekt, weshalb die CDU-Fraktion die Passagierentwicklung am Mittwoch in der Wirtschaftsdeputation thematisiert hat: Ihr ging es insgesamt ums Passagieraufkommen. Denn das ist im ersten Halbjahr bekanntlich um 4,5 Prozent auf 1,15 Millionen Passagiere gesunken, verglichen mit dem Vorjahreszeitraum – und das, obwohl andere deutsche Airports ein Plus verzeichneten.

Airport entfernt sich von seinem Ziel

Setzt sich der Trend aus dem ersten Halbjahr fort, wird der Flughafen den dritten Rückgang in Folge zu verzeichnen haben: 2014 war mit 2,77 Millionen Passagieren das Rekordjahr. Der Airport entfernt sich also immer weiter von seinem damals formulierten und immer noch aktuellen Ziel, langfristig drei Millionen Fluggäste abfertigen zu wollen.

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Die Fluggastentwicklung der ersten sechs Monate sei planmäßig und „wie von uns erwartet verlaufen“, sagte am Mittwoch eine Flughafen-Sprecherin auf Nachfrage. Dennoch sei die Airline-Branche ein sehr dynamisches Geschäft, das nicht immer vorhersehbar sei. „Deshalb ist es schwierig, eine Prognose über kommende Passagierzahlen abzugeben.“ Das scheint allerdings für Flughafenchef Jürgen Bula kein Problem zu sein. Wie Radio Bremen vermeldet, erwartet er mit 2,6 Millionen Fluggästen in diesem Jahr sogar 30.000 mehr als noch 2016: Für die Herbstferien seien nach derzeitigem Stand die Maschinen hervorragend ausgelastet.

„Wir wollen mit unserer Anfrage niemanden an den Pranger stellen“, sagte Jörg Kastendiek, CDU-Fraktionssprecher für Wirtschaft, dem WESER-KURIER vor der Sitzung. Grundsätzlich sei es sehr unbefriedigend, seit zwei Jahren immer wieder die gleichen Argumente zu hören bezüglich des Rückgangs.

Für das Minus hatten laut Bula besonders Flugziele in Nordafrika gesorgt. „Wir haben die zweite Wintersaison hinter uns, wo die Nachfrage dort fast komplett weggebrochen ist“, so Bula im vergangenen Jahr. Auch das Flug-Buchungsverhalten für die Sommersaison sei sehr verhalten – speziell die Türkei und Griechenland betreffend. Das betraf offenbar die ganze Sommersaison 2016 und setzte sich auch jetzt fort. In der aktuellen Deputations-Vorlage heißt es: Insgesamt sind in Bremen die Passagiermengen in die touristischen Zielgebiete Türkei, Ägypten und Tunesien signifikant rückläufig.

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„Diese Entwicklungen sind natürlich nicht kalkulierbar“, räumt Kastendiek, der an der Deputationssitzung nicht teilnehmen konnte, ein. „Doch andere Flughäfen sind doch auch davon betroffen. Wieso schaffen die es trotzdem, ihr Passagieraufkommen zu steigern“, fragt er. „Die Begründung, dass der Bremer Flughafen Wettbewerbsnachteile gegenüber anderen Standorten habe, etwa, weil er keinen 24-Stunden-Betrieb anbieten kann, reicht nicht aus.“ Man müsse das ­Thema insgesamt viel breiter aufstellen, ist Kastendiek überzeugt.

Nicht nur Sache der Airport-Geschäftsführung

Die Frage sei doch auch, was komme an Passagieren nach ­Bremen rein – „damit meine ich nicht ­Geschäftskunden, sondern Passagiere, die Bremen aus touristischen Gründen besuchen.“ Vielleicht müsse in diesem Zusammenhang auch an ein paar Stellschrauben touristischer Art gedreht werden. Deshalb müsse das ganze Thema auch stärker im Wirtschaftsressort behandelt werden, das sei nicht allein ­Sache der Airport-Geschäftsführung. Der CDU-Politiker hätte sich gewünscht, dass über solche Dinge öffentlich diskutiert wird.

In der Vorlage heißt es dazu: Der Wirtschaftssenator und die Flughafen GmbH, an der Bremen zu 100 Prozent Gesellschafter ist, „werden aus Wettbewerbsgründen Marktstrategien nicht in öffentlichen Sitzungen darlegen.“ In der Sitzung selber verwies Staatsrat Ekkehart Siering (SPD), der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafen GmbH ist, beim Passagierminus ebenso auf die problematischen Urlaubsregionen. Grund sei aber auch Ryanairs veränderte Geschäftspolitik. Diese sieht vor, sich stärker auf größere Flughäfen zu konzentrieren – etwa auf Hamburg.

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