Drei Menschen müssen sich verantworten, der Prozess gegen die mutmaßlichen Haupttäter steht noch aus

Gericht geht Freiheitsberaubung in einem Jugendheim nach

Achim/Blender. Mussten Jugendliche nur mit Unterhose bekleidet tagelang in einem Zimmer ausharren, in dem es teilweise kaum Tageslicht gab und nur eine Matratze als Einrichtung blieb? Dieser Frage geht zurzeit das Amtsgericht Achim nach. Es geht um eine Betreuungseinrichtung in Blender: Das inzwischen nicht mehr bestehende Heim namens Phönix hat unter anderem schwer erziehbare Jugendliche betreut, war aber keine nach dem Gesetz geschlossene Einrichtung.
28.03.2017, 00:00
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Von Tina Hayessen

Achim/Blender. Mussten Jugendliche nur mit Unterhose bekleidet tagelang in einem Zimmer ausharren, in dem es teilweise kaum Tageslicht gab und nur eine Matratze als Einrichtung blieb? Dieser Frage geht zurzeit das Amtsgericht Achim nach. Es geht um eine Betreuungseinrichtung in Blender: Das inzwischen nicht mehr bestehende Heim namens Phönix hat unter anderem schwer erziehbare Jugendliche betreut, war aber keine nach dem Gesetz geschlossene Einrichtung. Entsprechend hätten die Bewohner das Haus verlassen können müssen. Doch laut der Aussagen einiger junger Bewohner gab es einen sogenannten Zimmerbunker. Dieser sei als Strafe verhängt worden. War es eine Form von simplem Hausarrest oder ging es um Freiheitsberaubung? Das wurde an diesem Verhandlungstag allerdings noch nicht klar. Außerdem saßen am Montag erst einmal drei Menschen vor Gericht, die nicht zu den mutmaßlichen Haupttätern zählen. In zwei Fällen wurde die Verfolgung der Straftat – einmal unter der Auflage, eine Zahlung an die Landeskasse zu leisten – eingestellt, diese Lösung bat die Staatsanwältin auch der dritten Angeklagten an. Doch sie betont ihre Unschuld, will einen Freispruch.

In dem ersten der beiden Verfahren, bei denen Andreas Minge als Richter vorsaß, war die ehemalige Hauswirtschafterin der Einrichtung angeklagt. Die 47-Jährige soll Beihilfe zur Misshandlung von Schutzbefohlenen geleistet haben, also tatenlos dabei zugesehen haben, wie die Erzieher den Jugendlichen Strafen auferlegen, die nicht mit dem Gesetz im Einklang stehen. Es ging immer wieder um den „Zimmerbunker“. Wie die Staatsanwältin zu Beginn in der Anklageschrift festhielt, soll das der in der Einrichtung übliche Terminus für eine Art Arrest gewesen sein. Dabei ist strittig, ob es in den hier verhandelten Fällen um einige Tage, Wochen oder sogar über zwei Monate ging. Die Opfer kamen zunächst nicht in den Zeugenstand. Ein Jugendlicher, der mutmaßliche Geschädigte in der ersten Verhandlung, fehlte aus gesundheitlichen Gründen. Im zweiten Fall habe das mutmaßliche Opfer laut Staatsanwältin „keinen Bock" gehabt, vor Gericht zu erscheinen.

In vorherigen Befragungen hatte der jetzt 22-Jährige davon berichtet, in einem abgedunkelten Zimmer gehaust zu haben. Die Taten liegen allerdings schon eine ganze Weile zurück. 2009 und 2010 sollen sie begangen worden sein. Weil sie nicht als Erzieherin tätig war und entsprechend vor allem zugeschaut haben soll, wie die Jugendlichen möglicherweise zu restriktiv festgehalten worden sind, wurde von der Verfolgung der Klage abgesehen. Darauf konnten sich Verteidiger, Staatsanwältin und Richter einigen. Die 47-Jährige muss 750 Euro an die Landeskasse zahlen. Noch glimpflicher ging die Sache für einen jetzt 30-Jährigen aus, der eine Tätigkeit ähnlich eines Hausmeisters in der Einrichtung ausgeübt hatte. Sein Verfahren wurde ohne Auflagen eingestellt. Die dritte Angeklagte, eine jetzt 42-jährige Erzieherin, will die Vorwürfe nicht auf sich sitzen lassen und möchte lieber einen Freispruch. Die im Prozess genannten Verantwortlichen, die tatsächlich die Strafen für die Jugendlichen ausgesprochen haben sollen, stehen noch nicht vor Gericht. Es ist davon auszugehen, dass diese Fälle bald vor dem Landgericht verhandelt werden.

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