Selbstversuch in Bremen

Ein Leben ohne Plastik

Über 200 Kilogramm Verpackungsmüll verursacht jeder Deutsche pro Jahr, rund 25 Kilo davon sind aus Plastik. WESER-KURIER-Autor Max Seidenfaden versucht, eine Woche lang ohne Plastik auszukommen.
06.08.2018, 09:41
Lesedauer: 3 Min
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Von Maximilian Seidenfaden
Ein Leben ohne Plastik

Ein altbekanntes Bild: Nach einer Grillparty im Park belibt jede Menge Müll liegen, vieles davon aus Plastik.

Sebastian Gollnow/dpa

Der Sommer lädt gerade dazu ein: grillen mit Freunden im Park, essen vom Plastikteller mit Plastikbesteck und trinken aus Plastikbechern. Im besten Fall landen die Reste im Müll, häufig aber bleibt der Müll einfach im Park liegen. Alleine 25 Kilogramm Verpackungsmüll aus Plastik produziert jeder Deutsche im Jahr, teilte das Umweltbundesamt Ende Juli mit. Mit insgesamt 220,5 Kilogramm Verpackungsmüll pro Kopf sind die Deutschen die Müllproduzenten Nummer eins in Europa.

Ist ein Leben ohne Plastik überhaupt noch möglich? Ich will es in dieser Woche herausfin­den, in der ich auf möglichst viel Plastik verzichte. „Wenn der Wille da ist, ist die Umstellung eigentlich kein Problem“, erklärt die Autorin Nadine Schubert, deren zweites Buch „Noch besser Leben ohne Plastik“ (Oekom Verlag, 13 Euro) in der vergangenen Woche erschienen ist. Es sei nicht wichtig womit, sondern dass man anfange, den Plastikmüll zu reduzieren. „Wenn der erste Schritt ist, auf Plastiktüten zu verzichten, dann ist der Anfang gemacht“, so Schubert, die 2013 angefangenen hat, ihren Haushalt plastikfrei zu gestalten.

Mikroplastik in Kosmetika

Bereits ein schneller Blick in die eigene Wohnung bringt ein fatales Ergebnis. Ob in Küche, Bad oder Wohnzimmer – nahezu überall entdeckt man Plastik. Einiges entdeckt man aber nicht, denn es ist zu klein für das menschliche Auge. Egal ob in Zahnpasta, Peeling, Shampoo oder Make-Up – viele Kosmetika enthalten Mikroplastik, das durch Abwasser in großen Mengen in Flüsse und Meere gelangt.

Bei einer Untersuchung im arktischen Meereis wiesen Forscher des Alfred-Wegener-Instituts zum Teil mehr als 12.000 Mikroplastik-Artikel pro Liter Meereis nach. „Anders als zum Beispiel Holz verrotten Plastikprodukte nicht schnell und können je nach Material bis zu mehrere Hundert Jahre benötigen, um komplett zersetzt zu werden“, schrieb die Biologin Ilka Peeken in einem Gastkommentar im WESER-KURIER im Juli und forderte dazu auf, den unkritischen Gebrauch von Plastik zu überdenken. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland bietet zur Vermeidung von Mikroplastik online einen Einkaufsratgeber an, der einen oder mehrere Kunststoffe in Kosmetika auflistet.

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Das Problem mit dem Plastikmüll ist mittlerweile in der Politik angekommen. Europaweit entstehen jährlich rund 26 Millionen Tonnen Plastikmüll, wovon nicht einmal ein Drittel wiederverwertet wird. Der Rest landet auf Müllkippen oder in der Umwelt, vorzugsweise im Meer. Im Pazifik treibt eine Müllinsel, die viereinhalb Mal so groß ist wie Deutschland, fand ein Forscherteam Anfang des Jahres heraus.

EU will gängige Plastik-Produkte verbieten

Die EU will Einweggeschirr, Trinkhalme, oder auch Wattestäbchen aus Plastik verbieten – für alles gibt es umweltfreundlichere Alternativen, andere Produkte sollen mit Warnhinweise versehen werden, die auf die Gefahr für die Umwelt hinweisen. Nur wann die Verabschiedung der Richtlinie und eine mögliche Umsetzung erfolgen, ist noch unklar. Experten gehen von mehreren Jahren aus.

Nicht auf der EU-Liste enthalten sind jedoch Coffee-to-go-Becher, die vielen Umweltschützern ein Dorn im Auge sind. Alleine in Bremen landen laut Bund für Umwelt und Naturschutz jährlich rund 23 Millionen der Einwegbecher im Müll, das entspricht knapp 63.000 Bechern pro Tag – alle versehen mit einem Plastikdeckel.

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In unserer Wochenserie werden wir uns daher mit der kompletten Bandbreite von Plastik beschäftigen: Ich besuche Supermärkte und die immer beliebter werdenden Unverpackt-Läden, ebenso wie Drogerien, den Wochenmarkt und Modegeschäfte. Wo sind die Probleme im alltäglichen Leben bei der ­Umstellung auf ein möglichst plastikfreies Leben – und wie kann man sie umgehen? Im Tagebuchformat berichte ich in der kommenden Woche täglich von den Problemen und den möglichen Verstößen gegen mein plastikfreies Leben.

Teil 1 des Selbstversuchs: In Bremens plastikfreiem Himmel

Teil 2: Plastikfreies Leben: Ein fast hoffnungsloses Unterfangen

Teil 3 Fehler aus Bequemlichkeit

Teil 4: Plastikfreies Leben: Vom Stand direkt in den Beutel

Teil 5: Ein glücklicher Abschluss

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