Benefizspiel gegen Blutkrebs Zwei Handballer, zwei Lebensretter

Vor dem Bundesliga-Benefizspiel am Sonntag in Verden werben Frank Oetting (TSV Intschede) und Nick Neumann (HSG Verden-Aller) für die Knochenmarkspende. Sie wissen, wovon sie sprechen.
26.07.2017, 16:39
Lesedauer: 5 Min
Zur Merkliste
Zwei Handballer, zwei Lebensretter
Von Peter Voith

Verden/Luttum/Intschede. Jeder der beiden Handballer hat ein Leben gerettet. Frank Oetting (50) ist Vorsitzender des TSV Weserstrand Intschede. Er beschreibt den Aufwand für die Lebensrettung so: „Wirklich für nichts. Du hast hinterher zwei Tage lang so was ähnliches wie Muskelkater.“ Nick Neumann (26), zwölf Jahre lang aktiver Handballer und Mitglied der Handball-Spielgemeinschaft (HSG) Verden-Aller, erinnert sich an die Tage nach der kurzen Operation so: „Als wenn du zwei, drei Tage eine Prellung hast, nachdem du dich an einer Tischkante gestoßen hast. Total locker.“ Beide werben jetzt dafür, dass am kommenden Sonntag möglichst viele Menschen ab 14 Uhr in die Verdener Aller-Weser-Halle kommen, um sich für die Deutsche Knochenspender-Datei (DKMS) registrieren zu lassen – und um sich ab 16 Uhr das von ihren beiden Vereinen organisierte Benefizspiel der beiden Bundesligisten GWD-Minden gegen den Wilhelmshavener HV anzuschauen (Karten gibt es unter anderem sowohl bei den VERDENER NACHRICHTEN als auch an der Tageskasse).

Beide haben jeweils ein Menschenleben gerettet, indem sie Knochenmark für die Deutsche Knochenmark-Spenderdatei (DKMS) spendeten: Sie betonen immer wieder, wie einfach das sei. Oetting, Lagerleiter in einem Bremer Betrieb, half im Sommer 2008 einem damals 17-jährigen Mädchen, das an Blutkrebs erkrankt war und schon mehrere vergebliche Chemotherapien und Knochenmarkspenden hinter sich hatte. Doch durch seine Spende wurde das Mädchen wieder komplett gesund. Heute als 26-Jährige hat sie einen Beruf und betreibt in Hamburg sogar wieder Leistungssport (Schwimmen), weiß Oetting von Briefen, die sich Spender und Patient ab und zu schreiben. Nick Neumann half gerade vor rund zwei Monaten einem an Leukämie erkrankten 25-jährigen Mann aus Italien, der nun quasi auf eine Wiedergeburt hoffen darf. Der Industriekaufmann aus Luttum erfährt Ende August von der DKMS, ob die Therapie bei dem jungen Mann angeschlagen hat.

Zwei Stäbchen und ein Abstrich

Was ist das für ein Gefühl, wenn man mit so einem geringen Aufwand ein Menschenleben retten kann? Nick Neumann, dessen Oma an Krebs erkrankt war und der sich auch deshalb schon als 18-Jähriger im Verdener Gymnasium am Wall (GaW) bei der DKMS registrieren ließ, sagt: „Einfach total geil. Du fühlst dich irgendwie wie ein König.“ Vor allem, wenn man bedenke, wie wenig Aufwand es koste, Leben retten zu können: Bei der Typisierung werde mit zwei Wattestäbchen ein Abstrich an der Wange gemacht. Und man müsse einen Gesundheitsbogen ausfüllen. Nick Neumann: „Zwei-Minuten-Sache. Echt nix.“

Nachdem dieses Prozedere über die Bühne gegangen war, hörte Neumann lange Zeit nichts von der DKMS. Was nicht weiter verwundert, zumal die Wahrscheinlichkeit, tatsächlich zum Spender zu werden, gering ist. Die DKMS schreibt auf ihrer Homepage dazu: „Nach unserer Erfahrung kommt es bei höchstens fünf von hundert potenziellen Stammzellspendern innerhalb der nächsten zehn Jahre zu einer Stammzellspende. Für junge Spender beträgt die Wahrscheinlichkeit etwa ein Prozent innerhalb des ersten Jahres nach der Typisierung.“

Bei Nick Neumann dauerte es zwei Jahre, bis er zum ersten Mal Post von der DKMS bekam. Inhalt der Nachricht: Sein Knochenmark könnte für einen Patienten passen. Doch nachdem er sich dann beim Hausarzt Blut hatte abnehmen lassen und dies genauer untersucht worden war, passte es doch nicht. Das selbe Prozedere noch einmal 2016. Wieder passte es nicht. Dann im April 2017 bekam er einen Anruf von der DKMS: Jetzt könne mit ihm tatsächlich ein genetischer Zwilling, der an Blutkrebs erkrankt sei, gefunden worden sein. Und tatsächlich: Alle Untersuchungen verliefen positiv. Neumann wurde noch einmal gefragt, ob er jetzt tatsächlich spenden wolle. „Darüber hab ich nicht eine Sekunde nachgedacht. Das war für mich total klar, dass ich das machen werde.“

Kostenloser Gesundheitscheck

Es folgten zwei Aufenthalte im Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf. Beim ersten wurde er total durchgecheckt. „Das war wie ein kostenloser Gesundheitscheck“, erinnert sich Neumann. Drei Wochen später dann die Operation, genauer: die gut einstündige Knochenmarkentnahme aus dem Becken (und nicht, wie viele fälschlicherweise glauben, aus dem Rückenmark). Er blieb danach noch drei Tage im Krankenhaus und wurde dann entlassen. An den Krankenhausaufenthalt hat der 26-jährige Industriekaufmann nur positive Erinnerungen: „Man wird dort super behandelt, man erfährt so viel Zuneigung von den dortigen Krebs-Patienten und dem Personal. Die haben alle gesagt: Finden wir toll, dass du das machst für einen wildfremden Menschen.“

Jetzt hofft Neumann, dass sein Knochenmark dem 25-jährigen Italiener tatsächlich das Leben rettet. Zwei Jahre lang sei er jetzt nur für diesen Patienten „geblockt“, darf also solange für keinen anderen Patienten spenden. Denn es könne sein, dass er noch mal spenden müsse, falls die Therapie nicht wie gewünscht anschlage. „Dann fahr‘ ich eben noch mal nach Hamburg. Überhaupt kein Ding.“

Über die Leute bei der DKMS gerät Neumann fast schon ins Schwärmen: „Die umsorgen und betreuen einen so, dass es einem fast schon peinlich ist.“ Erst vor wenigen Tagen bekam er mit der Post einen großen Präsentkorb von der DKMS, den er erst aufmacht, als ihn unser Fotograf darum bittet. Bis dato hatte er durch die Folie lediglich gesehen, dass eine Flasche Wein drin ist – und ein Süßigkeiten-Herz mit der Aufschrift „DANKE“. Aber noch etwas anderes ist unter anderem dabei: eine rote Kaffeetasse mit dem Schriftzug „Held gefunden – dkms.de“.

Am kommenden Sonntag jedenfalls guckt er sich die Begegnung der Handball-Bundesligisten an – gemeinsam mit seinem Bruder Nils, seinen Freunden und Cousins: „Die kommen alle mit, um sich registrieren zu lassen. Und ich hoffe mal, dass sich da auch noch ein paar andere Leute blicken lassen.“

Das hofft auch Frank Oetting aus Intschede. Der Chef des TSV Intschede, der schon seit Jahren für die DKMS ehrenamtlich aktiv ist, hat das Benefizspiel für die DKMS organisiert. Er ist Vater einer Tochter und eines Sohnes (22 und 19 Jahre alt). Und wie beschreibt er heute das Gefühl, vor gut neun Jahren einem damals 17-jährigen Mädchen wieder ein normales und gesundes Leben ermöglicht zu haben? Einen Moment denkt er nach und sagt dann: „Es ist fast so, als hätte ich eine zweite Tochter.“

Benefizspiel gegen Blutkrebs An diesem Sonntag, 30. Juli, werden Erinnerungen an die Handball-Bundesliga-Zeiten des TSV Verden wieder wach. In der Aller-Weser-Halle, der größten Halle des Landkreises Verden, treffen um 16 Uhr der Bundesligist GWD Minden und der Zweitligist Wilhelmshavener HV aufeinander. Organisiert wurde das Spiel von den beiden Vereinen TSV Weserstrand Intschede und HSG Verden-Aller. Die Karten kosten zehn Euro (Erwachsene) beziehungsweise sechs Euro (Kinder und Jugendliche). Die Einnahmen kommen der Deutsche Knochenmark-Spenderdatei (DKMS) zugute. Ab 13.30 Uhr ist Einlass. Danach stehen sich im Vorspiel die männlichen C-Jugend-Mannschaften der HSG Verden-Aller und der HSG Schwanewede/Neuenkirchen gegenüber. Ab 14 Uhr findet zudem eine Typisierungsaktion der DKMS statt, bei der sich grundsätzlich jeder im Alter zwischen 17 und 55 Jahren registrieren lassen kann – Abstrich mit zwei Wattestäbchen, und fertig! Karten für das Ereignis in der Aller-Weser-Halle gibt es an der Tageskasse, im Vorverkauf bei den VERDENER NACHRICHTEN, der Verdener-Aller-Zeitung, bei Silkes Blumeneck in Langwedel, beim Intscheder Bauernhof-Eis (An der Aue 16 in Intschede) sowie auf den Facebookseiten des TSV Intschede und der HSG Verden-Aller.
Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+