Zukunft der maroden Lesumbrücke

Erste Antworten im Sommer

Für viele Pendler ist die Situation der teilgesperrten Lesumbrücke mehr als ärgerlich. Eine schnelle Lösung des Problems aber ist nicht in Sicht. Es werden alle Optionen geprüft - auch ein Neubau.
16.01.2019, 17:03
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Jean-Pierre Fellmer

Jens Deutschendorf wirkt unaufgeregt, die Ernsthaftigkeit des Themas ist ihm jedoch bewusst: „Ich habe mich gerne auf den Weg nach Bremen-Nord gemacht, auch wenn der Anlass kein erfreulicher ist.“ Der Noch-Staatsrat für Bau und Verkehr in Bremen hat am Dienstagabend vor dem Regionalausschuss den aktuellen Stand zur Lesumbrücke der A 27 vorgestellt. Die Brücke war im Dezember kurzfristig teilweise gesperrt worden, da Prüfer bei Materialuntersuchungen gravierende Mängel festgestellt hatten. Dadurch wird sie derzeit zum Nadelöhr für viele Pendler (wir berichteten).

Wie konnte es so weit überhaupt kommen? Deutschendorf erklärt die Hintergründe: Der Verkehr habe bundesweit zugenommen, die Lastwagen seien schwerer geworden. Das Bundesverkehrsministerium habe daher 2011 bekannt gegeben, dass Brücken bundesweit nachgerechnet und überprüft werden sollen. Im Zuge dieser Rechnung seien Materialproben genommen worden, die den Prüfern Anlass zur Teilsperrung des älteren Brückenteils gegeben haben.

Diese Materialproben würden bei routinemäßigen Untersuchungen nicht genommen, da die Entnahme immer eine Beschädigung der Brücke darstellen würde, erklärt Diplom-Ingenieur Thomas Sauer vom Amt für Straßen und Verkehr (ASV), der Deutschendorf bei den technischen Ausführungen unterstützt. Das beantwortet auch die Frage von Hans-Gerd Thormeier (CDU), Beirat Blumenthal, warum die Mängel nicht bei routinemäßigen Prüfungen festgestellt wurden.

Die Einschränkung sei ärgerlich, sagt Deutschendorf – für Pendler und den wirtschaftlichen Verkehr. Deshalb werden derzeit mehrere Handlungsoptionen gleichzeitig geprüft: Es sei nicht unwahrscheinlich, dass ein Neubau der Brücke notwendig werde. Als er auf die Frage antworten möchte, wann eine Brücke denn fertiggestellt sein könnte, gerät er kurz ins Stocken, mit Bedacht sagt er: „Bei der Angabe müssen wir vorsichtig sein, da gibt es unterschiedliche Meinungen. Bei optimalen Abläufen kann die Brücke auch in sechs Jahren fertig sein.“ Das sei aber mit einem Risiko behaftet, es gebe auch Einschätzungen von etwa zehn Jahren Bauzeit. Thomas Pörschke (Grünen), Beirat Vegesack, sieht ein Problem der Finanzierung – Deutschendorf tut das nicht: Er sieht vor allem Knappheit bei den planerischen und personellen Ressourcen.

Lesen Sie auch

In der Zwischenzeit werde über eine Behelfsbrücke nachgedacht. Das führe laut Deutschendorf jedoch zu weiteren Fragen: Wird eine solche Brücke neben oder auf das Bauwerk gesetzt? Das hänge auch stark davon ab, ob es einen Neubau geben soll. „Die Planungen hängen alle zusammen, es gibt laufende Untersuchungen.“ Dies ist wohl auch der Grund, warum die meisten Aussagen vage wirken. Ziel sei es, bis Mitte 2019 Antworten auf diese Fragen zu finden.

Ein weiteres Problem: Behelfsbrücken seien bundesweit derzeit nur mit einer Vorlaufszeit von drei bis sechs Jahren zu bekommen, sagt Sauer. Der Bund mache sein Katastrophenlager jedoch nun für die Länder auf, damit diese auf Großbrücken zurückgreifen können – der Bedarf in Bremen sei schon im Dezember angemeldet worden.

Lesen Sie auch

Der Neubau sei das eine, sagt Martin Hornhues (CDU), Beirat Burglesum, aber wie wolle man die Situation bis dahin verbessern? Derzeit werde laut Deutschendorf geprüft, ob es noch Ressourcen im ÖPNV gibt. Aus der Diskussionsrunde kam daraufhin der Einwand, dass die Nordwestbahn ausgelastet ist, diese Möglichkeit also wegfalle. Es werde außerdem derzeit geprüft, welche Auswirkungen die jetzigen Maßnahmen auf den Verkehr haben, welche alternativen Routen infrage kommen. Die Auswertung erwartet Deutschendorf bis Ende Januar.

Zum Schluss hat Peter Nowack (SPD), Ortsamtsleiter Blumenthal, noch einen Vorschlag: Wie auch andere Beiräte bemerkt hätten, sei die Stelle nicht ungefährlich – auch wegen Unfällen und überhöhter Geschwindigkeit komme es dazu, dass sich der Verkehr auf und vor der Lesumbrücke staut. Er schlage Radarfallen vor, damit die Pendler auch das vorgeschriebene Tempolimit einhalten. Und er fasst zum Leidwesen aller Beteiligten noch einmal zusammen: „Niemand kann zaubern – wir müssen uns jetzt darauf einstellen, dass es jetzt so ist, wie es ist.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+