Maritime Wirtschaft Rivalen hängen deutsche Seehäfen weiter ab

Der Güterumschlag im Land Bremen stagniert. Der Hamburger Hafen rutsch tiefer in die Krise. Ganz anders sieht es derzeit bei den Konkurrenten Rotterdam und Antwerpen aus.
09.08.2018, 17:16
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Rivalen hängen deutsche Seehäfen weiter ab
Von Markus Lorenz

Die beiden größten europäischen Seehäfen Rotterdam und Antwerpen enteilen zusehends ihren deutschen Konkurrenten. Im ersten Halbjahr stagnierte der Gesamtumschlag der Bremischen Häfen mit einem Minus von 0,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Hamburger Hafen musste in den ersten sechs Monaten 2018 sogar einen weiteren Rückgang von rund zwei Prozent hinnehmen, wie der Präsident des Unternehmensverbandes Hafen (UVHH), Gunther Bonz, dem „Hamburger Abendblatt“ sagte. Der Primus Rotterdam dagegen konnte den Umschlag um sechs Prozent steigern. Antwerpen legte um acht Prozent zu.

Damit zeigt sich, dass der momentane Aufwärtstrend der maritimen Weltwirtschaft an Weser und Elbe nicht ankommt. Dennoch zeigte sich Bremens Wirtschafts- und Häfensenator Martin Günthner zufrieden. „Die Häfen in Bremen und Bremerhaven konnten sich in einem harten europäischen Wettbewerb gut behaupten", sagte der SPD-Politiker. "Dies schafft eine solide Basis für die weitere Entwicklung in diesem Jahr.“

Lesen Sie auch

Beim Containerumschlag verzeichnete Bremerhaven im ersten Halbjahr ein leichtes Plus von 0,7 Prozent. Nach Angaben der Hafenentwicklungsgesellschaft Bremenports hat der Umschlag an der Stromkaje der Seestadt vor allem in den beiden vergangenen Monaten kräftig zugenommen. Etwas zurück ging dagegen der Autoumschlag. Bis Ende Juni wurden 1,1 Millionen Fahrzeuge umgeschlagen - ein Minus von 1,4 Prozent. Der Gesamtumschlag der Bremischen Hafenanlagen erreichte 36,5 Millionen Tonnen. Insgesamt 3471 Handelsschiffe steuerten die Kajen des kleinsten Bundeslandes an, nahezu genauso viele wie im ersten Halbjahr 2017.

Hamburger Hafen in keiner guten Position

Die enttäuschenden Umschlagzahlen in Hamburg haben die Debatte über die Zukunft des größten deutschen Seehafens neu entfacht. „Der Hamburger Hafen ist im europäischen Wettbewerb derzeit in keiner besonders guten Position“, warnte Verbandspräsident Bonz. Die Situation sei „ausgesprochen herausfordernd“. Dies müsse ein Weckruf für den rot-grüner Senat der Hansestadt sein.

Als Hauptgründe für den Rückgang nannte der UVHH-Chef außer der fehlenden Elbvertiefung und Nachteilen bei der Einfuhrumsatzsteuer auch hausgemachte Probleme. So gebe es auf den Straßen der Stadt zu viele unkoordinierte Baustellen, weshalb etliche Spediteure eine Bogen um Hamburg machten. Die offiziellen Umschlagzahlen sollen in kommende Woche vorgestellt werden.

Lesen Sie auch

Der neuerliche Rückschlag dürfte die aufkommende Diskussion um eine grundsätzliche Neuausrichtung der Hafenpolitik weiter befeuern. Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) hatte die französische Reederei CMA CGM kürzlich geradezu eingeladen, sich an einem der großen Terminals zu beteiligen. Auch für ein mögliches Engagement chinesischer Konzerne an einem noch zu bauenden Terminal im Mittleren Freihafen zeigt sich der Senat offen. Es wäre das erste Mal, dass die Hansestadt ausländischen Investoren einen solchen Einstieg erlauben würde. Diese sollen außer frischem Geld für die teure Infrastruktur auch feste Ladungsmengen mitbringen.

Noch sei über derlei Beteiligungen nicht entschieden, betont Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) nicht von ungefähr. Schon laufen die Arbeitnehmervertreter des städtischen Terminalbetreibers HHLA Sturm gegen einen Einstieg der Chinesen.

Schwachstelle des rot-grünen Senats

Die Opposition hat die Hafenkrise längst als Schwachstelle des rot-grünen Senats ausgemacht. „Das Flaggschiff der Hamburger Wirtschaft ist Leck geschlagen, und der Senat schaut tatenlos zu“, kommentierte der hafenpo­litische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Ralf Niedmers, die aktuellen Zahlen. Und FDP-Fraktionschef Michael Kruse sagte: „Derzeit entsteht der fatale Eindruck, dass die Grünen ihren großen Koalitionspartner in der Verkehrs- und Wirtschaftspolitik vor sich hertreiben – und das in die falsche Richtung.“

Hamburgs Senat hat für die erwartete Elbvertiefung rund 48 Millionen Euro einplant. Diverse Investitionen im Hafen schlagen im neuen Doppelhaushalt 2019/20 mit mehr als 100 Millionen Euro zu Buche. Ingesamt ist dort ein Investitionsbudget von 2,6 Milliarden Euro vorgesehen.

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+