Feuerwerk in Bremen-Nord Diskussion über Verbotszonen für Silvesterfeuerwerk

Insbesondere am Vegesacker Bahnhofsplatz und an der Grohner Düne wird zu Silvester viel geböllert. Eine vom Innensenator gegründete Arbeitsgruppe wird demnächst über Verbotszonen beraten.
30.07.2020, 05:00
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Diskussion über Verbotszonen für Silvesterfeuerwerk
Von Jean-Pierre Fellmer

Es knallt, es leuchtet, es stinkt. Für den einen ist Feuerwerk ein wichtiger Teil der Silvestertradition, für den anderen eine Belastung für Mensch, Tier und Umwelt. Aber nicht nur das: Es kommt regelmäßig zum Missbrauch von Feuerwerk, auch in Bremen-Nord. In der Nacht zu Neujahr 2019 haben etwa 150 junge Männer im Bereich der Grohner Düne Polizeibeamte mit Silvesterböllern angegriffen. Es war nicht der einzige Fall an der Wohnsiedlung in den vergangenen Jahren zum Jahreswechsel.

Die Diskussion um Verbotszonen zum Schutz von Mensch und Tier sowie alten Gebäuden hat im vergangenen Dezember Fahrt aufgenommen. Um das Thema in diesem Jahr rechtzeitig vor Silvester anzugehen, haben die Regierungsfraktionen SPD, Grüne und Linke schon im Februar eine Große Anfrage zum Thema Feuerwerk und Sicherheit gestellt, die der Senat nun beantwortet hat. In der Senatsvorlage heißt es, dass ein Verbot aus Sicht der Polizei unter anderem für den Bahnhof Vegesack in Betracht kommt. Ob die Grohner Düne inbegriffen ist, geht aus der Antwort des Senats nicht hervor.

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Für die Stadtgemeinde Bremen lägen keine Informationen vor, an welchen Orten es vermehrt zu Unfällen oder Verletzungen im Zusammenhang mit Feuerwerk kommt. Laut Senatsantwort fehlt dafür die systematische Erfassung. Verbotszonen für Feuerwerk gibt es bereits in der Hansestadt – etwa am Bremer Rathaus, in der Nähe des Doms sowie in Bremerhaven beim Zoo am Meer. Heiko Dornstedt, Ortsamtsleiter in Vegesack, sieht „keinen Bedarf, über die ohnehin geltenden rechtlichen Beschränkungen hinaus Feuerwerk in der Silvesternacht zu verbieten“.

Eine Verbotszone für die Grohner Düne braucht es laut Dornstedt nicht. Derzeit werde über die Verfügung von Verbotszonen beraten, sagt Rose Gerdts-Schiffler, Sprecherin des Innensenators. „Das Ordnungsamt Bremen kann aus gefahrenabwehrrechtlichen Gründen Verbotszonen ausweisen“, sagt sie. Eine vom Innensenator gegründete Arbeitsgruppe, die mehrere Ressorts umfasst, wird laut Gerdts-Schiffler zeitnah zusammenkommen und darüber beraten. Für welche Orte Verbote infrage kommen, könne sie derzeit noch nicht sagen.

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Insgesamt wächst in der Bevölkerung der Wunsch nach einem Feuerwerkverbot. Laut einer repräsentativen Umfrage des WESER-KURIER aus dem Jahr 2019, an der 843 Personen teilgenommen hatten, halten vier von fünf Befragten ein Böllerverbot für vernünftig. Aus diesem und anderen Gründen wie etwa wegen des Umweltschutzes sei es das Ziel, das private Feuerwerk zu reduzieren, heißt es in der Antwort des Senats auf die Große Anfrage. Die Arbeitsgruppe erarbeite dafür ein Konzept, das eine langfristige Strategie enthalten soll. Es werde aber auch kurzfristige Maßnahmen geben, die schon dieses Jahr greifen sollen, sagt Gerdts-Schiffler.

Brennpunkte mit besonders viel Müll gebe es in Bremen-Nord nicht, sagt Lena Endelmann, Sprecherin der Bremer Stadtreinigung. Es gebe zwar durch das Silvesterfeuerwerk etwas mehr Müll am Bahnhof sowie an größeren Wohnblöcken, das falle aber nicht ins Gewicht. Im Umfeld der Grohner Düne ist es zu mehreren Vorfällen in den vergangenen Jahren gekommen. Neben der Attacke auf die Polizisten an Neujahr 2019 gab es auch beim Jahreswechsel 2016/2017 Ärger. 30 Personen haben damals zwei Streifenwagen mit Böllern und Flaschen angegriffen, die Beamten mussten sich zurückziehen. In der Silvesternacht 2019/2020 kam es zu mehreren Bränden in der Wohnsiedlung – trotz Einsatz der Feuerwehr wurde weiterhin Feuerwerk gezündet.

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Für Blumenthal gibt es laut Ortsamtsleiter Oliver Fröhlich viele kritische Orte, an denen ein Feuerwerksverbot ausgesprochen werden könnte. Fröhlich denkt dabei etwa an Gedenkorte oder auch alte Gebäude. Verbotszonen müssten allerdings auch kontrolliert werden, was in der Gesamtheit nicht möglich sei. „Ich halte wenig von Verboten. Es sollte eher an die Bürgerinnen und Bürger appelliert werden, Rücksicht auf ihre Umwelt zu nehmen“, sagt Fröhlich. Verbotszonen, um Menschenansammlungen zu vermeiden, benötige Blumenthal nicht.

Außerdem könne sich im Fall einer Verbotszone das Problem von einem zum anderen Ort verlagern. Die Bahrsplate sei mit Abstand zur Gedenkstätte tendenziell ein guter Ort für Feuerwerk, da es dort ausreichend Freifläche gebe. Fröhlich könne den Wunsch nach der Silvestertradition nachvollziehen. „Wir müssen aber überlegen, wie wir den Jahreswechsel umweltschonend und friedlich gestalten können.“ Etwa mit Musik oder Lasershows, sagt Fröhlich.

Burglesums Beiratssprecher Martin Hornhues (CDU) sieht das ähnlich. „Ich persönlich hätte nichts gegen ein Verbot, aber ich schaue mir trotzdem gerne Feuerwerke an“, sagt Hornhues. Die Tradition solle nicht einfach so aufgegeben werden. Bürger sollten vielmehr angeregt werden, den Jahreswechsel umweltfreundlicher zu planen, etwa durch zentrale Veranstaltungen in Nachbarschaften. Das schütze auch die Tierwelt. In Burglesum seien keine Verbotszonen notwendig, um den Missbrauch von Feuerwerk einzudämmen. Sie seien höchstens zum Schutz alter Gebäude wie den reetgedeckten Häuser der Lehnhofsiedlung sinnvoll. Die Anwohner hätten sich allerdings bisher selbst organisiert und aufgepasst.

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