Weyher Theater: Zum Tode von Frank Pinkus

Trauer um Frank Pinkus

Tiefer Schock und große Trauer beherrschen dieser Tage alle Angehörigen des Weyher Theaters und auch Teile der Weyher Bürger: Dramaturg, Regisseur und Schauspieler Frank Pinkus starb vergangenen Donnerstag.
20.09.2021, 17:53
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Trauer um Frank Pinkus
Von Maike Plaggenborg

Weyhe. Die Weyher-Theater-Familie hat eines ihrer Mitglieder verloren. Der Schock seiner Weggefährten dort sitzt wenige Tage nach dem überraschenden Tod von Dramaturg, Regisseur, Autor und Schauspieler Frank Pinkus noch spürbar tief. Mit dem Leben auf der Bühne soll es aber zeitnah weitergehen. "Wir werden in seinem Sinne weitermachen", sagt Theater-Geschäftsführer Heinz-Hermann Kuhlmann.

Von einem "schweren Schlag" sowohl für das Theater als auch für die Kollegen wie insbesondere auch für seine eigene Familie und sich selbst spricht Kuhlmann. Pinkus habe, auch trotz Krankheitsproblemen, immer ein offenes Ohr gehabt, sei sehr hilfsbereit gewesen – "ein wirklich einfühlsamer Mensch", so Kuhlmann. "Ich habe so einen noch nicht kennengelernt."

"Er war mein bester Freund, mein Seelenverwandter", sagt Intendant Kay Kruppa über die Beziehung zu dem Verstorbenen. 21 Jahre lang habe er mit ihm Theater gemacht und Pinkus hinterlasse im Beruflichen wie im Privaten eine große Lücke. "Er war Teil meiner Familie", so Kruppa. "Ich habe ihn immer großer Bruder genannt." Angehörige habe Pinkus nicht gehabt. Kruppa zeigte sich sehr dankbar, "dass ich diesen Menschen in meinem Leben hatte". 14 neue Stücke hätten sie gemeinsam zuletzt während des Lockdowns geschrieben und überhaupt viele Pläne gemacht. "Wir werden Franks Erbe in Ehren halten", sagt Kruppa.

Wie bereits berichtet, war Pinkus am Donnerstagabend während der Vorpremiere des Stücks "Und immer wieder zahlt das Amt" auf der Bühne des neuen Standorts im Bremer Tabakquartier zusammengebrochen. Zwei Ersthelfer hatten zunächst eingegriffen, bis der Notarzt eintraf. Die Reanimierungsversuche halfen nicht. Pinkus starb.

Pinkus, 1959 in Hamburg-Harburg geboren, war Kuhlmann zufolge als Lektor und Dramaturg bei dem Norderstedter Unternehmen VVB (Vertriebsstelle und Verlag Deutscher Bühnenschriftsteller und Bühnenkomponisten GmbH) tätig gewesen, als er Kay Kruppa, Intendant des Weyher Theaters, im Bremer Packhaustheater kennenlernte. "So ist er ans Haus gekommen", berichtet Kuhlmann. Das war 2002. Er wurde nicht nur Teil des Theaters, sondern auch Bürger von Weyhe. Doch seine Theaterlaufbahn begann schon früher. 1978 gründete er in Hamburg "Die kleine Bühne Harburg“, mit der er als Darsteller, Regisseur und Autor 25 Jahre lang erfolgreich war, teilt das Weyher Theater mit. Nach dem Studium an der Uni Hamburg (Germanistik, Philosophie und Erziehungswissenschaften) war er außerdem als Dramaturg am Altonaer Theater tätig.

"Er ist aber vor allem als überall im deutschsprachigen Raum gefragter Boulevard- und Kinderstück-Autor bekannt geworden", heißt es. Auch für das Weyher Theater hat er einige Stück verfasst. Dazu hat er dort viele Inszenierungen erarbeitet. Ebenso war er in einigen dieser Stück als Schauspieler zu sehen. In der Saison 2020/2021 spielte er in der musikalischen Komödie „Bella Italia“ in Weyhe und sollte im Boulevardtheater Bremen in Michael Cooneys Farce „Und immer wieder zahlt das Amt“ mitwirken. Gemeinsam mit Intendant Kruppa hat Pinkus im Jahr 2018 für seine Arbeit am Weyher Theater den Kulturpreis des Landkreises Diepholz bekommen. 

Pinkus Rolle als Norman Bassett in dem Bremer Stück übernimmt nun Andreas Eckel. Derzeit ruht der Betrieb in dem Boulevardtheater dort, wo am vergangenen Freitag die Eröffnung mit der Premiere des genannten Stücks hätte stattfinden sollen. Sie wird nun verlegt auf Mittwoch, 29. September. Dann allerdings mit einem Soft-Opening statt mit einer großen Feier. "Danach ist uns allen nicht", sagt Kuhlmann. An diesem Dienstag sollen die Umsetzungsproben für das zweite Stück "Kalenderboys", das am 8. Oktober am neuen Standort Premiere hat, starten.

Gezeigt wurden Pinkus' Stücke unter anderem auch an der Niederdeutschen Bühne in Wilhelmshaven, die seine Werke auf Plattdeutsch aufgeführt hatte. Dort war Sprecher Gelhart seinerzeit tätig. Pinkus kontaktierte ihn und lud ihn zum Spielen nach Weyhe ein. So wurde Gelhart schließlich Berufsschauspieler, wie er sagt, was er ohne Pinkus' Zutun nicht geworden wäre. Gelhart zeigt sich dankbar gegenüber seinem "väterlichen Freund", der ihm mit Rat und Tat zur Seite stand. Auch die Reaktionen außerhalb des Theaters, mehr als 1100 sind es Gelhart zufolge in verschiedenen Online-Kanälen, sind "unfassbar". "Schön, dass da so eine überbordende Anteilnahme in der Bevölkerung ist" – und das nicht nur von Theatergängern, auch aus der Kaufmannschaft beispielsweise und von Menschen, die Kommentare bei Facebook oder im Gästebuch der Theater-Internetseite hinterließen.

Auch die Gemeinde Weyhe trauert zusammen mit dem Weyher Theater um Pinkus. Er sei eine große Persönlichkeit der hiesigen Kulturszene gewesen, heißt es aus der Verwaltung. Er habe das Theater "durch seine Anziehungskraft weit über Weyhe hinaus als überregionaler Werbebotschafter für die Gemeinde etabliert". "In Gedanken bin ich bei seiner Familie. Mein Mitgefühl gehört außerdem allen Kolleginnen und Kollegen beider Theater, die ohnehin schon eine schwere Zeit durchmachen mussten“, lässt Weyhes Bürgermeister Frank Seidel auch mit Blick auf die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie wissen.

Als tröstend empfindet Kuhlmann, dass Pinkus, das "absolute Theater- und Kunstgenie" dort gestorben sei, "wo seine Welt war" – auf der Bühne nämlich. Und dort soll es für alle Mitwirkenden weitergehen. "Wir sind sicher, dass Frank gewollt hätte, dass wir den Vorstellungsbetrieb – soweit es geht – aufrechterhalten", teilt das Theater mit. "Wir müssen das für ihn einfach schaffen", sagt Kuhlmann.

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