Blumenthals Beiratssprecher im Interview „In Blumenthal passiert am meisten“

Beiratssprecher Hans-Gerd Thormeier zieht Jahresbilanz: Im Interview spricht er über Fraktionskonflikte, Impulse fürs Blumenthaler Zentrum und den Stadtteil im Vergleich mit anderen Bremer Gebieten.
02.01.2021, 05:59
Lesedauer: 5 Min
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„In Blumenthal passiert am meisten“
Von Christian Weth

Eine Person, dreimal Sprecher: für die Beiratsfraktion, den Beirat und jetzt auch für den Nordbremer Regionalausschuss. Herr Thormeier, was kommt als Nächstes?

Hans-Gerd Thormeier: Aktuell habe ich keine weiteren politischen Ambitionen. Für einen zusätzlichen Posten ist momentan einfach keine Zeit. Schließlich bin auch noch – zumindest kommissarisch – Vorsitzender des Fördervereins der Bürgerstiftung Blumenthal.

Die AfD findet Sie als Sprecher des Regionalausschusses ungeeignet. Sie hätten sich im Streit mit AfD-Vertreterin Natascha Runge schon als Beiratssprecher falsch verhalten. Wie reagieren Sie darauf?

Ich finde, dass an meinem Verhalten nichts auszusetzen war. Als Beiratssprecher habe ich gemacht, was ein Beiratssprecher machen muss: Das Stadtteilparlament zu vertreten. Die AfD hat sich mit ihren internen Querelen selbst in die Sackgasse manövriert.

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Der Beirat hat aber mitgemacht, die internen Probleme nach außen zu tragen...

Im Nachhinein wäre es vielleicht klüger gewesen, wenn der Beirat die Auseinandersetzung von Anfang an als alleiniges AfD-Problem behandelt hätte und die drei fraglichen Ausschüsse nicht aufgelöst hätte. Dann wäre es gar nicht erst zum Rechtsstreit gekommen. Und wir hätten das gleiche Ergebnis, dass wir jetzt haben, schneller gehabt: dass im Sprecher-, im Integrations- und im Wirtschaftsausschuss kein AfD-Vertreter sitzt, weil die sich nicht einigen können, wer sie dort vertreten soll.

Wie ist denn das Verhältnis zwischen Beirat und den AfD-Vertretern heute?

Genauso wie vor dem Rechtsstreit: Es gibt keine Kommunikation, weil die anderen Fraktionen die Zusammenarbeit mit dieser undemokratischen Partei ablehnen.

Und wie läuft es zwischen Ihnen und SPD-Fraktionssprecher Marcus Pfeiff?

Es hat zwischen uns Unstimmigkeiten gegeben. Aber die sind, zumindest aus meiner Sicht, mittlerweile ausgeräumt, sodass es eine gute sachliche Zusammenarbeit gibt.

Und wie steht es mit der guten Freundschaft, wie es sie zwischen ihnen gab, bevor Ortsamtsleiter Peter Nowack abgewählt wurde, was die SPD auch Ihnen angelastet hat?

Ich kann nur sagen, dass ich kein Problem mit Marcus Pfeiff habe. Wir haben gemeinsam das Ziel, Blumenthal voranzubringen. Dass wir in politischen Fragen auch mal unterschiedlicher Meinung sind, liegt in der Natur der Sache. Schließlich sind wir in unterschiedlichen Parteien. Ob er noch ein Problem mit mir hat, sollten Sie ihn fragen.

Warum haben Sie als Beiratssprecher damals eigentlich nicht Nowack einen Hinweis gegeben, dass er sich auf eine Niederlage einstellen sollte – schließlich haben Sie zehn Jahre lang zusammengearbeitet und seinen Einsatz für Blumenthal immer wieder gelobt?

Das mache ich auch weiterhin. In den ersten Jahren hat er den Stadtteil, was die Außenwahrnehmung angeht, tatsächlich vorangebracht. Ich habe aber auch häufiger gesagt, dass an ihm kein Diplomat verloren gegangen ist – und ich mit seiner Amtsführung nicht immer einverstanden war.

Und warum gab es nun keinen Hinweis von Ihnen?

Weil ich fest davon überzeugt bin, dass ihm selbst bewusst war, wie es um seine Aussichten stand. Er kannte ja, nach eigener Aussage, die anderen Kandidaten.

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Wie hat sich denn Nachfolger Oliver Fröhlich aus Ihrer Sicht bisher geschlagen?

Ich bin der Meinung, dass er seine Arbeit bisher sehr gut macht. Er ist strukturiert und schnell in der Umsetzung. Darüber hinaus kann er gut auf Menschen zugehen und bleibt immer sachlich. Unterm Strich kann man sagen, dass das Ortsamt in vielen Angelegenheiten effizienter geworden ist.

In welchen denn?

Zum Beispiel, wenn es darum geht, dass der Beirat eine Stellungnahme abgeben muss. Aber auch im umgekehrten Fall, wenn das Stadtteilparlament eine Erklärung einer Behörde erwartet, um ein Projekt voranbringen zu können.

Manche sagen, dass es für Blumenthal gerade gut läuft, weil dort viele Projekte geplant sind. Was sagen Sie?

Im Moment wird tatsächlich viel im Stadtteil umgesetzt und vorbereitet: Der Bahnhof bekommt ein Geschäftshaus und damit Blumenthal eine attraktive Adresse. Der erste Bauabschnitt des Berufsschulcampus steht kurz vor der Ausführung. Außerdem wird die Initiative Blumenthal mehrere Projekte mit einem Förderbudget von 28.000 Euro anschieben und der Beirat mit 75 000 Euro die Attraktivität der Bahrsplate steigern. Und wenn das Stadtteilzentrum endlich zum Sanierungsgebiet wird, könnten wir den Niedergang des alten Blumenthaler Ortskerns abwenden.

Und von welchem Projekt erhoffen Sie sich die meisten Impulse für Blumenthal?

Alle Projekte sind wichtig. Aber die meisten Impulse erwarte ich vom Berufsschulcampus mit mehreren Tausend Schülern. Darum hat der Beirat jetzt auch gefordert, dass es einen genauen Fahrplan gibt, wann welche Schule aufs Kämmerei-Gelände kommt – und wann die Mensa, die Bibliothek, die Sporthalle.

Wo steht der Stadtteil aus Ihrer Sicht?

Es gibt nach wie vor Probleme im Stadtteil, etwa mit den Leerständen entlang der Mühlenstraße und mit der Situation an der George-Albrecht-Straße. Außerdem ist die Sorge um die Arbeitsplätze bei Thyssen-Krupp und beim Kraftwerk Farge groß. Auch fehlen weiterhin Kitaplätze. Aber es bewegt sich etwas. Ich bin zuversichtlich, dass Blumenthal die Wende schafft.

Und wie macht sich Blumenthal im Vergleich zu den anderen beiden Nordbremer Stadtteilen?

Ich finde, dass Blumenthal von allen dreien am meisten von sich reden macht und der Stadtteil ist, in dem aktuell am meisten passiert und noch passieren wird.

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Also kein Wort mehr darüber, dass Blumenthal ein abgehängter Stadtteil ist?

So gesehen nicht. Und doch muss es in ganz Bremen-Nord einfach schneller und strukturierter vorangehen.

Woran machen Sie das fest?

Daran zum Beispiel, dass es an der Umsetzung des Struktur- und Entwicklungskonzepts für den Norden mangelt.

Wie das, wenn es doch beispielsweise in Blumenthal vorangeht, wie sie selbst sagen?

Weil das Papier voller Absichtserklärungen ist, aber ein Projektplan mit definierten Zwischenzielen fehlt. Beispiel Berufsschulcampus: Der erste Bauabschnitt soll jetzt beginnen – nur wird nicht gesagt, wie es danach weitergeht. Wann beispielsweise der zweite Bauabschnitt startet oder das Projekt abgeschlossen sein wird. Eine vernünftige Planung sieht anders aus.

Und nun?

Nun müssen die Nordbremer Stadtteilparlamente immer wieder darauf drängen, dass die im Konzept genannten Maßnahmen auch angegangen werden.

Was lief denn ihrer Meinung nach gut in diesem Jahr?

Die Arbeit in den Gremien. Bei vielen Sitzungen hat man eine Aufbruchstimmung wahrgenommen.

Und was war schlecht?

Dass viele Veranstaltungen, mit denen Blumenthal von sich reden macht, wegen Corona abgesagt werden mussten: die Mobilitätsmesse E-Day ebenso wie Folk im Park. Ich gehe jedoch davon aus, dass es beides im nächsten Jahr wieder geben wird. Und wir zusätzlich noch eine Sport- und Kulturwoche haben werden, die wir aktuell planen.

Was macht Sie so optimistisch?

Meine Zuversicht. Ich bin ein positiver Mensch.

Das Gespräch führte Christian Weth.

Info

Zur Person

Hans-Gerd Thormeier ist 56 Jahre alt und vertritt den Blumenthaler Beirat seit 2019 als Sprecher. Er gehört der CDU an. Thormeier arbeitet für die Deutsche Flugsicherung, ist verheiratet und hat drei Kinder.

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