Weltfrauentag Der stetige Kampf um Parität

Seit über 100 Jahren dürfen Frauen wählen. Im Bundestag und anderen politischen Gremien sind sie jedoch nach wie vor die Minderheit. Darum geht es zum Weltfrauentag bei zwei Veranstaltungen im Verdener Kino.
11.02.2022, 16:56
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Der stetige Kampf um Parität
Von Marie Lührs

Vor über 100 Jahren stritt die Verdenerin Anita Augspurg für das Frauenwahlrecht. Gemeinsam mit Gleichgesinnten forderte sie außerdem das Recht auf Abtreibung und Parität in der Politik. Zumindest das Wahlrecht erreichten die Vorreiterinnen, doch viele andere Forderungen sind auch Jahrzehnte später genauso aktuell. Darum, was sich getan hat und was noch getan werden muss, geht es bei zwei Veranstaltungen, die das Frauenbündnis Internationaler Frauentag und der Verein Anita Augspurg Verden gemeinsam erarbeitet haben. Am Freitag, 11. März, ist im Cine City eine Dokumentation über Parlamentarierinnen in der Bonner Republik zu sehen. Einen Tag später folgt eine prominent besetzte Talkrunde, ebenfalls im Kinosaal. Anlass ist der Weltfrauentag, der bereits am 8. März stattfindet.

"Anita Augspurg würde die aktuelle Situation so nicht dulden", ist Christine Borchers, Gleichstellungsbeauftragte beim Landkreis und Teil des Organisationsteams, überzeugt. Im aktuellen Kreistag liegt der Frauenanteil bei 33 Prozent. Im Bundestag sank er zuletzt auf 31 Prozent – damit sei er unter den Stand der 1990er-Jahre gefallen. "Wir waren schonmal deutlich besser", findet auch Eva Hibbeler, die für die SPD im Kreistag sitzt. Ein Problem sei, dass viele junge Frauen das Gefühl hätten, bereits gleichberechtigt zu sein. "Erst mit der Zeit merken sie, wie sie beispielsweise bei Beförderungen übergangen werden", nennt die Mitorganisatorin ein Beispiel. Es gebe allerdings auch viele junge Frauen, die sich sehr wohl lautstark und engagiert für ihre Rechte einsetzen, findet Kathrin Packham. Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Verden ist ebenfalls Teil des Frauenbündnisses. 

"Frauen werden noch heute blöde angemacht oder angetatscht", kritisiert Eva Hibbeler vom Frauenbündnis. Gerade im Internet würden insbesondere Frauen wüst beschimpft. "Da überlegt man sich, ob man noch den Mund aufmacht", zeigt die SPD-Politikerin Verständnis für Betroffene. 

Mit Hasstiraden, wegen derer beispielsweise die ehemalige Landwirtschaftsministerin Renate Künast (Die Grünen) erfolgreich vor das Bundesverwaltungsgericht gezogen war – mussten sich die Protagonistinnen der Dokumentation "Die Unbeugsamen" nicht herumschlagen. "Als Pionierinnen erkämpften sie sich nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Beteiligung an demokratischen Entscheidungsprozessen gegen machtverwöhnte Männer", heißt es in der Ankündigung. Vorurteile und sexuelle Diskriminierung stellten auch sie immer wieder vor große Herausforderungen. 

Eine der Frauen, die in der Dokumentation sowohl in historischen Aufnahmen als auch in aktuellen Interviewausschnitten zu sehen ist, ist Christa Nickels. Die Grünen-Politikerin wird nicht nur auf der Leinwand, sondern auch bei der morgendlichen Talkrunde auf der Bühne zu sehen sein. Auf die Gäste, die sie für das Gespräch gewinnen konnten, sind die Organisatorinnen besonders stolz. Neben Nickels werden die ehemalige niedersächsische Frauenministerin Christina Bührmann (SPD), die Bundestagsabgeordnete und ehemalige Generalsekretärin Linda Teuteberg (FDP) sowie die beiden niedersächsischen Landtagsabgeordneten Colette Thiemann (CDU) und Dörte Liebetruth (SPD) an der Diskussionsrunde teilnehmen. Als Moderatorin ist die Journalistin Antje Diller-Wolff dabei. Und dann gibt es noch eine Gästin: Anita Augspurg. Natürlich wird die Frauenrechtlerin nicht persönlich anwesend sein, ist sie doch schon lange tot. Stattdessen schlüpft die Schauspielerin Birgit Scheibe, die sie schon im Stück „Neunzehn Eins Neunzehn Neunzehn“ gespielt hat, in die Rolle der Feministin. Gemeinsam gehen die Frauen der Frage nach, was Feministinnen bereits erreicht haben und wo noch Handlungsbedarf besteht. 

Lesen Sie auch

Vor welchen Herausforderungen Frauen stehen, die Familie, Beruf und womöglich noch ein Ehrenamt unter einen Hut bringen wollen, weiß Eva Hibbeler zur Genüge. "Ich bin gelernte Krankenschwester", erzählt sie. Ohne die Unterstützung ihres Mannes hätte sie ihr politisches Engagement nicht mit Arbeit und Kindern vereinbaren können. Und genau das sei auch der Punkt: Es werde oft als selbstverständlich hingenommen, dass Frauen ihren Männern den Rücken freihalten. Die alten Strukturen sehen allerdings keineswegs umgedrehte Rollen vor. Ein in der Politik tätiger Vater werde nicht gefragt, wie er Familie und Beruf unter einen Hut bekomme, eine Politikerin höre diese Frage hingegen öfter. 

"Es hat sich schon deutlich etwas verändert", sagt Hibbeler, aber das sei noch nicht genug. Das erklärte Ziel sei Parität – 50 Prozent Frauen, 50 Prozent Männer in politischen Gremien. "Die Zukunft muss von Frauen und Männern gleichberechtigt gestaltet werden", sind sich die Frauen einig. 

Die Filmvorführung am 11. März beginnt um 20 Uhr. Der Eintritt kostet fünf Euro. Anmeldungen sind unter www.tinyurl.com/film-die-unbeugsamen möglich. Die Talkrunde am Sonnabend beginnt um 11 Uhr. Auch hierfür sind Anmeldungen erforderlich. Sie sind unter www.tinyurl.com/talkrunde-die-unbeugsamen erhältlich. Der Eintritt hierzu kostet einen Euro. Wer keinen Internetzugang hat, kann sich auch direkt ans Kino wenden.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+