Corona-Pandemie Novavax-Impfungen starten in Bremen: Wie wirkt Nuvaxovid?

Ab Dienstag sollen erste Corona-Impfungen mit dem Präparat des US-Herstellers Novavax in Bremen durchgeführt werden. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum neuen "Totimpfstoff".
01.03.2022, 06:38
Lesedauer: 4 Min
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Von Jan-Felix Jasch Bastian Angenendt-Eiserbeck
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Corona-Schutzimpfungen mit dem neu zugelassenen Impfstoff des Herstellers Novavax sind in manchen Städten in Niedersachsen und Bremen von Dienstag an möglich. So können sich Menschen zum Beispiel in Braunschweig, Bremen und Bremerhaven mit dem Proteinimpfstoff impfen lassen. Das neue Präparat wird zunächst nur für Erstimpfungen verwendet, wie das Bremer Gesundheitsressort mitteilte. Nach einer Wartezeit von drei Wochen ist demnach eine Zweitimpfung möglich.

Eine Kombination mit anderen Impfstoffen wie den mRNA-Impfstoffen von Biontech und Moderna ist zunächst nicht vorgesehen. Viele Politikerinnen und Politiker hoffen, dass das Novavax-Mittel eine Alternative ist für Menschen, die sich nicht mit einem mRNA-Impfstoff impfen lassen möchten.

Die Gesundheitsminister der Länder hatten sich dafür ausgesprochen, das Präparat zunächst ungeimpften Beschäftigten im Gesundheitswesen anzubieten. Novavax könnte eine Alternative für diejenigen sein, die Vorbehalte gegen die mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna haben. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum neuen Impfstoff:

Was ist am Novavax-Imfpstoff anders als etwa bei Biontech?

Das Vakzin von Novavax ist ein sogenannter Proteinimpfstoff, für den eine Zulassung beantragt worden ist. Das Produkt mit dem Namen Nuvaxovid (NVX-CoV2373) enthält winzige Partikel, die aus einer im Labor hergestellten Version des Spike-Proteins von Sars-CoV-2 bestehen. 

Proteinimpfstoffe enthalten abgetötete Krankheitserreger, die sich nicht mehr vermehren können. Diese werden vom Körper als fremd erkannt und regen das körpereigene Abwehrsystem zur Antikörperbildung an, ohne dass die jeweilige Krankheit ausbricht. Zu den Totimpfstoffen gehören auch Vakzine gegen Diphtherie, Hepatitis B, Kinderlähmung, Keuchhusten und Tetanus.

Nuvaxovid ist der einzige Impfstoff dieser Art, bei den Präparaten von Biontech und Moderna handelt es sich um mRNA-Vakzine; Johnson & Johnson und Astra-Zeneca sind Vektor-Impfstoffe. 

Was ist über die Wirksamkeit von Novavax bekannt?

Die Wirksamkeit von Nuvaxovid liegt nach Angaben des Herstellers bei 90,4 Prozent. Eigenen Angaben zufolge hat Novavax sein Vakzin auch erfolgreich bei Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren getestet. Die Wirksamkeit des Mittels liege nach den Ergebnissen einer Phase-3-Studie bei 82 Prozent, teilte der Hersteller am vergangenen Freitag mit. An der Studie nahmen rund 2247 Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren in den USA teil – allerdings zu einer Zeit, als die Delta-Variante des Virus noch vorherrschend war, nicht die Omikron-Variante. Die Impfung sei gut vertragen worden.

Innerhalb der kommenden Wochen wolle man sich um eine Zulassung für diese Altersgruppe bemühen, hieß es von Novavax. In Europa ist der Novavax-Impfstoff für Erwachsene bereits zugelassen, in den USA wird eine Zulassung derzeit geprüft.

Wer wird mit Novavax geimpft?

Zugelassen ist das Mittel für alle ab 18 Jahren – in Frage komme es aber nur für Menschen, die bisher gar nicht gegen Corona geimpft seien, sagte Niedersachsens Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD). Eine Kreuzimpfung mit Biontech oder Moderna sei nicht vorgesehen. Auch die Bremer Gesundheitsbehörde hat den Novavax-Impfstoff nur für Ungeimpfte vorgesehen.

Wann soll es den Novavax-Impfstoff in Bremen und Niedersachsen geben?

Das hängt davon ab, wann die ersten Lieferungen eintreffen, möglicherweise aber direkt am 21. Februar, so war es der ursprüngliche Plan.

Seit 9. Februar kann man sich in Bremen für Novavax-Impfungen registrieren lassen. Bis zum 16. Februar machten davon laut Gesundheitsbehörde 626 Bremerinnen und Bremer Gebrauch. 506 Anmeldungen gab es aus Bremen, 120 aus Bremerhaven. Registrierungen in Niedersachsen waren schon eine Woche vorher möglich, rund 5900 Menschen hatten sich bis zur zweiten Februar-Woche einen Termin gesichert.

Welche Nebenwirkungen ruft der Novavax-Impfstoff hervor?

Von Studienteilnehmern ist das Vakzin nach Herstellerangaben mehrheitlich gut vertragen worden. Probanden berichteten teilweise über zeitweilige Schmerzen an der Einstichstelle sowie Müdigkeit, Kopf- und Muskelschmerzen. Auch der Impfstoff von Novavax wird in zwei Dosen verabreicht, als Abstand zwischen den Impfungen genügen drei Wochen. 

Welche Vorteile bietet Vakzin von Novavax?

In das Vakzin werden große Hoffnungen für das Covax-Programm gesetzt, das auch ärmeren Ländern einen Zugang zu Impfstoffen garantieren soll. Der Impfstoff lässt sich bei Kühlschranktemperatur lagern, was die Logistik erleichtert. Zudem forscht der Hersteller an einer kombinierten Grippe- und Corona-Impfung, sodass es möglich werden könnte, mit einer Impfung gegen beide Krankheiten immun zu werden.

Wie wirkt Nuvaxovid gegen die Omikron-Variante des Coronavirus?

Laut dem Unternehmen Novavax ist der Schutz vor Virusvarianten hoch. Auch die Schutzwirkung vor der neuen Virusvariante Omikron werde derzeit geprüft und der Impfstoff gegebenenfalls angepasst.

„In den Zulassungsstudien zeigte der Impfstoff eine mit den mRNA-Impfstoffen vergleichbare Wirksamkeit“, erklärte die Ständige Impfkommission (Stiko). Zur klinischen Wirksamkeit gegen die Omikron-Variante könnten aber noch keine Aussagen getroffen werden.

Was sagt die Stiko?

Sie hat sich für die Corona-Impfung mit dem Novavax-Vakzin für Menschen ab 18 ausgesprochen. Zudem befürwortet sie eine zweite Auffrischimpfung für gesundheitlich besonders gefährdete und exponierte Gruppen. Der Novavax-Impfstoff solle neben den bisherigen Covid-19-Impfstoffen zur Grundimmunisierung mit zwei Dosen im Abstand von mindestens drei Wochen bei volljährigen Menschen eingesetzt werden. Für Schwangere und Stillende werde der Impfstoff aktuell jedoch nicht empfohlen.

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