Bremer Raumfahrtkonzern OHB baut eigene Trägerrakete

Das Bremer Technologie- und Raumfahrtunternehmen OHB will dem US-Unternehmer Elon Musk und seiner Firma SpaceX Konkurrenz machen. Der Konzern baut seine eigene Trägerrakete – allerdings nicht in der Hansestadt.
29.08.2019, 14:47
Lesedauer: 3 Min
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OHB baut eigene Trägerrakete
Von Peter Hanuschke

Der Bremer Technologie- und Raumfahrtkonzern OHB will eine eigene Trägerrakete ins All bringen. „Der Erstflug soll Ende 2021 stattfinden“, sagte OHB-Sprecher Günther Hörbst dem WESER-KURIER. Gebaut werden soll die OHB-Trägerrakete allerdings nicht in Bremen, sondern in Augsburg. Der Konzern hat dort bereits ein Projekt zur Entwicklung eines Mini-Launchers gestartet, die Rocket Factory Augsburg GmbH (RFA).

Die Zahl der Hersteller von Trägerraketen hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen – offenbar ein lukratives Geschäft. Schließlich werden immer mehr Kommunikations-, Spionage- oder Wettersatelliten auf die Umlaufbahn gebracht. Dominiert wird dieser Markt bislang vor allem durch den europäischen Hersteller Ariane Group sowie die US-Raumfahrtunternehmen SpaceX des Milliardärs Elon Musk und Blue Origin, einer Gründung von Amazon-Chef Jeff Bezos.

Bekannt für Satellitenbau

„Eine eigene Rakete ist für OHB ein folgerichtiger Schritt“, sagte Vorstandschef Marco Fuchs der Nachrichtenagentur Bloomberg. Bekannt ist das Unternehmen vor allem als Satellitenbauer. Aus Bremen kommen unter anderem die Galileo-Satelliten für das gleichnamige europäische Navigationssystem.

Die Augsburger OHB-Tochter RFA beschäftigt nach nunmehr einem Jahr Aufbauarbeit inzwischen mehr als 35 Mitarbeiter. Die selbst entwickelte Rakete soll kostengünstig sein und gleichzeitig eine hohe Zuverlässigkeit besitzen. „Wir werden da erst einmal unser eigener Kunde sein und eigene Satelliten in den Orbit bringen“, sagte Fuchs.

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Ganz ohne Erfahrungen steigt OHB nicht in das neue Geschäft ein: In Bremen entwickelt und baut die Ariane Group die Oberstufen der Ariane-Trägerraketen. Und daran ist OHB über das Tochterunternehmen MT Aerospace beteiligt. In einer eigenen Halle in der Airport-Stadt werden Tankböden und Zylinderpanele zu einem Treibstofftank für die Oberstufe zusammengefügt, die künftig in der neuen Ariane 6 zum Einsatz kommen soll. Außerdem fertigt MT Aerospace Teile der metallischen Strukturbauteile der Ariane 6. Die OHB-Tochter hat nach eigenen Angaben einen Anteil von etwa zehn Prozent an der Entwicklung und Industrialisierung des Ariane-6-Trägersystems. Der Erstflug der Ariane 6 ist für Mitte 2020 geplant.

Dass RFA seinen Sitz in Augsburg hat, kommt nicht von ungefähr: Denn auch die Produktionsstätten des Raumfahrtunternehmens MT Aerospace sind dort angesiedelt. Das Projekt soll eine konsequente Billigstrategie verfolgen. Das Umfeld im süddeutschen Raum biete für die kosteneffiziente Industrialisierung einen idealen Standort, sagte Hörbst. „Neben der bestehenden Industrie aus Automobil- und Maschinenbau kann RFA auf die bestehenden Industrienetzwerke der OHB und MTA zurückgreifen.“

Steigende Nachfrage erwartet

Auch wenn es derzeit etwa hundert Projekte für neue Raketen weltweit gibt, ist OHB vom Erfolg überzeugt. Aufgrund der erwarteten steigenden Nachfrage nach dem Transport von kleinen Nutzlasten seien die künftigen Marktaussichten für einen Mini-Launcher positiv, heißt es von Seiten des Konzerns. Da der OHB-Konzern auch selber kleine Satelliten entwickelt und baut, könne RFA Aufträge aus dem eigenen Haus erhalten. „Der Konzern bietet damit die Möglichkeit, eine Grundauslastung zu gewährleisten, das ist ein wichtiger Faktor für die kommerzielle Wettbewerbsfähigkeit in globalen Märkten“, so Hörbst.

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Hinzu komme, dass das Projekt Rocket Factory in diesem Markt Alleinstellungsmerkmale aufweise, so Hörbst. Das Team bestehe aus Experten, die bereits Kleinraketen erfolgreich entwickelt und qualifiziert hätten, erfahrenen Ingenieuren aus der traditionellen Raumfahrt sowie Experten aus Geschäftsbereichen mit kommerziellem Hintergrund. Nicht zu unterschätzen sei, dass die Investition in die neue Firma aus dem eigenen Haus komme. Das Team von RFA könne sich aufgrund dieser strategischen Investition durch die OHB-Firmeninhaber ganz auf die Trägerrakete konzentrieren. Zur Höhe des Investitionsvolumens wollte sich OHB nicht äußern.

Geht es um den Transport von kleineren oder mittelgroßen Satelliten in die geostationäre Umlaufbahn oder in den niedrigen Erdorbit, wird sich OHB künftig nicht nur mit der europäischen und amerikanischen Konkurrenz messen lassen müssen. Immer mehr Unternehmen etwa aus China und Indien drängen in diesen Markt.

+++Um 22.05 Uhr aktualisiert+++

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